Materialinnovationen für Europas Zukunft
Als Generalsekretärin der IAM-I betont Eva-Kathrin Schillinger die Notwendigkeit, Europas Materialinnovationen stärker in marktfähige Anwendungen zu überführen. Genau hier setzt Andreas Falk, einer der Initiatoren des Projekts ATIMA an: Österreichs Nischenstärke soll durch nachhaltige, daten- und KI-gestützte Innovationen in skalierbare industrielle Lösungen übergehen. Dafür ist die enge Verzahnung von Forschung und Industrie entscheidend. Im folgenden Interview erklärt die promovierte Chemikerin, wo Europa bei Materialinnovationen ansetzen muss, um seine Stärken auszuspielen. Andreas Falk wird Österreichs Roadmap zu Advanced Materials am 5. November bei Zukunft.Ressourcen präsentieren.
Die größte Herausforderung liegt darin, Innovationen entlang der gesamten Kette umzusetzen. Europa ist stark in der Materialforschung, verliert aber oft, wenn es um Skalierbarkeit, industrielle Integration und Marktdurchdringung geht. Hinzu kommen fragmentierte Förderlandschaften, lange Zulassungsverfahren sowie ein globaler Wettbewerb um Investitionen und Fachkräfte. Entscheidend ist ein klarer Fokus auf anwendungsnahe, systemrelevante Materiallösungen, die Resilienz, technologische Souveränität und Nachhaltigkeit verbinden. Kurz gesagt: Wir müssen Innovationen schneller vom Labor in den Markt bringen.
Advanced Materials sind ein zentraler Hebel für den Green Deal, die industrielle Dekarbonisierung und Kreislaufwirtschaft. Nahezu alle Transformationspfade – von Energie über Mobilität bis Bau und Elektronik – sind materialgetrieben. Künftig gewinnen Materialien an Bedeutung, die Ressourceneffizienz, Langlebigkeit und Recyclingfähigkeit mit Multifunktionalität verbinden. Dazu zählen neue Batteriematerialien, funktionalisierte Polymere, faserverstärkte Leichtbaumaterialien, nachhaltige Werkstoffsubstitutionen sowie Materialien mit integrierter Sensorik oder Selbstüberwachung.
Die europäische Förderpolitik konzentriert sich zunehmend auf anwendungsnahe und wettbewerbsorientierte Materialien. Im Fokus stehen Werkstoffe, die Schlüsselbranchen wie Energie, Mobilität, Elektronik, Bau und Gesundheit stärken. Besonders gefragt sind Materiallösungen mit hohem wirtschaftlichem und strategischem Potenzial, etwa durch höhere Leistung, geringeres Gewicht, neue Funktionen oder bessere ökologische Eigenschaften.
Sie ermöglichen Eigenschaften, die klassische Materialien nicht bieten. Durch gezielte Mikro- und Mesostrukturen lassen sich mechanische, thermische, akustische oder elektromagnetische Eigenschaften präzise einstellen – bei gleichzeitig geringem Materialeinsatz. Vor allem in der Luft- und Raumfahrt, im Automobilbau, in der Energietechnik sowie in Schutzanwendungen eröffnen sie neue Freiheiten im Design, in Sicherheit und Effizienz. Meta-Materialien sind daher keine Nische, sondern wichtige Enabler systemischer Innovationen, bei denen Gewicht, Funktion und Nachhaltigkeit gemeinsam betrachtet werden müssen.
Ihre Stärke liegt in der hohen Funktionalisierbarkeit. Polymere entwickeln sich von passiven Strukturwerkstoffen zu aktiven, intelligenten Materialsystemen – etwa mit selbstheilenden Eigenschaften, integrierter Sensorik oder adaptiven Oberflächen. Um diese Potenziale zu heben, braucht es interdisziplinäre Entwicklung, leistungsfähige Pilot- und Skalierungsinfrastrukturen sowie marktnahe Rahmenbedingungen, die Innovation fördern statt bremsen.