Empfehlung des Rates für Forschung und Technologie für OÖ zum Thema
„Smart Aging Hub OÖ – Innovationszentrum für altersgerechtes Wohnen, Assistenztechnologien und angewandte Forschung“
Oberösterreich steht vor tiefgreifenden demografischen und strukturellen Veränderungen: Der Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung nimmt stetig zu, gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel – insbesondere im Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich. Diese Entwicklungen erhöhen den Druck auf bestehende Versorgungs- und Betreuungssysteme und erfordern neue, integrierte Lösungen. Gleichzeitig eröffnen sich dadurch erhebliche wirtschaftliche Chancen: Die Nachfrage nach Technologien, Produkten und Dienstleistungen, die ein selbstbestimmtes Leben im Alter unterstützen, wächst kontinuierlich. Digitale Assistenzsysteme, barrierefreie Wohnlösungen und neue Betreuungsmodelle sind nicht nur gesellschaftlich relevant, sondern auch bedeutende Zukunftsmärkte. Die auf diesem Feld bestehende Innovationslandschaft in Oberösterreich ist zwar vielfältig – mit zahlreichen kleineren Projekten und Initiativen – jedoch oft fragmentiert, wenig sichtbar und schwer skalierbar. Eine koordinierende Stelle fehlt, um Synergien zu nutzen, Wissen zu bündeln und Innovationen im Bereich „Smart Aging“ wirksam in den Markt zu bringen.
International gibt es schon viele erfolgreiche Projekte und Testumgebungen für altersgerechte Innovationen – zum Beispiel das National Innovation Centre for Ageing in Newcastle (UK, uknica.co.uk) oder das AgeLab am MIT in den USA (https://agelab.mit.edu/aboutus/overview ). In Österreich und Mitteleuropa ist noch viel Platz für weitere Pilotumgebungen. Wichtig ist vor allem, dass neue Lösungen an die Bedürfnisse der Menschen in der jeweiligen Region angepasst werden – nur so werden sie auch wirklich genutzt und angenommen.
Der Smart Aging Hub OÖ soll als zentrale Innovations- und Servicestelle fungieren, die Projekte, Stakeholder:innen und Wissen aus den Bereichen Wohnen, Pflege, Gesundheit, Technologie und Bauen vernetzt. Ziel ist es, die Vielzahl an Aktivitäten in einem systematisch aufgebauten Rahmen zu bündeln, Pilotprojekte zu skalieren und marktfähige Lösungen schneller zur Anwendung zu bringen.
Der Smart Aging Hub bringt unterschiedliche Akteure systematisch zusammen: Sozialträger wie Diakoniewerk, Caritas oder Volkshilfe, Wohnbauträger, Gemeinden, Krankenhäuser, Architekturbüros, Technologieanbieter, Unternehmen im Bereich Innenausstattung sowie Nutzer:innen selbst. Ziel ist es, durch diese Interdisziplinarität Lösungen zu entwickeln, die sowohl gesellschaftlich relevant als auch wirtschaftlich tragfähig sind.
Ein digitaler Informations-Hub (z. B. als Board oder Plattform) soll dafür sorgen, dass bestehendes Wissen gebündelt wird und neue Projekte nicht immer „bei null“ starten müssen.
Der Hub bietet gerade kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) die Möglichkeit, Innovationen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln – etwa im Bereich assistiver Technologien, Wohnraumanpassungen oder Pflegedienstleistungen. Durch die Zusammenarbeit mit Forschung und Pilotregionen können sie ihre Produkte und Lösungen praxisnah weiterentwickeln und zur Marktreife bringen. Zugleich stärkt der Hub die Position Oberösterreichs als Vorreiterregion im Bereich „Smart Aging“ – einem Schlüsselthema der Zukunft mit zunehmender gesellschaftlicher Relevanz und stark wachsendem Marktpotenzial.
Ein zentrales Problem bestehender Initiativen ist die langfristige Finanzierung. Der schlanke und flexible Hub sollte daher auf ein hybrides Finanzierungsmodell setzen, das sich aus folgenden Komponenten speist:
Der demografische Wandel ist eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen – und gleichzeitig ein Innovationsmotor. Der Smart Aging Hub OÖ bietet die Chance, soziales Engagement, wirtschaftliches Potenzial und wissenschaftliche Erkenntnisse wirksam zu verbinden. Durch gezielte Bündelung, Beratung, Forschung und Marktorientierung kann Oberösterreich zur Modellregion für altersgerechtes Leben und Arbeiten werden – zum Vorteil der Menschen, der Region und der Unternehmen.