13.11.2025

Empfehlung des Rates für Forschung und Technologie für OÖ zum Thema

„Förderung einer effizienten und nachhaltigen Industrie und Produktion in Oberösterreich“

Oberösterreich nimmt im österreichischen Industrievergleich eine herausragende Rolle ein und trägt mit einem Viertel zur Gesamtindustrieproduktion des Landes bei. Vor dem Hintergrund der hohen Lohnstückkosten, des absehbaren Fachkräftebedarfs und der globalen Wettbewerbsintensität steht der Wirtschaftsstandort Oberösterreich vor der Aufgabe, seine führende Position in der Produktion und Industrie zu sichern und gleichzeitig nachhaltig weiterzuentwickeln. Dabei gewinnen insbesondere Themen wie die Optimierung von Produktionsprozessen, die Steigerung der Energieeffizienz sowie eine effiziente Material- und Kreislaufwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Der Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit der Region liegt in der Steigerung der Produktivität durch Digitalisierung von Produktionsprozessen, Ausbau der Innovationskraft und konsequente Umsetzung nachhaltiger Industrie- und Ressourcenkonzepte.

Die derzeitigen Schwerpunkte in der #upperVISION2030 sind grundlegend richtig gesetzt: Die Intelligente Produktion (Produktivitätssteigerung durch digitale Transformation) mit höchster Priorität, sowie mit Priorität B die Energieversorgung und die Material- und Kreislaufwirtschaft bilden eine solide Grundlage für die kommenden Herausforderungen. Um jedoch zukünftig im internationalen Wettbewerb weiterhin erfolgreich zu sein und die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern, ist eine Fokussierung auf diese Bereiche sowie eine Beschleunigung der Umsetzungsmaßnahmen erforderlich.

1. Digitalisierung als Grundlage für Effizienz und Produktivität

Der Ausbau der Automatisierung, Big Data und Data Driven Modelling sowie der Einsatz von neuen Technologien wie Artificial Intelligence (AI) wird für die Industrie in Oberösterreich entscheidend sein. Diese Technologien bieten das Potenzial, Produktionsprozesse effizienter zu gestalten, Ressourcennutzung zu optimieren und Verschwendung zu minimieren. 

Um die Digitalisierung in der Region voranzutreiben, sollten Anreize geschaffen werden, die nötigen digitalen Transformationen durchzuführen. Die Einführung von Digitalisierungsstrategien, Infrastruktur in Datenerfassung, sowie die Nutzung von Cloud-Lösungen und Smart Factory Technologien müssen gefördert werden, um auch kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu modernen, wettbewerbsfähigen Produktionsmethoden zu ermöglichen. Die Landesregierung spielt hier eine zentrale Rolle, indem sie maßgeschneiderte Förderprogramme auflegt, die digitale Transformation unterstützen und die Time-to-Market von neuen Produkten und Technologien verkürzen.

Risikoübernahme bei neuen Technologien und der Ausbau der (neuen) Infrastruktur sind hier ebenfalls essenziell. Um die Umstellung auf digitale, smarte und autonome Produktionssysteme zu ermöglichen, müssen Unternehmen auf die Einführung neuer Technologien setzen, was häufig mit hohen Investitionskosten und Unsicherheiten verbunden ist. Die Landesregierung soll gezielte Förderungen setzen und sich beim Bund für steuerliche Anreize einsetzen um den Unternehmen helfen, diese Risiken zu tragen und die Transformation zu beschleunigen.

Empfohlene Maßnahmen:

  • Förderung: Die Landesregierung sollte gezielte Förderungen zur digitalen Transformation setzen (z.B. Innovationsgutscheine; Forschungsförderungen; auch im Rahmen der Leitinitiative Automate Upper Austria) und sich gleichzeitig aktiv beim Bund für steuerliche Anreize einsetzen, die diesen Prozess zusätzlich vorantreiben. Dies geschieht in Ergänzung zum bestehenden Förderprogramm KMU.DIGITAL (Budget 2024-2026: 35 Mio. Euro), das in Zusammenarbeit von Austria Wirtschaftsservice (aws) und der Wirtschaftskammer Österreich umgesetzt wird.
  • Digitale Infrastruktur ausbauen: Datenerfassung und Bereitstellung von Cloud-Lösungen und Smart Factory-Technologien in Zusammenarbeit mit Technologieparks und Ausbildung in den genannten Disziplinen fördern und Fortbildungsmöglichkeiten für Arbeitnehmer anbieten (vgl. Absatz „Zeithorizont 2025-27“).
  • Risikominimierung: Bereitstellung von staatlichen/öffentlichen Absicherungen oder Beteiligungen an Pilotprojekten für den Einsatz neuer Technologien.

Best Practice:

Deutschland - Mittelstand-Digital: Ein staatlich finanziertes Förderprogramm zur Unterstützung von KMU bei der digitalen Transformation. (https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Publikationen/Mittelstand/mittelstanddigital.pdf?__blob=publicationFile&v=1)

Zeithorizont:

  • Kurzfristig (2025-2027): Förderprogramme etablieren, digitale Schulungen anbieten.
  • Mittelfristig (2028-2032): Digitalisierung der Produktion.

2. Ausbau der Energiesysteme und Infrastruktur: Der Weg zur Elektrifizierung und Defossilisierung

Parallel zur Digitalisierung ist der Aus- und Umbau der Energiesysteme für eine nachhaltige Industrieproduktion von zentraler Bedeutung. Oberösterreich ist ein wirtschaftlich starkes Bundesland und im Bundesländervergleich ein Vorreiter bei der Umsetzung der Energiewende durch erneuerbare Energien, aber derzeit zu rund zwei Drittel auf den Import von Energie angewiesen. Diese Abhängigkeit muss reduziert werden, um sowohl die Versorgungssicherheit als auch die Kostenwettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten.

Ein entscheidender Schritt ist die Elektrifizierung der Industrie und die verstärkte Nutzung von erneuerbaren Energien. Dies bedeutet die Defossilisierung der Produktion durch eine verstärkte Integration von Solar-, Wind- und Wasserenergie in die industrielle Infrastruktur. Der Ausbau und die Optimierung der Strom- und Wärmeversorgung sowie die Integration von leistungsfähigen und intelligenten Netzen und Speichertechnologien müssen zügig vorangetrieben werden. Die Landesregierung kann dabei innovative Technologien zur Speicherung und Verteilung von Energie besonders unterstützen und den Austausch von Best Practices zwischen Unternehmen anregen, um den Übergang zu einer nachhaltigen Industrie zu beschleunigen. Für jene industriellen Prozesse, die nicht vollständig dekarbonisert werden können – aufgrund des notwendigen Kohlenstoffinhalts im Prozess –, sind Systeme zur aktiven Kohlenstoffnutzung zu etablieren sowie zur Kohlenstoffspeicherung zu unterstützen. 

Die Herausforderung besteht nicht nur im Ausbau der Infrastruktur, sondern auch in der optimalen Vernetzung der Sektoren Strom, Wärme, Verkehr und Industrie. Ein energiesystemischer Ansatz ist nötig, um Synergien zwischen den Bereichen zu schaffen und so die CO2-Emissionen zu senken und gleichzeitig die Ressourcen- und Energieeffizienz zu steigern. Ein zentraler Bestandteil dabei ist auch die Forcierung der Abwärmenutzung aus industriellen Prozessen.

Empfohlene Maßnahmen:

  • Elektrifizierung der Industrie: Integration erneuerbarer Energien (Solar, Wind, Wasserkraft) in industrielle Prozesse.
  • Netzausbau und Speichertechnologien: Förderung von wettbewerbsfähigen, starken, leistungsfähigen und intelligenten Netzen und Speichersystemen, um die schwankende Verfügbarkeit erneuerbarer Energien auszugleichen.
  • Sektorenkopplung: Verbindung von Strom-, Wärme-, Verkehrs- und Industriesystemen zur Steigerung der Effizienz.

Best Practice:

  • Dänemark - Energiesystemintegration: Dänemark hat erfolgreich erneuerbare Energien mit intelligenten Netzen und Wärmespeichern verknüpft, um eine hohe Versorgungssicherheit zu gewährleisten. (https://germany.representation.ec.europa.eu/news/12-milliarden-euro-furgrenzuberschreitende-energie-infrastruktur-grosste-forderung-fur-deutsch-2025-01-31_de)

Zeithorizont:

  • Kurzfristig (2025-2027): Machbarkeitsstudien und Pilotprojekte starten.
  • Mittelfristig (2028-2032): Skalierung des Netzausbaus und stärkere Elektrifizierung.
  • Langfristig (2033+): Vollständige Integration erneuerbarer Energien in die Industrieproduktion.

3. Materialwirtschaft und Kreislaufwirtschaft: Sicherstellung der Rohstoffversorgung

Ein weiterer entscheidender Aspekt für die Zukunftsfähigkeit der Industrie ist der Nachhaltige Umgang mit Rohstoffen und die verstärkte Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft. Oberösterreich muss sich intensiv mit der Verwertung von Rohstoffen sowie Sekundärrohstoffen und somit der Recyclingfähigkeit von Materialien auseinandersetzen, um nicht von importkritischen Materialien abhängig zu werden. Der Zugang zu (seltenen) Rohstoffen, die für die Produktion in vielen Industriesektoren unabdingbar sind, könnte in Zukunft ein riskantes Abhängigkeitsverhältnis zu anderen Nationen hervorrufen.

Zur Vermeidung potentieller Risiken ist es erforderlich, ergänzend zur österreichischen Rohstoffstrategie (Masterplan Rohstoffe 2030) sowie zur österreichischen Kreislaufwirtschaftsstrategie (Österreich auf dem Weg zu einer nachhaltigen und zirkulären Gesellschaft - Die österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie) neue Ressourcenstrategien zu entwickeln. Dies umfasst nicht nur das Recycling und die Verwertung von Sekundärstoffen, sondern auch das Design von Produkten, die von vornherein für die Wiederverwertung optimiert sind. Ein stärkerer Fokus auf kaskadische Nutzung von Rohstoffen und die Integration von Recyclingprozessen in die Produktionsabläufe kann den Materialbedarf langfristig senken, gleichzeitig die Nachhaltigkeit der Produktion gewährleisten und auch die Abhängigkeit von Rohstoffen reduzieren.

Empfohlene Maßnahmen:

  • Förderung von Recycling-Technologien: Unterstützung von Unternehmen bei der Entwicklung und Implementierung ressourcenschonender und wettbewerbsfähiger Produktionsprozesse.
  • Design for Recycling: Das Bewusstsein für die Bedeutung von „Design for Recycling“ soll gestärkt werden, um die Recyclingfähigkeit von Produkten zu verbessern und die Wiederverwertung von Materialien zu erleichtern.
  • Kaskadische Nutzung: Mehrstufige Nutzung von Rohstoffen zur Verlängerung der Lebensdauer.

Best Practice:

  • Schweden - Kreislaufwirtschaftsstrategie: Schweden hat eine nationale Strategie für Kreislaufwirtschaft eingeführt, die Unternehmen beim Übergang zu nachhaltigen Produktionsmodellen unterstützt. (www.circularsweden.se/in-english)

Zeithorizont:

  • Kurzfristig (2025-2027): Bewusstseinsbildung und erste Pilotprojekte.
  • Mittelfristig (2028-2032): Flächendeckende Umsetzung von Recycling-Technologien.
  • Langfristig (2033+): Kreislaufwirtschaft als Standard etablieren.

Empfehlung an die Landesregierung

Um Oberösterreich im internationalen Wettbewerb zu behaupten und als Vorbild für nachhaltige Industrieproduktion zu positionieren, sind folgende Maßnahmen notwendig:

  1. Förderung der Digitalisierung und Automatisierung: Die Landesregierung möge Förderprogramme und steuerliche Erleichterungen aufsetzen, um Unternehmen beim Übergang zu Big Data, AI und Smart Factory-Technologien zu unterstützen. Dadurch können die Unternehmen ihre Produktivität steigern und die Wettbewerbsfähigkeit auf internationalen Märkten sichern.
  2. Ausbau der Energiesysteme und Infrastruktur: Es muss eine umfassende Energiewende erfolgen, die den Ausbau erneuerbarer Energien sowie die Defossilisierung der Industrie umfasst. Dazu sind die bisherigen Maßnahmen weiterhin mit hoher Priorität voranzutreiben und weitere zu setzen. Die Landesregierung möge den Ausbau von Speichertechnologien, leistungsfähigen und intelligenten Stromnetzen und der Infrastruktur für erneuerbare Energien weiter vorantreiben, um eine stabile, wettbewerbsfähige und nachhaltige Energieversorgung sicherzustellen.
  3. Förderung der Kreislaufwirtschaft und Materialeffizienz: Oberösterreich muss sich stärker auf Recycling, Rohstoffversorgungssicherheit und die Kreislaufwirtschaft konzentrieren. Die Landesregierung möge Unternehmen unterstützen, durch innovative Technologien Rohstoffe effizienter zu nutzen und das Design für Recycling in den Vordergrund zu stellen.

Die Landesregierung soll die Unternehmen unterstützen, indem sie Technologierisiken durch Bereitstellung von Förderungen mindert, sich beim Bund für steuerliche Erleichterungen einsetzt und die Infrastruktur ausbaut, damit Zukunftstechnologien implementiert werden und Oberösterreich als Technologiestandort mit Zukunft etabliert wird. Die Zeit zu handeln ist jetzt, um die Führungsposition für eine nachhaltige und innovative Industrie abzusichern und weiter auszubauen.