11.05.2026

8. Nachhaltigkeitsbrunch: Reporting mit Wirkung

Pflichten erfüllen oder daraus lernen? Diese Frage hat den 8. Nachhaltigkeitsbrunch auf den Punkt gebracht. Über 100 Teilnehmende aus Wirtschaft, Wissenschaft und Beratung diskutierten am 21. April im OÖNachrichten FORUM in Linz, wie aus Nachhaltigkeitsreporting echte Wirkung entsteht – vom Omnibus-Paket und NaBeG über ESG in der Finanzierung bis zu CBAM, betrieblicher Mobilität und der Frage: Rechnet sich Nachhaltigkeit? Die Veranstaltung wurde vom Cleantech-Cluster, der Payer & Partner ESG Consulting GmbH sowie den OÖNachrichten organisiert und von der Sparkasse OÖ als Hauptsponsor unterstützt.

Gruppenfoto der Spekaer beim 8. Nachhaltigkeitsbrunch, v. l.: Richard Preißler (foama), Dorian Wessely (Cleantech-Cluster, Business Upper Austria), Anita Hammer (Sparkasse Oberösterreich), Gabi Puhm (Puhm Green GmbH), Reinhard Honeder (Naturbackstube Honeder GmbH), Lisa Wimmer (Sparkasse Oberösterreich), Maximilian Reindl (Johannes Kepler Universität Linz), Silvia Payer-Langthaler (Payer & Partner ESG Consulting), Katharina Höllmüller (VERBUND AG), Josef Baumüller (Technische Universität Wien)
V. l.: Richard Preißler (foama), Dorian Wessely (Cleantech-Cluster, Business Upper Austria), Anita Hammer (Sparkasse Oberösterreich), Gabi Puhm (Puhm Green GmbH), Reinhard Honeder (Naturbackstube Honeder GmbH), Lisa Wimmer (Sparkasse Oberösterreich), Maximilian Reindl (Johannes Kepler Universität Linz), Silvia Payer-Langthaler (Payer & Partner ESG Consulting), Katharina Höllmüller (VERBUND AG), Josef Baumüller (Technische Universität Wien) © Erwin Pils

Josef Baumüller von der TU Wien ordnete die dichte regulatorische Landschaft ein: Die Omnibus-Richtlinie hat den Anwendungsbereich auf Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und 450 Mio. Euro Umsatz eingeschränkt – rund 200 Unternehmen sind in Österreich direkt berichtspflichtig. Gleichzeitig bereitet die EFRAG die Simplified ESRS vor, die ab dem Geschäftsjahr 2027 gelten sollen. Baumüllers Botschaft: 

„Die Verantwortung reicht weit über die Berichtspflicht hinaus. Der VSME als freiwilliger KMU-Standard ist keine Ober-, sondern eine Untergrenze.“ 

Seine Empfehlung: implementieren, implementieren, implementieren.

Neustart für ESG

Silvia Payer-Langthaler von Payer & Partner ESG Consulting stellte fest: 

„Das Interesse an ESG ist ungebrochen, die Motive haben sich aber verschoben – weg vom regulatorischen Zwang, hin zu Erwartungen aus der Wertschöpfungskette.“

ESG müsse erwachsen werden: Statt der engagierten Nachhaltigkeitsmanagerin ohne Mandat und Budget Integration in Einkauf, Produktentwicklung und bestehende Managementsysteme. Ihr Kernsatz: 

„Reporting dient dem Management – nicht umgekehrt. Nachhaltigkeit scheitert nicht an fehlenden Informationen, sondern an fehlender Entscheidungsfähigkeit.“

Nachhaltigkeit in der Finanzierung

Anita Hammer und Lisa Wimmer von der Sparkasse Oberösterreich beantworteten fünf zentrale Fragen zur Rolle von ESG-Daten in der Kreditvergabe. Bei Unternehmen unter 50 Mio. Euro Umsatz setzt die Sparkasse eine ESG Factor Heat Map ein, bei größeren einen detaillierten ESG-Fragebogen. Die Ergebnisse fließen direkt in Rating und Finanzierungsantrag ein. Die klare Botschaft der Expertinnen: 

„Grüne Finanzierungen sind nicht automatisch günstiger. Nicht-grüne Projekte werden aber teurer, weil ihre Zukunftsfähigkeit nicht gesichert ist.“

Mobilität als Nachhaltigkeitshebel

Richard Preißler von foama zeigte, warum betriebliches Mobilitätsmanagement alle etwas angeht: Der Dieselpreis ist in den vergangenen zwölf Monaten um 42 Prozent gestiegen. 30 Prozent des Einkommens werden für den privaten Pkw aufgewendet. Wer mit dem Fahrrad pendelt oder zu Fuß zur Arbeit geht, senkt Krankenstände um acht bis zwölf Prozent. 

„Mobilitätsmanagement wirkt auf Scope-3-Emissionen, Employer Branding und Standortqualität – vorausgesetzt, es wird partizipativ und standortangepasst umgesetzt statt als Top-down-Standardrezept“, betonte Preißler.

First Mover VERBUND

Katharina Höllmüller von der VERBUND AG berichtete von der Umsetzung der ESRS-Berichterstattung im Projekt „Fitfor2024". Die Lessons Learned: 

„Weniger ist mehr – nicht für jedes Sub-Thema müssen Auswirkungen identifiziert werden. Die klare Unterscheidung zwischen Auswirkungen und Maßnahmen ist essenziell, ebenso eine fokussierte Berichtsstruktur, die irrelevante Informationen weglässt.“

CBAM als Nachhaltigkeitstreiber

Maximilian Reindl von der JKU Linz beleuchtete den CO2-Grenzausgleichsmechanismus als Ergänzung zum Emissionshandel. Betroffen sind derzeit Importe von Zement, Stahl, Aluminium, Düngemittel, Strom und Wasserstoff. Ab 2028 prüft die EU-Kommission die Ausweitung auf Downstream-Produkte wie Maschinen und Fahrzeugkomponenten. Reindls Fazit: 

„Durch CBAM wird klimafreundliche Produktion zum echten Wettbewerbsvorteil. Unternehmen sollten Emissionen als Kostenfaktor anerkennen und CBAM-Aspekte in die Lieferantenauswahl integrieren.“

Rechnet sich Nachhaltigkeit?

Die Abschlussdiskussion mit Anita Hammer (Sparkasse OÖ), Reinhard Honeder (Naturbackstube Honeder), Gabi Puhm (Puhm Green GmbH) und Josef Baumüller (TU Wien) zeigte: Für KMU ist Nachhaltigkeit oft gelebte Praxis – die Herausforderung liegt im Dokumentieren, nicht im Tun. Aus Bankensicht haben Unternehmen mit belastbarer ESG-Substanz einen klaren Vorteil in der Risikobewertung. Josef Baumüller drehte die Frage aus wissenschaftlicher Sicht um: 

„Es geht nicht um die Frage, ob sich Nachhaltigkeit rechnet, sondern darum, ob wir uns Nicht-Nachhaltigkeit noch leisten können.“

 

Kontaktpersonen:

Dorian Wessely, Cluster-Manager Cleantech-Cluster, Business Upper Austria
Dorian Wessely