08.05.2026

Elastisch und abbaubar: Neue Materialien dank internationaler Partnerschaft

Ein Abflusssieb im Waschbecken. Ein Kinderwagenrad auf dem Gehsteig. Ein Tischtennisschläger im Verein. Dinge, die wir täglich nutzen. Und die nun zeigen, wie Kreislaufwirtschaft im Alltag ankommt. Möglich macht das eine internationale Kooperation, an der Business Upper Austria wesentlichen Anteil hat.

Unterschiedliche Anwendungen für KUORI BIOWA Compounds
Unterschiedliche Anwendungen für KUORI BIOWA Compounds (erhältlich via Plastrans) © KUORI

Im Zentrum steht Plastrans Technologies aus Linz. Das Unternehmen handelt weltweit mit Polymerrohstoffen und beliefert Kunden in mehr als 25 Ländern. 

„Wir sind immer offen für Innovationen. Wer transformieren will, darf nicht im Gestern hängen. Daher ist uns im Enterprise Europe Network (EEN) sofort das Profil eines Unternehmens ins Auge gesprungen. Die Kombination aus Elastizität und biologischer Abbaubarkeit ist in der Welt der abbaubaren Materialien neu“, erzählt Rudi Eswein, Director of Sustainability bei Plastrans.

Der erste Kontakt

Unternehmen, die Partner suchen, können ihr Profil am EEN-Marktplatz anonym veröffentlichen. Interessierte Unternehmen können sich melden, regionale Business Agencies (EEN-Partnerbüros) – in Oberösterreich ist das Business Upper Austria – stellen dann den Kontakt her. Hinter dem von Eswein entdeckten Profil steckt das Schweizer Unternehmen KUORI, ein Start-up mit zehn Beschäftigten. Es entwickelt und vertreibt kreislauffähige Materialien, die Lebensmittelreste wie Bananen- oder Nussschalen beinhalten. Das EEN-Team bei der oberösterreichischen Standortagentur gab die Kontaktdaten von Plastrans an die Schweizer Kollegin weiter. Ein erstes Treffen erfolgte auf der FAKUMA 2024. 

„Daraus ist eine Zusammenarbeit entstanden, die bis heute funktioniert“, sagt Eswein.

Ein Ökosystem für morgen

Elastische Materialien gelten oft als langlebig, aber kaum abbaubar. Plastrans und KUORI gehen einen anderen Weg. Sie steuern Härtegrade gezielt und mischen biobasierte Bestandteile wie Olivenkern-Pulver oder Stärke bei. Basis ist die Materialplattform BIOWA, auf der das Zusammenspiel mit anderen Komponenten auf das jeweilige Anwendungsszenario zugeschnitten wird. 

„So erhalten wir schnell abbaubare oder wasserlösliche Materialien bis hin zu langlebigen, robusten Compounds für Schuhaußensohlen“, erklärt Eswein. 

Letztere bauen sich unter natürlichen Bedingungen ab, wenn sie zerkleinert sind bzw. von der Oberfläche abgerieben werden.

Verarbeitet werden die Materialien über Extrusion und Spritzguss, damit sind sie vollständig recycelbar. Plastrans liefert Rezeptur-Komponenten. KUORI bringt Prozess- und Produktwissen ein. Beide öffnen einander ihre Netzwerke. Das senkt Kosten, ermöglicht weitere Partnerschaften und schafft Spielraum für neue Anwendungen.

Partnerschaft der Möglichkeiten

„Wir geben unseren Partnern Entscheidungsspielräume und beraten sie dabei“, erklärt Rudi Eswein. „Ganz konkret geht es hier um unser breites Materialportfolio aus konventionellen Materialien, fast allen kommerziell verfügbaren Bio-Polymeren, Compounds, Rezyklaten und ISCC+-zertifizierten Polyolefinen. Gepaart mit den eigenen Fähigkeiten unserer Partner öffnet sich eine Spielwiese für Kreativität. Es geht hier also nicht um ein einziges Material, sondern um eine Fülle an Möglichkeiten.“

Vom Sanitärmarkt bis zum Sport

Erste Pilotprodukte basierend auf KUORIs Compounds zeigen die Bandbreite der Möglichkeiten: ein Tischtennisschlägerbelag, dessen Oberfläche den Drall des Balls unterstützt, 3D-Druck Filamente oder Schuhsolen, wobei stets auch agrarische Reststoffe wie Olivenkerne, Walnussschalen oder Reststärke Verwendung finden. Auf dem Sanitärmarkt ist bereits ein Abflusssieb auf Basis von KUORIs Materialmischung und Plastrans-Rohstoffkomponenten in Kleinserie erhältlich. 

„Geht es versehentlich im Kanal verloren, baut es sich mit der Zeit ab. Weil es flexibel ist, passt es sich gut an und kann etwa gemeinsam mit Haaren weggeworfen oder gereinigt und wiederverwendet werden. Das bestätigt auch das Plastrans-Team, das das Abflusssieb monatelang verwendet hat“, schildert Eswein.

Produkte mit Verantwortung

Abbaubarkeit ist hier eine Notfalloption, kein Freibrief für sorglosen Umgang oder dafür, Produkte achtlos in der Umwelt zu entsorgen oder das End-of-Life Szenario zu ignorieren. Der Fokus liegt vielmehr auf der Flexibilität, die durch die Wahl der Rezeptur gelingt. 

„Gleichzeitig erreichen wir ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Verwendungsdauer und Abbaubarkeit“, ergänzt Rudi Eswein.

Vom Labor in erste Anwendungen

Ein spannendes Aktionsfeld ist die Reduktion von abriebbedingtem Mikroplastik. Kautschuk beispielsweise ist nur eingeschränkt abbaubar, stark vernetzter synthetischer Kautschuk wie bei Autoreifen kann gar nicht biologisch abgebaut werden. Gleiches gilt für viele weitere Produkte des täglichen Lebens, etwa Schuhsohlen. Hier kommen die flexiblen und elastischen Materialien von KUORI ins Spiel. Die Anwendung in einem Kinderwagenrad mit abbaubarem Abrieb ist im Labormaßstab bereits gelungen. Eine abbaubare Kinderschuhsohle ist derzeit in einer frühen Marktphase im Einsatz und wird außerhalb des Laborumfelds unter Praxisbedingungen getestet.

Kompostierbare Hochbarrierematerialien

Werkstoffe zum Ersatz von vernetzten Materialien wie bei Autoreifen stehen derzeit auf Technology Readiness Level 3 (Technologiereifegrad 3), sprich: Der experimentelle Nachweis der funktionierenden Technologie ist geglückt. Zusätzlich zu den Materialien von KUORI baut Plastrans sein Portfolio weiter aus. Dazu zählen kompostierbare Hochbarrierematerialien auf CO2-Basis. 

„Außerdem arbeiten wir an Rohstoffpartnerschaften, bei denen es um Beschichtungsmaterialien aus agrarischen Reststoffen geht“, berichtet Eswein.

Partnerbörse für internationale Kooperation

Business Upper Austria hat Plastrans und KUORI über das EEN-Partnering am EEN-Marktplatz zusammengeführt. Projektmanagerin Nicole Laher erklärt: 

„Unsere Aufgabe ist es, Suchprofile oberösterreichischer KMU zu erstellen und europaweit über das EEN zu verbreiten. Suchprofile ausländischer Unternehmen übermitteln wir an potenzielle Partner in Oberösterreich. Damit wollen wir Kooperationen anstoßen.“

Maßgeschneiderte Beratung

Mittels ECO-lyze® Assessment hat das EEN-Team mit Plastrans auch den Status quo der betrieblichen Nachhaltigkeit analysiert und hinsichtlich Verbesserungsmöglichkeiten beraten. Eswein betont: 

„Unser Nachhaltigkeitsbericht nach ESRS VSME für 2025 ist in Arbeit. Wir lernen konstant aus den Erfahrungen, die wir während der Erstellung der Berichte und danach sammeln. Business Upper Austria hat uns hier den Einstieg maßgeblich erleichtert.“

Enterprise Europe Network

Das Enterprise Europe Network (EEN) unterstützt Unternehmen mit 3.000 Expertinnen und Experten in 50 Ländern bei sämtlichen Fragen zur Internationalisierung sowie bei der Suche nach Kooperationspartnern. Als Regionalpartner im Enterprise Europe Network unterstützt Business Upper Austria seit 2008 die Internationalisierungsbestrebungen oberösterreichischer KMU bei Forschung, Technologie und Innovation.
www.een.at

Plastrans Technologies GmbH

Das in Linz gegründete Unternehmen verfügt über mehr als 35 Jahre Erfahrung. Plastrans agiert als nachhaltiger Lösungsanbieter an der Schnittstelle zwischen Polymerherstellern und Verarbeitern. Das Unternehmen ist international tätig und beliefert Kunden in mehr als 25 Ländern mit Polymerrohstoffen. Auf Basis fundierter Marktkenntnis, technischer Expertise und durch ein starkes Partnernetzwerk fördert Plastrans den Know-how-Transfer innerhalb der Polymerindustrie. Innovationen werden gezielt vorangetrieben und in praxistaugliche, skalierbare Lösungen überführt. Das Produktportfolio wird kontinuierlich erweitert, mit klarem Fokus auf biobasierten Polymeren sowie nachhaltigen Materialkonzepten, von kommerziell verfügbaren Biokunststoffen bis hin zu neuen Ansätzen, etwa zur Reduktion von Mikroplastik oder auf CO2-Basis.
www.plastrans.com