Empfehlung des Rates für Forschung und Technologie für OÖ zum Thema
„Förderung einer effizienten und nachhaltigen Industrie und Produktion in Oberösterreich“
Oberösterreich nimmt im österreichischen Industrievergleich eine herausragende Rolle ein und trägt mit einem Viertel zur Gesamtindustrieproduktion des Landes bei. Vor dem Hintergrund der hohen Lohnstückkosten, des absehbaren Fachkräftebedarfs und der globalen Wettbewerbsintensität steht der Wirtschaftsstandort Oberösterreich vor der Aufgabe, seine führende Position in der Produktion und Industrie zu sichern und gleichzeitig nachhaltig weiterzuentwickeln. Dabei gewinnen insbesondere Themen wie die Optimierung von Produktionsprozessen, die Steigerung der Energieeffizienz sowie eine effiziente Material- und Kreislaufwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Der Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit der Region liegt in der Steigerung der Produktivität durch Digitalisierung von Produktionsprozessen, Ausbau der Innovationskraft und konsequente Umsetzung nachhaltiger Industrie- und Ressourcenkonzepte.
Die derzeitigen Schwerpunkte in der #upperVISION2030 sind grundlegend richtig gesetzt: Die Intelligente Produktion (Produktivitätssteigerung durch digitale Transformation) mit höchster Priorität, sowie mit Priorität B die Energieversorgung und die Material- und Kreislaufwirtschaft bilden eine solide Grundlage für die kommenden Herausforderungen. Um jedoch zukünftig im internationalen Wettbewerb weiterhin erfolgreich zu sein und die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern, ist eine Fokussierung auf diese Bereiche sowie eine Beschleunigung der Umsetzungsmaßnahmen erforderlich.
Der Ausbau der Automatisierung, Big Data und Data Driven Modelling sowie der Einsatz von neuen Technologien wie Artificial Intelligence (AI) wird für die Industrie in Oberösterreich entscheidend sein. Diese Technologien bieten das Potenzial, Produktionsprozesse effizienter zu gestalten, Ressourcennutzung zu optimieren und Verschwendung zu minimieren.
Um die Digitalisierung in der Region voranzutreiben, sollten Anreize geschaffen werden, die nötigen digitalen Transformationen durchzuführen. Die Einführung von Digitalisierungsstrategien, Infrastruktur in Datenerfassung, sowie die Nutzung von Cloud-Lösungen und Smart Factory Technologien müssen gefördert werden, um auch kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu modernen, wettbewerbsfähigen Produktionsmethoden zu ermöglichen. Die Landesregierung spielt hier eine zentrale Rolle, indem sie maßgeschneiderte Förderprogramme auflegt, die digitale Transformation unterstützen und die Time-to-Market von neuen Produkten und Technologien verkürzen.
Risikoübernahme bei neuen Technologien und der Ausbau der (neuen) Infrastruktur sind hier ebenfalls essenziell. Um die Umstellung auf digitale, smarte und autonome Produktionssysteme zu ermöglichen, müssen Unternehmen auf die Einführung neuer Technologien setzen, was häufig mit hohen Investitionskosten und Unsicherheiten verbunden ist. Die Landesregierung soll gezielte Förderungen setzen und sich beim Bund für steuerliche Anreize einsetzen um den Unternehmen helfen, diese Risiken zu tragen und die Transformation zu beschleunigen.
Deutschland - Mittelstand-Digital: Ein staatlich finanziertes Förderprogramm zur Unterstützung von KMU bei der digitalen Transformation. (https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Publikationen/Mittelstand/mittelstanddigital.pdf?__blob=publicationFile&v=1)
Parallel zur Digitalisierung ist der Aus- und Umbau der Energiesysteme für eine nachhaltige Industrieproduktion von zentraler Bedeutung. Oberösterreich ist ein wirtschaftlich starkes Bundesland und im Bundesländervergleich ein Vorreiter bei der Umsetzung der Energiewende durch erneuerbare Energien, aber derzeit zu rund zwei Drittel auf den Import von Energie angewiesen. Diese Abhängigkeit muss reduziert werden, um sowohl die Versorgungssicherheit als auch die Kostenwettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten.
Ein entscheidender Schritt ist die Elektrifizierung der Industrie und die verstärkte Nutzung von erneuerbaren Energien. Dies bedeutet die Defossilisierung der Produktion durch eine verstärkte Integration von Solar-, Wind- und Wasserenergie in die industrielle Infrastruktur. Der Ausbau und die Optimierung der Strom- und Wärmeversorgung sowie die Integration von leistungsfähigen und intelligenten Netzen und Speichertechnologien müssen zügig vorangetrieben werden. Die Landesregierung kann dabei innovative Technologien zur Speicherung und Verteilung von Energie besonders unterstützen und den Austausch von Best Practices zwischen Unternehmen anregen, um den Übergang zu einer nachhaltigen Industrie zu beschleunigen. Für jene industriellen Prozesse, die nicht vollständig dekarbonisert werden können – aufgrund des notwendigen Kohlenstoffinhalts im Prozess –, sind Systeme zur aktiven Kohlenstoffnutzung zu etablieren sowie zur Kohlenstoffspeicherung zu unterstützen.
Die Herausforderung besteht nicht nur im Ausbau der Infrastruktur, sondern auch in der optimalen Vernetzung der Sektoren Strom, Wärme, Verkehr und Industrie. Ein energiesystemischer Ansatz ist nötig, um Synergien zwischen den Bereichen zu schaffen und so die CO2-Emissionen zu senken und gleichzeitig die Ressourcen- und Energieeffizienz zu steigern. Ein zentraler Bestandteil dabei ist auch die Forcierung der Abwärmenutzung aus industriellen Prozessen.
Ein weiterer entscheidender Aspekt für die Zukunftsfähigkeit der Industrie ist der Nachhaltige Umgang mit Rohstoffen und die verstärkte Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft. Oberösterreich muss sich intensiv mit der Verwertung von Rohstoffen sowie Sekundärrohstoffen und somit der Recyclingfähigkeit von Materialien auseinandersetzen, um nicht von importkritischen Materialien abhängig zu werden. Der Zugang zu (seltenen) Rohstoffen, die für die Produktion in vielen Industriesektoren unabdingbar sind, könnte in Zukunft ein riskantes Abhängigkeitsverhältnis zu anderen Nationen hervorrufen.
Zur Vermeidung potentieller Risiken ist es erforderlich, ergänzend zur österreichischen Rohstoffstrategie (Masterplan Rohstoffe 2030) sowie zur österreichischen Kreislaufwirtschaftsstrategie (Österreich auf dem Weg zu einer nachhaltigen und zirkulären Gesellschaft - Die österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie) neue Ressourcenstrategien zu entwickeln. Dies umfasst nicht nur das Recycling und die Verwertung von Sekundärstoffen, sondern auch das Design von Produkten, die von vornherein für die Wiederverwertung optimiert sind. Ein stärkerer Fokus auf kaskadische Nutzung von Rohstoffen und die Integration von Recyclingprozessen in die Produktionsabläufe kann den Materialbedarf langfristig senken, gleichzeitig die Nachhaltigkeit der Produktion gewährleisten und auch die Abhängigkeit von Rohstoffen reduzieren.
Um Oberösterreich im internationalen Wettbewerb zu behaupten und als Vorbild für nachhaltige Industrieproduktion zu positionieren, sind folgende Maßnahmen notwendig:
Die Landesregierung soll die Unternehmen unterstützen, indem sie Technologierisiken durch Bereitstellung von Förderungen mindert, sich beim Bund für steuerliche Erleichterungen einsetzt und die Infrastruktur ausbaut, damit Zukunftstechnologien implementiert werden und Oberösterreich als Technologiestandort mit Zukunft etabliert wird. Die Zeit zu handeln ist jetzt, um die Führungsposition für eine nachhaltige und innovative Industrie abzusichern und weiter auszubauen.