13.11.2025

Empfehlung des Rates für Forschung und Technologie für OÖ zum Thema

„Smart Aging Hub OÖ – Innovationszentrum für altersgerechtes Wohnen, Assistenztechnologien und angewandte Forschung“

Ausgangslage: Vielfältige Initiativen, fehlende Sichtbarkeit, Potential zur Skalierung

Oberösterreich steht vor tiefgreifenden demografischen und strukturellen Veränderungen: Der Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung nimmt stetig zu, gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel – insbesondere im Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich. Diese Entwicklungen erhöhen den Druck auf bestehende Versorgungs- und Betreuungssysteme und erfordern neue, integrierte Lösungen. Gleichzeitig eröffnen sich dadurch erhebliche wirtschaftliche Chancen: Die Nachfrage nach Technologien, Produkten und Dienstleistungen, die ein selbstbestimmtes Leben im Alter unterstützen, wächst kontinuierlich. Digitale Assistenzsysteme, barrierefreie Wohnlösungen und neue Betreuungsmodelle sind nicht nur gesellschaftlich relevant, sondern auch bedeutende Zukunftsmärkte. Die auf diesem Feld bestehende Innovationslandschaft in Oberösterreich ist zwar vielfältig – mit zahlreichen kleineren Projekten und Initiativen – jedoch oft fragmentiert, wenig sichtbar und schwer skalierbar. Eine koordinierende Stelle fehlt, um Synergien zu nutzen, Wissen zu bündeln und Innovationen im Bereich „Smart Aging“ wirksam in den Markt zu bringen.

International gibt es schon viele erfolgreiche Projekte und Testumgebungen für altersgerechte Innovationen – zum Beispiel das National Innovation Centre for Ageing in Newcastle (UK, uknica.co.uk) oder das AgeLab am MIT in den USA (https://agelab.mit.edu/aboutus/overview ). In Österreich und Mitteleuropa ist noch viel Platz für weitere Pilotumgebungen. Wichtig ist vor allem, dass neue Lösungen an die Bedürfnisse der Menschen in der jeweiligen Region angepasst werden – nur so werden sie auch wirklich genutzt und angenommen. 

Vision: Ein zentraler Hub als Katalysator für Innovation, Beratung und Markttransfer 

Der Smart Aging Hub OÖ soll als zentrale Innovations- und Servicestelle fungieren, die Projekte, Stakeholder:innen und Wissen aus den Bereichen Wohnen, Pflege, Gesundheit, Technologie und Bauen vernetzt. Ziel ist es, die Vielzahl an Aktivitäten in einem systematisch aufgebauten Rahmen zu bündeln, Pilotprojekte zu skalieren und marktfähige Lösungen schneller zur Anwendung zu bringen.

Der Hub umfasst drei zentrale Bausteine:

  • Design, Forschung & Technologieentwicklung: Entwicklung und Testung innovativer Lösungen für ein selbstbestimmtes Leben im Alter durch interdisziplinäre Teams aus Forscher:innen, Entwickler:innen, Pfleger:innen und Nutzer:innen 
    Dieser Baustein konzentriert sich auf die Entwicklung, Erprobung und Optimierung von altersgerechten Wohnlösungen, Assistenztechnologien und digitalen Pflegeanwendungen. In enger Zusammenarbeit mit Hochschulen, Sozialverbänden und Wohnbauträgern sollen smarte, digitale Lösungen und neue Pflegekonzepte entwickelt werden (z. B. angelehnt an das NEST – Forschungsgebäude der Empa in der Schweiz). Gleichzeitig werden innovative Technologien, wie digitale Assistenzsysteme, smarte Gesundheitslösungen und intelligente Wohnraumkonzepte, erforscht und zur Marktfähigkeit weiterentwickelt. Forschungsergebnisse werden hier durch Partnerschaften mit Universitäten und Technologieunternehmen in konkrete, marktfähige Produkte überführt.
  • Beratung & Services: Unterstützung von Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen 
    Der Hub wird eine umfassende Beratungsplattform aufbauen, die Kommunen, Unternehmen, Bauträger und Privatpersonen bei der Umsetzung von altersgerechten Projekten unterstützt (Stichwort Neubau und „retrofit“). Dies umfasst Beratungen zu barrierefreiem Bauen und Sanieren, der Nutzung von Fördermitteln und Finanzierungsmodellen sowie zur Implementierung innovativer Technologien. Ziel ist es, die Anwendung innovativer Lösungen zu erleichtern und die Marktintegration von Produkten und Dienstleistungen zu fördern.
  • Markt & Produktentwicklung: Unterstützung von KMU bei der Markteinführung, Pilotierung und Skalierung
    In diesem Baustein liegt der Fokus auf der praxisorientierten Erprobung und Weiterentwicklung innovativer Lösungen in realen Wohnsettings. Der Hub bietet kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) die Möglichkeit, ihre Produkte in einem kontrollierten Umfeld zu testen, weiterzuentwickeln und zur Marktreife zu bringen. Dies umfasst insbesondere die Unterstützung bei der Produktvalidierung und dem Markteintritt in den Bereichen assistive Technologien, Wohnraumanpassungen und Pflegekonzepte.

Vernetzung als Schlüssel: Stakeholder:innen integrieren, Knowhow gemeinsam nutzen und marktfähig machen 

Der Smart Aging Hub bringt unterschiedliche Akteure systematisch zusammen: Sozialträger wie Diakoniewerk, Caritas oder Volkshilfe, Wohnbauträger, Gemeinden, Krankenhäuser, Architekturbüros, Technologieanbieter, Unternehmen im Bereich Innenausstattung sowie Nutzer:innen selbst. Ziel ist es, durch diese Interdisziplinarität Lösungen zu entwickeln, die sowohl gesellschaftlich relevant als auch wirtschaftlich tragfähig sind.

Ein digitaler Informations-Hub (z. B. als Board oder Plattform) soll dafür sorgen, dass bestehendes Wissen gebündelt wird und neue Projekte nicht immer „bei null“ starten müssen.

Chancen für KMU und Region: Von Innovation zu Wertschöpfung 

Der Hub bietet gerade kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) die Möglichkeit, Innovationen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln – etwa im Bereich assistiver Technologien, Wohnraumanpassungen oder Pflegedienstleistungen. Durch die Zusammenarbeit mit Forschung und Pilotregionen können sie ihre Produkte und Lösungen praxisnah weiterentwickeln und zur Marktreife bringen. Zugleich stärkt der Hub die Position Oberösterreichs als Vorreiterregion im Bereich „Smart Aging“ – einem Schlüsselthema der Zukunft mit zunehmender gesellschaftlicher Relevanz und stark wachsendem Marktpotenzial.

Finanzierung und Geschäftsmodell - von vielen Initialzündungen zur dauerhaften Homebase

Ein zentrales Problem bestehender Initiativen ist die langfristige Finanzierung. Der schlanke und flexible Hub sollte daher auf ein hybrides Finanzierungsmodell setzen, das sich aus folgenden Komponenten speist: 

  • Öffentliche Förderung (Land, Bund, EU)
  • Beiträge von Partnerorganisationen (Wirtschaft, Sozialträger, Gemeinden)
  • Projektbezogene Drittmittel (z. B. FFG, EU-Förderungen)
  • Entgeltliche Beratungs- und Entwicklungsleistungen
  • Sponsoring und Investitionen von Technologieunternehmen 

Fazit: 

Der demografische Wandel ist eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen – und gleichzeitig ein Innovationsmotor. Der Smart Aging Hub OÖ bietet die Chance, soziales Engagement, wirtschaftliches Potenzial und wissenschaftliche Erkenntnisse wirksam zu verbinden. Durch gezielte Bündelung, Beratung, Forschung und Marktorientierung kann Oberösterreich zur Modellregion für altersgerechtes Leben und Arbeiten werden – zum Vorteil der Menschen, der Region und der Unternehmen.