Schule trifft Wirtschaft
Kunststoff: Mist oder Meisterleistung?
Ist Plastikverpackung gut oder schlecht? Hilft Kunststoff dabei, CO2 einzusparen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von „Schule trifft Wirtschaft“ am 23. April 2026 im LIT Open Innovation Center der JKU Linz. Auf der jährlich stattfindenden Veranstaltung treffen sich Unternehmen, Lehrlingsausbildnerinnen und -ausbildner sowie Lehrkräfte.
Der Tenor war eindeutig: Kunststoff ist kein Müll. Kunststoff ist Wertstoff. Sophie Pachner von EREMA ging in diesem Zusammenhang auf die Leichtbau-Komponente ein:
„Kunststoff ist sehr wichtig, um CO2 einzusparen, unter anderem bei unseren Fortbewegungsmitteln.“
Ihr Anliegen, wenn es um Recycling generell geht:
„Rohmaterial aus dem Gelben Sack soll genutzt werden.“
Mit Hochleistungsrezyklaten für anspruchsvolle Anwendungen beschäftigt sich tagtäglich Doris Machl von Borouge International. Das Unternehmen betreibt sechs Innovationszentren, eines davon in Linz.
„Wir versuchen in allen Bereichen Nachhaltigkeit reinzubringen. Wir glauben, das steht nicht im Widerspruch zum wirtschaftlichen Erfolg“,
betonte Machl.
Auf den Plastikverbrauch in Österreich von mehr als 100 Kilogramm pro Person im Jahr ging Christian Paulik von der Johannes Kepler Universität ein:
„Wir leben im Zeitalter des Kunststoffs.“ Und er unterstrich: „Verpackung kann schützen.“
Auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen zu dem Schluss, dass sich es auszahlt, Salatgurken in Folie zu verpacken – nämlich dann, wenn es darum geht, Lebensmittel vor dem Verderb zu schützen und die Verpackung recycelt wird.
„Wir können alle dazu beitragen, dass Kreislaufwirtschaft funktioniert“,
bekräftigte Jörg Fischer vom Institut für Polymeric Materials and Testing der JKU.
Veronika Miron vom Kunststoff-Cluster stellte ein Projekt für Schulen vor:
„Mit ‚CAM-Sustain‘ können wir die zehnjährige Erfolgsgeschichte der Kunststoff-Lehrmittelbox weiterführen. Neue Module für Volksschule und Oberstufe sowie zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen sind geplant. Schülerinnen und Schüler haben dann auch die Möglichkeit Workshops am Institut für Polymeric Materials and Testing, im JKU Open Lab und in der Plastic Garage zu besuchen sowie an Exkursionen zu Haratech und EREMA teilzunehmen.“
Das Programm umfasste nicht nur Vorträge aus Industrie und Forschung. In einem Labor der Johannes Kepler Universität Linz wurde der Nachhaltigkeit von Kunststoff auf den Grund gegangen. Silke Renger vom JKU Open Lab erklärte:
„Wir wollen das Interesse an Naturwissenschaften – allen voran Chemie – wecken und Vorurteile diesbezüglich abbauen. Außerdem geben wir Einblicke in die vielfältigen Aufgaben von naturwissenschaftlichen und technischen Berufen.“
Im Hinblick auf die rückläufigen Lehrlingszahlen sei dieses außerschulische Angebot besonders wichtig. Auf die sinkende Anzahl der Lehrlinge verwies auch Manfred Haiberger (WKOÖ-Fachvertretung der Kunststoffverarbeiter) und appellierte:
„Wir sollten die Lehre wieder aufwerten.“
Die Veranstaltung wurde in Kooperation von Kunststoff-Cluster, Wirtschaftskammer OÖ, der Fachvertretung der Kunststoffverarbeiter OÖ und „Plan-C“ durchgeführt. Letzteres ist ein von der Europäischen Union kofinanziertes Projekt im Rahmen des Interreg Donauraumprogramms.
„Die Mischung aus Fachwissen der Industrie gepaart mit sehr eindringlichen Vorträgen der Universität hat erneut die Vielfältigkeit von Kunststoff aufgezeigt“,
resümierte Benjamin Schmid vom Kunststoff-Cluster.
Die nächste Ausgabe von „Schule trifft Wirtschaft“ findet am 22. April 2027 in der Grand Garage in Linz statt.