Bauen neu gedacht: Digital, grün, vernetzt
Wie kann sich die Bauwirtschaft angesichts von Klimawandel, Digitalisierung und Ressourcenknappheit zukunftsfähig aufstellen? Diese Frage stand im Zentrum der Fachtagung „OÖ. Bauvisionen“ am 7. Oktober 2025 in der Linzer Tabakfabrik. Vertreter:innen aus Bauwirtschaft, Forschung und Verwaltung diskutierten über Wege zu einer nachhaltigen und innovativen Baukultur. Veranstaltet wurde die Tagung von der Zukunftsakademie, dem Building Innovation Cluster und der Wirtschaftskammer Oberösterreich.
Die Bauwende im Sinne des europäischen Green Deals gelingt nur durch enge Zusammenarbeit zwischen Forschung, Wirtschaft, Verwaltung und Praxis. Technologische Innovationen benötigen klare rechtliche Rahmenbedingungen und interdisziplinäre Ansätze. Johann Lefenda, Leiter der Abteilung Trends und Innovation im Amt der Oö. Landesregierung, betonte: „Nachhaltigkeit, Digitalisierung und gesellschaftliche Verantwortung müssen künftig stärker zusammengedacht werden.“ Auch Werner Pamminger, Geschäftsführer von Business Upper Austria, unterstrich die Bedeutung von Netzwerken zwischen Wirtschaft und Forschung, um Innovationen rasch in die Praxis zu bringen.
Kathrin Dörfler, Professorin für Digital Fabrication an der TU München, zeigte auf, wie digitale Technologien und Robotik zur Ressourcenschonung und Rückgewinnung von Materialien beitragen können. „Gerade für die Kreislaufwirtschaft ist das zentral, da rund die Hälfte aller Abfälle aus dem Bauwesen stammt,“ erklärte sie. KI-gestützte Roboter können Bauteile erkennen, identifizieren und rückbauen – etwa durch automatische Erkennung einzelner Backsteine. Besonders spannend: Roboter speichern Informationen zur ursprünglichen Nutzung und Lage von Materialien, was deren Wiederverwendung oder Reparatur erleichtert.
Erwin Rockenschaub, Geschäftsführer der Oberösterreichischen Boden- und Baustoffprüfstelle (BPS), erläuterte die Herausforderungen bei der Qualitätssicherung von Baustoffen aus recycelten Materialien. Der Nachweis, dass diese Produkte Anforderungen wie Festigkeit, Brandschutz oder Hygiene erfüllen, wird zunehmend komplexer. Zwar bieten Recyclingmaterialien ökologische Vorteile, doch viele Aspekte – etwa die Auswirkungen auf die Treibhausgasbilanz – sind in bestehenden Normen noch nicht ausreichend berücksichtigt. Rockenschaub fasste zusammen: „Qualitätssicherung schafft Vertrauen und verbindet ökologische Fortschritte mit technischer Sicherheit.“
Herbert Leindecker von der FH Oberösterreich, Campus Wels, zeigte, wie sich die Ausbildung an die Anforderungen einer sich wandelnden Bauwelt anpasst. Studierende müssen auf eine Zukunft vorbereitet werden, in der Klimawandel, Energiewende, Digitalisierung und gesellschaftliche Verantwortung eng verknüpft sind. Nachhaltigkeitszertifikate wie klimaaktiv werden laut Leindecker künftig entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit von Gebäuden sein. Themen wie Lebenszyklusanalysen, BIM-gestützte Planung, Gebäudesimulationen und Suffizienz in der Gebäudetechnik gewinnen an Bedeutung. Sein Fazit: Gebäude sollten künftig von Anfang an unter dem Aspekt des Rückbaus geplant werden.
Wolfgang Holzhaider, Landesinnungsmeister der oberösterreichischen Bauinnung und Geschäftsführer der Holzhaider Bau GmbH, verwies darauf, dass die Emissionen aus der Gebäudenutzung deutlich höher sind als jene aus der Bauwirtschaft selbst. Der Energieverlust eines Gebäudes hängt nicht nur von der Gebäudehülle ab, sondern vom Zusammenspiel vieler Faktoren – etwa Fenster, Türen, Lüftung und Nutzungsverhalten. Holzhaider plädierte für ganzheitliche Ansätze und Materialien, die energieeffizient, rückbaufähig und wiederverwertbar sind.
Ein Highlight der Veranstaltung waren die Demonstrationsprojekte des Creative Robotics-Labors und des Quadrill-Towers in der Tabakfabrik Linz. Johannes Braumann, Professor an der Kunstuniversität Linz, präsentierte robotische Prozesse an der Schnittstelle von digitaler und physischer Welt. Der Fokus seines Teams liegt auf dem Zusammenspiel von Programmierung, Robotik und Prozessverständnis. Marco Egger von Bodner Bau stellte den Quadrill-Tower vor – ein Projekt, das mit modernsten Materialien, energieeffizienter Gebäudetechnik und innovativen Planungsprozessen realisiert wurde. Es zeigt eindrucksvoll, wie digitale Fertigung, nachhaltige Architektur und Kreislaufprinzipien bereits heute umgesetzt werden.
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