05.08.2026

Lernen für den Ernstfall – ohne Risiko

Wie reagiert man richtig in einer Notfallsituation? Worauf muss man bei einem Patienten mit erhöhtem Sturzrisiko achten? Und wie lassen sich kritische Situationen trainieren, ohne Menschen zu gefährden? Solche Fragen beschäftigen die Pflegeausbildung seit Jahren. Mit dem Projekt VReduMED, das der Medizintechnik-Cluster begleitet hat, wurde ein neuer Ansatz erprobt: Lernen in virtuellen Welten. 

MTC-Projektmanager Dominik Mayrhofer am VReduMED-Stand bei der langen Nacht der Forschung in Hagenberg
„Projekte enden, Innovationen nicht.“ – MTC-Projektmanager Dominik Mayrhofer ©Business Upper Austria

Nach drei Jahren intensiver Zusammenarbeit zieht das internationale Projekt nun Bilanz. Das Ergebnis reicht weit über einzelne Virtual-Reality-Anwendungen hinaus. Entstanden sind Werkzeuge, Methoden und Netzwerke, die die Pflegeausbildung langfristig verändern könnten.

Mehr als ein technisches Experiment 

Digitale Technologien halten zunehmend Einzug in den Gesundheitsbereich. Gleichzeitig stehen Bildungseinrichtungen vor der Herausforderung, Fachkräfte auf immer komplexere Anforderungen vorzubereiten. Genau hier setzte VReduMED an. „Der größte Erfolg war für uns, dass Virtual Reality nicht als technisches Extra betrachtet wurde, sondern als didaktisches Werkzeug mit konkretem Nutzen für Auszubildende und Lehrende“, sagt Dominik Mayrhofer, Projektmanager im Medizintechnik-Cluster. „Genau diese Verbindung von Technologie, Pädagogik und Praxis war von Beginn an das zentrale Ziel des Projekts.“ 

Von Pilotprojekten zu nachhaltigen Strukturen 

Mit dem Projektende endet zwar die Förderung, nicht aber die Arbeit an den Ergebnissen. Ein zentrales Resultat ist die VReduMED-Roadmap. Sie beschreibt, wie immersive Technologien systematisch in die Pflegeausbildung integriert werden können und welche Rahmenbedingungen dafür notwendig sind. Ergänzt wird sie durch ein umfassendes Handbuch, das die Erfahrungen aus den Pilotanwendungen bündelt. Bildungseinrichtungen erhalten damit konkrete Empfehlungen für den Einsatz von VR. Besonders wichtig: Der Fokus liegt nicht auf der Technologie selbst, sondern auf ihrem Mehrwert für Lernende und Lehrende. Virtual Reality wird als Werkzeug verstanden, das Ausbildung realistischer, sicherer und flexibler machen kann.

Ein europäisches Netzwerk für die Pflegebildung 

Für Mayerhofer liegt die nachhaltige Wirkung von VReduMED vor allem in den geschaffenen Strukturen: „Mit dem Care Education Forum ist ein Netzwerk entstanden, das den internationalen Austausch auch nach Projektende fortsetzt. So können neue Ideen, Erfahrungen und Innovationen weiterhin in die Pflegeausbildung einfließen.“ Hier kommen Bildungseinrichtungen, Pflegekräfte, Forschungseinrichtungen sowie Unternehmen zusammen, um neue Entwicklungen zu diskutieren und gemeinsame Initiativen anzustoßen. Damit bleibt die Verbindung zwischen Ausbildung, Praxis und Innovation auch künftig erhalten.

Technologie trifft Didaktik 

VReduMED hat gezeigt, dass digitale Innovation in der Pflegeausbildung dann erfolgreich ist, wenn Technologie, Didaktik und Praxis gemeinsam gedacht werden. Es sind Strukturen entstanden, die auch nach Projektende weiterwirken. Die zentrale Erkenntnis aus drei Jahren Zusammenarbeit lautet daher: Virtual Reality allein verändert noch keine Ausbildung. Ihr Potenzial entfaltet sie erst dann, wenn sie sinnvoll in Lernprozesse eingebettet wird und konkrete Herausforderungen der Praxis adressiert. 

Ein Blick in die Zukunft 

Der Fachkräftemangel, steigende Qualitätsanforderungen und die fortschreitende Digitalisierung werden die Gesundheitsberufe in den kommenden Jahren weiter prägen. Projekte wie VReduMED zeigen, dass innovative Technologien einen wichtigen Beitrag leisten können – vorausgesetzt, sie werden gemeinsam mit den Menschen entwickelt, die sie später nutzen.
 

Kontaktpersonen:

Frauke Wurmböck, Cluster-Managerin Medizintechnik-Cluster, Business Upper Austria
Frauke Wurmböck