„Hy2Market“: Guidelines rüsten für die Wasserstoffwende
Schulungen und Wissensaustausch sind zentral, um Fachkräfte und Stakeholder für eine sichere und effektive Wasserstoffwende auszurüsten. Das EU-Projekt „Hy2Market“ hat Guidelines erstellt, damit Unternehmen die passenden Trainings und Lernformate auswählen und ihre Mitarbeitenden mit den erforderlichen Kompetenzen ausstatten können. Besonders bei technischer Sicherheit, operativer Systemführung und regulatorischen Rahmenbedingungen fehlen geeignete Formate mit praxisorientierten Inhalten.
Die Guidelines dienen als umfassender Leitfaden für das Entwickeln von Qualifikationen und Weiterbildungsformaten im europäischen Wasserstoffsektor. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, welches Wissen Unternehmen benötigen, wie es aktuell vermittelt wird und wo Lücken bestehen. Da Wasserstoff eine Schlüsseltechnologie für die europäische Energiewende darstellt, wird der Aufbau von Fachkenntnissen in allen Unternehmensbereichen immer bedeutender. Das Dokument zeigt klar, dass technische Kompetenz allein nicht ausreicht und Weiterbildung langfristig zentraler Erfolgsfaktor für das Umsetzen von Projekten und Marktentwicklung ist.
Ziel der Guidelines ist, sicherzustellen, dass sich die Unternehmen das richtige notwendige Wissen aneignen. Das Projektteam hat daher einen Überblick über das vorhandene Schulungsmaterial erstellt und geprüft, ob es dem Bedarf des Marktes entspricht. Die Teams haben Lücken zwischen dem aktuellen Angebot und der tatsächlichen Nachfrage des Marktes identifiziert und Verbesserungspotenzial ausgearbeitet. Es wurde auch erhoben, welche Formate und Lernwege sich für den Kompetenzaufbau in der Praxis am besten eignen.
Die Untersuchungen haben gezeigt, dass Wissensbedarf stark positionsabhängig ist. Ingenieure benötigen tiefes technisches Verständnis, beispielsweise über Materialverhalten, chemische Prozesse und Anlagenintegration. Fachkräfte im laufenden Betrieb müssen sicher mit Wasserstoff umgehen können und benötigen praktische Erfahrung sowie Kenntnisse über Wartung und Sicherheitsstandards. Auf der Managementebene stehen wirtschaftliche Zusammenhänge, Marktmechanismen und gesetzliche Rahmenbedingungen im Vordergrund. Der Schulungsbedarf besteht also nicht nur im technischen Bereich, auch wirtschaftliche und strategische Kompetenzen spielen eine zentrale Rolle. Eine einheitliche Ausbildung für beide Thematiken ist daher nicht ausreichend.
Ein wesentlicher Befund der Arbeit an den Guidelines: Ein Großteil des Wissens wird direkt in Projekten erworben. Praktische Erfahrung gilt bei fast allen befragten Unternehmen als wichtigste Lernquelle. Formale Trainingsprogramme existieren zwar, decken jedoch selten die Tiefe ab, die im realen Anlagenbetrieb benötigt wird. Unternehmen stützen sich daher stark auf Erfahrungswissen, Mentoring und interne Wissensweitergabe. Fazit: Weiterbildung findet zwar statt, jedoch nicht systematisiert. Die Guidelines betonen deshalb die Notwendigkeit strukturierter Lernformate, die Theorie und Praxis verbinden, Standards definieren und auch für neue Mitarbeitende zugänglich sind.
„Die Unternehmen erfahren mit diesen Guidelines, welche Kompetenzen entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette wo benötigt werden. Die Guidelines zeigen, welche Lernwege und Weiterbildungsformate sich für den Kompetenzaufbau eignen. Sie machen transparent, wo On-the-Job-Lernen sinnvoll ist, wann interne Programme erforderlich werden können und wann Kooperationen mit Bildungsanbietern, Hochschulen oder externen Trainingsinstitutionen zielführend sind. Unsere Betriebe haben nun eine gute Grundlage, um eigene Qualifizierungspläne, Stellenprofile und H2-Weiterbildungsangebote zu schärfen bzw. Lücken zu identifizieren. Für Unternehmen bedeutet das mehr Sicherheit bei Personalentscheidungen, weniger Wissensverlust und insgesamt effizientere Entwicklungsprozesse im Umgang mit Wasserstofftechnologien“, betont Dorian Wessely, Manager des Cleantech-Clusters.
Das Projekt Hy2Market wird im Rahmen der Förderschiene I3 des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) von der EU gefördert.