Auto-Recycling auf der Zielgeraden
Stoßfänger, Verkleidungen und andere Kunststoffteile landen nach dem Autoleben oft außerhalb hochwertiger Kreisläufe. Das soll sich ändern. Die Initiative „Auto Reborn“ bringt Industrie, Recyclingbetriebe und Forschung zusammen. Aus ersten Gesprächen entstand jetzt eine Projektgruppe. Sie will Kunststoffe aus Altfahrzeugen nicht nur recyceln, sondern wieder auf die Straße bringen.
Ein Auto besteht aus Hunderten Kunststoffteilen. Nach dem Fahrzeugleben landen sie meist nicht wieder im Auto. Doch das soll sich ändern. Die Initiative „Auto Reborn“ von Kunststoff- und Automobil-Cluster widmet sich einer Frage, die die gesamte Branche beschäftigt: Wie gelangen Kunststoffe aus Altfahrzeugen zurück in den automobilen Einsatz?
Die neue europäische ELV-Regulatorik für Altfahrzeuge fordert höhere Recyclingquoten und mehr hochwertige Rezyklate in neuen Fahrzeugen. Zu diesem Thema trafen sich im Juni Fachleute aus Industrie, Zulieferindustrie, Recyclingtechnik und Forschung im Techno-Z Braunau und bei RDG-Plast in Mühlheim am Inn.
„Die Kunststoff-Recyclingindustrie hat diverse Kompetenzen aus dem Umgang mit Verpackungen aufgebaut und steht nun bereit, ein Kreislaufsystem für automobile Kunststoffe mit Innovationen zu begleiten“, sagte Michael Heinzlreiter vom Kunststoff-Cluster.
„Die Automotive-Branche hat die Innovationskraft, nachhaltige Produkte zu entwickeln“, ergänzte Automobil-Cluster-Manager Philipp Pichler.
Elisabeth Moser-Marzi brachte die politische Stoßrichtung auf den Punkt: „Mit der End-of-Life-Vehicle-Verordnung will die EU hocheffizientes, qualitativ hochwertiges Kunststoff-Recycling etablieren und nicht Bürokratie, Dokumentation oder Überregulierung fördern.“ Gisela Lehner von Borouge International verwies auf die Bedeutung eines Materials: „Polypropylen macht etwa 40 Prozent der Kunststoffe in Altfahrzeugen aus.“ Deshalb werde das mechanische Recycling von PP eine Schlüsselrolle spielen.
Werner Posch von der Dräxlmaier Group sagte: „Der Markt für Kunststoffrezyklate benötigt Planungssicherheit und stabile, auskömmliche Preise.“ Andreas Greulberger von Pollmann ergänzte: „Die Wirtschaftlichkeit und die Funktionssicherheit werden die Verwendung von Rezyklaten bestimmen. Trotzdem sind die Herausforderungen lösbar.“ Viele Voraussetzungen sind bereits vorhanden. Zertifizierungssysteme wie RecyClass schaffen Vergleichbarkeit entlang der Wertschöpfungskette. „Die RecyClass-Initiative bringt ein Mehr an Vergleichbarkeit und bewertet Materialstabilität, Geruch, Ablagerungen und die Veränderung von Materialeigenschaften“, erklärte Tamara Cwioro vom Transfercenter für Kunststofftechnik.
Bei einer Projektvorbesprechung Anfang Juli sammelten elf Teilnehmende erste Projektideen. Im Herbst folgt ein Round Table mit Förderberatung. Noch heuer wollen die Interessenten ein konkretes Projekt zur Förderung einreichen. Worauf die Beteiligten hinarbeiten, formulierte Michael Krainz vom OFI (Österreichisches Forschungsinstitut für Chemie und Technik): „Langfristiges Ziel sind Closed-Loop-Rezyklate mit konstant hoher Qualität.“ Das funktioniert nicht im Alleingang. Markus Zwingler von der RDG Recycling Group sieht darin den Schlüssel zum Erfolg: „Nicht jede Recyclinganforderung lässt sich derzeit ökonomisch darstellen. Aber mit aktiver und enger Kooperation beim Design-for-Recycling werden es täglich mehr.“