Der Mensch im Mittelpunkt
Wie KMU in der Fertigung mit neuroergonomischen Arbeitsplätzen, künstlicher Intelligenz (KI), kollaborativer Robotik und Extended Reality (XR) ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern und das Wohlbefinden der Beschäftigten verbessern können, zeigt ein länderübergreifender Democase im Projekt „BrAIn“.
Die digitale Transformation schreitet voran, aber mit Industrie 5.0 rückt der Mensch wieder in den Mittelpunkt. Ein Democase des EU-geförderten Projekts „BrAIn“ konzentriert sich auf eine modulare, skalierbare Arbeitsstation für manuelle Montageprozesse. Sie wurde speziell für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) entwickelt, die auf qualifizierte Handarbeit angewiesen sind und sich beispielsweise mit Fachkräftemangel oder Leistungsvariabilität (natürliche Schwankungen in der menschlichen Leistungsfähigkeit) konfrontiert sehen.
Die Arbeitsstation umfasst fünf Modulgruppen: eine psychologische Bewertung, bei der die mentale Belastung EEG-basiert erfasst wird; physische Unterstützung durch Cobots und Exoskelette zur Entlastung des Bewegungsapparats; nicht-physische Unterstützung mittels XR-gestützten Benutzeroberflächen und visuellen Anleitungen; eine physische Bewertung mit Sensoren zur Bewegungsanalyse und Ergonomieüberwachung sowie strategische Unterstützung mithilfe KI-gestützter Aufgabenplanung und IoT-basierter Datenanalyse. Die Module sind flexibel kombinierbar und lassen sich an die spezifischen Anforderungen einzelner Unternehmen anpassen.
„Die Demo zeigt, wie Technologie den Menschen unterstützt und nicht ersetzt. Die Benutzerführung ist intuitiv und die Assistenzlevel können individuell angepasst werden. Gemeinsam mit der KI-basierten Aufgabenverteilung sorgen diese Eigenschaften für eine bessere Lernkurve, geringere mentale Belastung und höhere Motivation“, erklärt Elmar Paireder vom MechatronikCluster, Büro Linz. Bei der Entwicklung sind auch KMU miteingebunden. Lokale und länderübergreifende Trainings sowie systematisiertes Feedback führen zu einem gemeinsamen Lernprozess. Federführend beim Democase ist die School of Electrical Engineering der Universität Belgrad, die auch an „CITADELS“ beteiligt ist. Dieses EU-Projekt will unter anderem den Zugang zu DeepTech-Innovationen erleichtern.
Doch zurück zu „BrAIn – Bringing Artificial Intelligence towards SMEs“. Das Projekt im Interreg Danube Region Programme soll KMU in der Donauregion beim Implementieren von KI-Technologien unterstützen und sie auf die Anforderungen von Industrie 5.0 vorbereiten. Mit einem Budget von rund 1,87 Millionen Euro bündeln Partnern aus zehn Ländern ihre Kräfte. Pilotprojekte in der Fertigung, im Bereich Agro-Food und im Gesundheitswesen sollen konkrete, nachhaltige Lösungen liefern, die wirtschaftliche, soziale und ökologische Auswirkungen berücksichtigen.
Der Democase ist ein zentraler Bestandteil dieser Strategie und verfolgt den ganzheitlichen Ansatz: ökonomisch – mit kürzeren Einarbeitungszeiten und präziserer Planung dank individueller Leistungsdaten; sozial – durch verbesserte Integration von Beschäftigten und respektvollen Umgang mit individuellen Fähigkeiten; ökologisch – durch weniger Ausschuss dank optimierter Assistenzsysteme sowie Unterstützung der „Right to Repair“-Initiative. „Die neuroergonomische Arbeitsstation ist mehr als ein technisches Exponat. Sie ist Impulsgeber für die Zukunft der Fertigung und zeigt, wie Industrie 5.0 konkret umgesetzt werden kann: durch intelligente, adaptive und mitarbeiterfreundliche Lösungen, die den Erfolg von KMU und damit ganzer Volkswirtschaften sichern“, ist Paireder überzeugt.
Bringing Artificial Intelligence towards SMEs – 11 Partner aus 10 Ländern: Pannon Business Network Association (HU), Business Upper Austria (AT), University of Belgrade - School of Electrical Engineering (RS), Foundation Cluster Information and Communication Technologies (BG), Information Society Development Institute (MD), ITC – Innovation Technology Cluster Murska Sobota (SI), Organization for Entrepreneurship Development (MD), PROUNION (SK), Steinbeis 2i GmbH (DE), West Regional Development Agency (RO), XR Institute Ltd. (CZ)