05.05.2026

Darum prüfe, wer sich ewig bindet!

Wenn Metallteile einander zum Verwechseln ähnlich sehen, steigt die Fehlerquote – und die Frustration der Mitarbeitenden. Ein niederösterreichischer Betrieb wollte wissen, ob digitale Assistenz hier wirklich hilft. Die Antwort gab der European Digital Innovation Hub (EDIH) „AI5innovation“: kostenlos, praxisnah und ohne Investitionsrisiko. Für Business Upper Austria sind der Building Innovation Cluster sowie der Mechatronik-Cluster am Projekt beteiligt.

Der EDIH „AI5innovation“ unterstützt Unternehmen bei der Digitalisierung mit KI und Robotik.
Der EDIH „AI5innovation“ unterstützt Unternehmen bei der Digitalisierung mit KI und Robotik. © Cityfoto/Pelzl

Eine Produktionshalle bei einem metallverarbeitenden Betrieb in Niederösterreich, eine Laserschneidanlage und Container voller Bauteile. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben verschiedene Metallteile ausgeschnitten und sollen sie jetzt dem richtigen Container zuordnen. Manche Bauteile unterscheiden sich kaum voneinander. Die Fehlerquote ist daher hoch, die Tätigkeit bei der Belegschaft dementsprechend unbeliebt. „Wir haben deshalb nach einer Lösung gesucht, die die Fehler reduziert und unsere Produktivität steigert, gleichzeitig gut handhab- und beherrschbar ist sowie von unseren Mitarbeitenden akzeptiert wird“, schildert Reinhard Krumpholz, Geschäftsführer der RK-Metalltechnik.

Testen ohne Risiko

Die Idee: Ein AR-Assistenzsystem könnte helfen. Doch es stand die Frage im Raum: Ist das nur eine technische Spielerei oder führt es tatsächlich zu einer Produktionssteigerung? Bevor das Unternehmen investiert, wollte Krumpholz wissen, ob sich der Aufwand lohnt. Genau hier kam „AI5innovation“ ins Spiel. Mit „Test before invest“ können Unternehmen Technologien in Labor- und realen Umgebungen mit einem kompetenten Partner aus dem Hub kostenlos erproben. Bis zu 40.000 Euro Projektvolumen sind zu 100 Prozent aus den europäischen und nationalen Fördermitteln gedeckt.

Vom Use Case zum Wettbewerbsvorteil

Bei RK-Metalltechnik baute die PROFACTOR GmbH einen Versuch auf. „Ein Projektor projizierte Informationen auf die fertig geschnittenen Blechteile. So kann der Mitarbeiter unmittelbar erkennen, welchen Teil er als nächstes in welchen Container stellen muss“, erklärt Christian Wöginger von PROFACTOR. Nach zahlreichen Versuchsreihen war der Kipppunkt erreicht: Die Investitionsfrage kippte von „ob“ zu „wie“. „Wir haben gesehen, dass die Lösung funktioniert – nicht im Labor, sondern an unseren Teilen, mit unseren Abläufen. Das hat überzeugt“, sagt Krumpholz.  Wöginger betont: „Ohne den EDIH hätte das Unternehmen die AR-Technologie nicht in Erwägung gezogen.“ 

Vom Labor in die Halle 

Geleitet von der Vision einer effektiven, effizienten, resilienten und nachhaltigen europäischen Produktion forciert der EDIH „AI5innovation“ die digitale Transformation der produzierenden Unternehmen. Künstliche Intelligenz ist dabei ein zentrales Werkzeug, mit dessen Hilfe Europa gestärkt in die Zukunft geführt werden soll. „AI5innovation“ hilft Unternehmen, durch Digitalisierung und KI ihren Zielen näherzukommen und ermöglicht einen einfachen, kostenlosen und niederschwelligen Zugang zu vorhandener Expertise und Pilotumgebungen.

Erfolgsgeschichte 

Der Hub ist die Fortsetzung des erfolgreichen EDIH „AI5production“. Nach Bestbewertung erhielt das erweiterte Konsortium eine zweite Förderperiode bis 2028. Es besteht aus 18 Partnern in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark, angeführt von der Pilotfabrik Industrie 4.0 der TU Wien. Ihr gemeinsames Ziel: den digitalen Reifegrad produzierender Unternehmen heben – für mehr Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Qualifikation. 152 Test-before-Invest-Projekte, 1.542 geschulte Personen und 122 Events in drei Jahren zeigen: Die Nachfrage ist hoch, der Nutzen ebenso.

Erfolgsgeheimnis 

Franz Sümecz von der TU Wien kennt das Erfolgsgeheimnis: „Hohe Expertise und starker Bezug zur industriellen Anwendung; niederschwelliger, schneller Zugang zu Unterstützung; 100 % Förderung und damit kein Risiko für das Unternehmen; 1:1-Beziehung zwischen EDIHs und Unternehmen; keine Einschränkung in Bezug auf den TRL (Technology Readiness Level) sowie Abschätzung der Beherrschbarkeit der neuen Technologie im Unternehmen.“

Vier Säulen, ein Ziel 

Die Services sind klar strukturiert: „Skills & Training“ qualifiziert Teams. „Test before invest“ bringt Technologien unter realen Bedingungen ins Unternehmen. „Support to find Investments“ öffnet Türen zu Förderungen und Investoren. „Innovation Ecosystem & Networking“ vernetzt Betriebe mit Forschung und europäischen Partnern. Für Unternehmen bis 2.999 Mitarbeitende sind diese Leistungen – nach De-minimis-Regel – kostenlos.

Von Skepsis zum Projekt 

Wie unterschiedlich die Fragestellungen der Unternehmen sind, zeigt ein weiteres Fallbeispiel: die automatisierte Roboterpfaderzeugung für die Bearbeitung von Waschtischen. Die Pfade wurden auf Basis von 3D-Scans berechnet „Fraglich war dabei, ob es gelingt, mit dem Roboter die erforderliche Oberflächenqualität zu erreichen“, erläutert Wöginger. Ein Eingabestift legt den zu bearbeitenden Bereich interaktiv fest – Ergebnis ist Qualität an variablen Geometrien ohne erneutes Programmieren. 

KI in der Produktion 

In vielen Projekten stehen Qualitätssicherung und Prozesssteuerung im Zentrum. Bildbasierte KI erkennt Abweichungen, Datenmodelle steuern Anlagen stabiler, Predictive Maintenance verhindert Stillstände. Der Mehrwert zeigt sich in Euro und Zeit – weniger Ausschuss, kürzere Durchlaufzeiten, mehr Planbarkeit. KI ist kein Selbstzweck, sondern Werkzeug. „Unser Anspruch ist menschzentrierte Digitalisierung: KI soll Mitarbeitende unterstützen, nicht ersetzen. Mit ‚Test before invest‘ nehmen wir die Unsicherheit aus Technologieentscheidungen – und bringen Lösungen dorthin, wo sie wirken: in die Produktion“, betont Sümecz.

Sicherheit, Datenschutz, Akzeptanz 

Digitalisierung in der Produktion heißt auch: sensible Daten, vernetzte Systeme, neue Rollen. „AI5innovation“ integriert Security, Privacy und Regulatorik in die Projekte – vom Datenfluss bis zur Schnittstelle. Genauso wichtig ist die Akzeptanz im Team: Trainings holen Mitarbeitende früh ab, erklären Ziele, zeigen Nutzen und bauen Vorbehalte ab. „AI5innovation“ hat außerdem den Fokus erweitert: auf Land-, Forst- und Holzwirtschaft sowie die Twin Transition aus digital und grün. Der Einstieg ist bewusst niederschwellig: Erstgespräch, Datenanalyse, Test-before- Invest-Projekt, wenn es sinnvoll ist – unterstützt durch Pilotfabriken, Sensorik und Expertise. Das Ergebnis: eine fundierte Entscheidungsgrundlage samt Demonstrator. „Entscheidend ist, dass die Lösung zum Betrieb passt – nicht umgekehrt“, sagt Sümecz.

Der MC als Brückenbauer 

Der Mechatronik-Cluster und der Building Innovation Cluster von Business Upper Austria spielen eine zentrale Rolle: Sie bringen Betriebe zusammen, vernetzen Forschung und Industrie und unterstützen bei Schulungen, Matching-Formaten und Zugang zu Forschungsinfrastruktur. Der MC hat den kurzen Draht in die Betriebe. „Viele KMU haben die richtigen Fragen – ihnen fehlen oft nur die passenden Andockpunkte. Genau da setzen wir an: Wir bringen die richtigen Menschen zusammen und sorgen dafür, dass aus einem Workshop ein handfestes Ergebnis wird – von der Idee bis zur Implementierung“, sagt Key Account Manager Wolfgang Steiner.

Europa denken, regional handeln

Als Teil des europäischen Netzwerks greift „AI5innovation“ auf Partner und Ressourcen in ganz Europa zu. Gleichzeitig bleiben Ansprechpartner und Infrastruktur nah – Pilotfabrik, LIT Factory, Forschungseinrichtungen und Cluster in Reichweite. Für KMU ist das die beste Kombination: internationale Exzellenz, regionale Umsetzung. Effizienz, Resilienz und Qualifikation wachsen so zusammen.

aI5 INNOVATION 

„AI5innovation“ ist einer von mehr als 200 EDIHs, die von der Europäischen Kommission im Digital Europe Programme gefördert werden und seit 2022 europaweit die Digitalisierung voranbringen. Sie unterstützen Unternehmen und Public Service Organisationen je nach regionalem Schwerpunkt bei der digitalen Transformation – praxisnah, thematisch fokussiert und eng vernetzt. „AI5innovation“ setzt einen Schwerpunkt auf die Produktion und erweitert den Blick um Land-, Forst- und Holzbranchen. Die Leistungen sind für berechtigte Unternehmen kostenlos; entscheidend ist die konkrete Fragestellung aus dem Betrieb, nicht die Größe des Budgets. 
 

Services

  • Skills and training
  • Test before invest
  • Support to find investments
  • Innovation ecosystem and networking
     

Zahlen

1.542 Menschen haben bereits an Schulungen und Trainings teilgenommen. 

5,738 Mio. Euro Wertschöpfung hat der EDIH bereits generiert.

152 Test-before-invest-Projekte hat der EDIH bereits abgewickelt 

122 Events mit 5.289 Teilnehmenden haben stattgefunden.

Kontaktpersonen:

Wolfgang Steiner, Projektmanager Mechatronik-Cluster, Business Upper Austria
Wolfgang Steiner
Key Account Manager

Industrial Services

wolfgang.steiner(at)biz-up.at