09.01.2026

Interview mit Edgar Maras, Leiter des Verbindungsbüros des Nantong China Austria Su-Tong Ecopark

Brücken zwischen Oberösterreich und China

Im Schatten großer Kooperationsvereinbarungen und Hochschulpartnerschaften wirken oft jene, die die eigentlichen Fundamente dafür legen: die Brückenbauer. Einer von ihnen ist Edgar Maras. Seit mehr als einem Jahrzehnt unterstützt sein Verbindungsbüro im Nantong Ecopark oberösterreichische Unternehmen beim Markteintritt in China. Auch bei der jüngsten Delegationsreise rund um Frederic Hadjari war sein Team ein unverzichtbarer Partner. Anlass genug, um einen Blick hinter die Kulissen dieser besonderen Zusammenarbeit zu werfen.

© Privat
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Herr Maras, das Verbindungsbüro des Nantong Ecopark ist seit über zehn Jahren ein verlässlicher Partner für Business Upper Austria und oberösterreichische Unternehmen. Was ist aus Ihrer Sicht das Erfolgsgeheimnis dieser langjährigen Brückenfunktion?

Das zentrale Erfolgsrezept ist gegenseitiges Vertrauen. Dieses entsteht vor allem durch persönliche Zusammenarbeit. Ständige Kommunikation, regelmäßige Treffen und gemeinsame Aktivitäten wie Veranstaltungen, Delegationsreisen in beide Richtungen oder gezielte Vernetzungen von Unternehmen und Organisationen sind dafür entscheidend. Kurz gesagt: Es geht um ein echtes Miteinander auf Augenhöhe, um gegenseitiges Verständnis und um gemeinsam formulierte Ziele, die dann rasch und möglichst unbürokratisch in die Praxis umgesetzt werden.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, wie Sie Unternehmen aus Oberösterreich beim Einstieg in den chinesischen Markt unterstützen? Vor welchen besonderen Hürden stehen gerade Tech-Firmen?

Während wir im Automotive-Bereich bereits viele erfolgreiche Projekte realisieren konnten, ist der Durchbruch mit IT-Unternehmen bislang noch herausfordernder. Genau deshalb haben wir kürzlich eine neue Brücke zur TU Shanghai geschlagen, mit besonderem Fokus auf IT und Künstliche Intelligenz. Ziel ist es, oberösterreichischen IT-Unternehmen den Zugang zu chinesischen Unternehmen, Forschungsorganisationen, R&D-Zentren und Universitäten zu ermöglichen. Künftig wollen wir zudem die im Ecopark angesiedelten chinesischen IT-Unternehmen sowie weitere Firmen in der Region gezielt mit oberösterreichischen Betrieben vernetzen. Tech-Firmen stehen dabei vor vielfältigen Herausforderungen: vom Fachkräftemangel über die Integration von KI, Cybersecurity und Datenschutz bis hin zu regulatorischer Unsicherheit, starkem Wettbewerbsdruck, finanziellen Risiken sowie kulturellen und menschlichen Faktoren. Auch Nachhaltigkeit und langfristige Planung spielen eine zunehmend wichtige Rolle.

Sie haben maßgeblich zum Zustandekommen des Memorandum of Understanding zwischen dem Softwarepark Hagenberg und der University of Shanghai for Science and Technology beigetragen. Was war der entscheidende Impuls dafür?

Der Anstoß kam von der Internationalisierungsabteilung des Ecoparks im Bereich Science and Technology mit dem klaren Ziel, eine chinesische Universität mit einem österreichischen Partner zu vernetzen. Die chinesischen Kolleginnen und Kollegen wählten daraufhin die USST in Shanghai aus, während das Repräsentanzbüro in Wien den Softwarepark Hagenberg als idealen Partner vorgeschlagen hat. Der eigentliche Durchbruch entstand jedoch durch persönliche Begegnungen: kurze, direkte Wege, Treffen auf Entscheidungsebene und ein sehr gutes zwischenmenschliches Verständnis. Beide Seiten erkannten rasch die Potenziale – eine klassische Win-win-Situation.

China gilt für viele Europäer als komplexes Umfeld. Welche kulturellen Schlüssel sind aus Ihrer Erfahrung entscheidend für nachhaltige Partnerschaften?

Das Wichtigste ist, die jeweilige Kultur zu verstehen und zu akzeptieren. Vertrauen entsteht nicht durch E-Mails oder Videokonferenzen allein, sondern durch persönliche Begegnungen und kontinuierlichen Austausch. Bevor man Geschäftspartner wird, sollte man sich als Mensch kennenlernen und wertschätzen. Dabei spielen Aspekte wie das Wahren des Gesichts, indirekte Kommunikation und Respekt vor Entscheidungsstrukturen eine große Rolle. Ein „Ja“ bedeutet nicht immer Zustimmung, Kritik sollte niemals öffentlich geäußert werden, und Geduld ist unerlässlich. Langfristiges Denken, Bescheidenheit und echte Lernbereitschaft sind zentrale Voraussetzungen. Wer mit der Haltung kommt, alles besser zu wissen, wird scheitern. Vertrauen wächst schrittweise. Druck führt meist zum Gegenteil.

Sie haben Einblick in mehrere Innovationszentren wie den Nantong Innovation Park oder das Hangzhou Research Institute. Wo sehen Sie die größten Synergien für oberösterreichische IT- und Forschungscluster wie das SCCH oder die RISC Software GmbH?

Sowohl in China als auch in Oberösterreich ist der Wille zur technologischen Innovation enorm ausgeprägt, bei Unternehmen ebenso wie in der Wissenschaft. Besonders beeindruckend ist die enge und pragmatische Zusammenarbeit zwischen lokalen Regierungen und Unternehmen in China. Regierungen schaffen gezielte Rahmenbedingungen und Anreize, während Unternehmen mit großer Freiheit und Dynamik Innovationen vorantreiben. Dieses Zusammenspiel bietet große Synergien und spannende Anknüpfungspunkte für oberösterreichische Cluster und Forschungseinrichtungen.

China investiert massiv in KI, Big Data und digitale Transformation. Wie kann das Verbindungsbüro künftig IT-Start-ups und Tech-Firmen aus Oberösterreich konkret unterstützen?

Unsere Rolle als Brückenbauer werden wir weiter ausbauen. Das Verbindungsbüro versteht sich als Kommunikations- und Kooperationsplattform für chinesische und österreichische IT-Start-ups sowie etablierte Technologieunternehmen. Wir unterstützen bei der Suche nach Kooperationspartnern, bei der Markterschließung und durch die Organisation von Fachveranstaltungen und Foren. Zusätzlich bietet der Su-Tong Ecopark ganz praktische Hilfe durch Büro- und Wohnmöglichkeiten für oberösterreichische Repräsentanzen. So können Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit in China strukturiert und begleitet aufnehmen.

Für 2026 ist ein Gegenbesuch der chinesischen Partner in Hagenberg geplant. Welche Erwartungen verbinden Sie persönlich mit den nächsten fünf Jahren der Zusammenarbeit?

Ich wünsche mir, dass IT-Start-ups und etablierte Tech-Firmen aus China und Österreich ihr Vertrauen weiter vertiefen, gemeinsam Märkte erschließen und echte Win-win-Situationen schaffen. Die Zusammenarbeit zwischen Oberösterreich und dem Ecopark soll weiter institutionalisiert werden – etwa durch den Betrieb einer Repräsentanz Oberösterreichs im Su-Tong Ecopark und perspektivisch durch einen gemeinsamen Fonds zur Unterstützung internationaler Expansion. Gleichzeitig sollen chinesische Unternehmen, die einen Standort oder Kooperationen in Europa suchen, bevorzugt mit Business Upper Austria vernetzt werden. Auch der Austausch von Studierenden und Gastprofessor:innen in beide Richtungen ist ein zentrales Ziel für die kommenden Jahre.

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