11.12.2025

Papier oder Plastik? Verpackungen im Praxistest

Lebensmittelverpackungen müssen viel leisten: Sie sollen Produkte schützen, ihre Frische bewahren und die Haltbarkeit verlängern. Und sie sollen umweltfreundlich gestaltet sein. Ein neues Projekt aus dem Lebensmittel-Cluster untersucht nun, wie sich Verpackungen aus Papier und Kunststoff ökologisch, rechtlich und wirtschaftlich schlagen. Ziel ist es, Greenwashing zu verhindern und eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die beste Verpackungslösung zu schaffen.

Michael Krainz, OFI – Österreichisches Forschungsinstitut für Chemie und Technik
Michael Krainz, OFI – Österreichisches Forschungsinstitut für Chemie und Technik © ACR-schewig-fotodesign

Die oberösterreichischen Unternehmen DELSCI, Jodl Verpackungen und der Bad Zeller Eierhof entwickeln gemeinsam mit dem Österreichischen Forschungsinstitut für Chemie und Technik (OFI) im Projekt „Papier statt Plastik?“ Verpackungslösungen für konkrete Produktgruppen. Sie testen Papier und Kunststoff unter realen Bedingungen und vergleichen deren Auswirkungen auf Umwelt und Produktschutz.

EU-Vorgaben erhöhen den Druck

Die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) bringt Hersteller und Lebensmittelproduzenten unter Druck. Verpackungen müssen künftig hochgradig recyclingfähig sein, Kunststoffverpackungen einen Mindestanteil an Rezyklat enthalten und Überverpackungen vermieden werden. Wer diese Vorgaben nicht einhält, zahlt höhere Gebühren oder riskiert ein Verbot. Auch Konsumentinnen und Konsumenten erwarten nachhaltige Lösungen. 

„Bis 2030 wollen wir unser gesamtes Verpackungssortiment auf eine Recyclingfähigkeit von über 80 %, idealerweise über 95 %, umstellen. Das ist entscheidend, um die Anforderungen unserer Kunden und der neuen Gesetzgebung zu erfüllen“, sagt Jodl-Verkaufsleiter Norbert Neumayer.

Papier als vielversprechende Alternative

„Papierverpackungen sind eine attraktive Alternative zu herkömmlichen kunststoffbasierten Verpackungen“, erklärt Projektpartnerin Daniela Kroiss von DELSCI. „Gleichzeitig sind die Anforderungen an spezielle Barrierepapiere für Lebensmittel komplex. Materialien im direkten Lebensmittelkontakt unterliegen strengen gesetzlichen Vorgaben – und zusätzlich müssen die Papiere auf bestehenden Verpackungsmaschinen zuverlässig verarbeitet werden können. Auch die Bedruckbarkeit spielt eine große Rolle, denn das Verpackungsdesign ist entscheidend für die Kommunikation am Point of Sale. Papier bietet hier großes Potenzial.“

Projekt schafft Transparenz

Sowohl papierbasierte als auch kunststoffbasierte Verpackungen bringen jeweils spezifische Stärken und Schwächen mit sich. Eine pauschale ökologische oder funktionale Bewertung ist daher nicht möglich – entscheidend sind stets der konkrete Einsatzzweck und die Gesamtbilanz der jeweiligen Verpackungslösung. Die Projektgruppe vergleicht die Verpackungen deshalb ganzheitlich: Eine vereinfachte Lebenszyklusanalyse (streamlined LCA), Recyclingfähigkeitsbemessungen und rechtliche Vorgaben fließen in die Bewertung ein. 

„Ziel ist es, Best-Case-Verpackungen zu entwickeln, die ökologisch, rechtlich und wirtschaftlich überzeugen. Die Unternehmen sollen künftig in der Lage sein, die beste Verpackungslösung für ihr Produkt zu wählen und diese Entscheidung gegenüber den Konsumenten objektiv und wissenschaftlich fundiert zu begründen. Damit wirken sie auch dem Greenwashing entgegen“, betont Michael Krainz vom OFI. 

„Als regionaler Produzent von Bio-Eierteigwaren legen wir großen Wert auf ökologische Verpackungen. Wir erwarten uns vom Projekt eine verlässliche Analyse und nachhaltige Optimierung unserer Verpackungen. Papier wäre unsere bevorzugte Wahl – sofern es alle Anforderungen erfüllt“, bekräftigt Dominik Reichart, Geschäftsführer vom Bad Zeller Eierhof.

Projektpartner: 

Wissenschaftlicher Partner: 

Dieses Projekt wird aus Mitteln der oö. Wirtschafts- und Forschungsstrategie #upperVISION2030 vom Land OÖ gefördert.

Kontaktpersonen:

Lorena Maria Dorninger, Projektmanagerin Lebensmittel-Cluster, Business Upper Austria
Lorena Maria Dorninger