05.12.2025

Interview mit Dieter Grebner, CEO Peak Technology

Space: „Eine historische Chance“

Die Raumfahrt ist ein wachsender Markt in Europa, der heimischen Zulieferbetrieben neue Märkte eröffnet. Davon ist Dieter Grebner, CEO von Peak Technology und Präsident des Branchenverbands Austrospace im Gespräch mit AC-quarterly überzeugt.

Dieter Grebner, CEO Peak Technology
Dieter Grebner, CEO Peak Technology © Antje Wolm

Ist die Raumfahrt ein mögliches neues Geschäftsfeld für (ober)österreichische Zulieferer? Ist es eine Alternative zur Automobilindustrie?

Ja, absolut. Raumfahrt ist ein stark wachsender Markt mit langfristiger Perspektive. Österreich verfügt über eine Vielzahl an innovativen Zulieferbetrieben mit hoher Fertigungstiefe, Präzision und Engineering-Kompetenz – genau jene Fähigkeiten, die in der Raumfahrt entscheidend sind. Während die Automobilindustrie unter starkem Margendruck und strukturellem Wandel leidet, bietet Space Unternehmen mit technischem Anspruch die Chance, sich in ein nachhaltiges Premiumsegment zu entwickeln. Es ist keine einfache, aber eine sehr attraktive Alternative.

Wie schätzen Sie die Chancen ein?

Die Automobilindustrie steht mitten im tiefgreifenden Wandel: Elektrifizierung, Digitalisierung, neue Wertschöpfungsketten und sinkende Fertigungstiefen setzen klassische Zulieferer massiv unter Druck. Deutschland hat die Zeichen der Zeit erkannt und investiert strategisch in die Raumfahrt – 35 Milliarden Euro aus dem Verteidigungstopf und eine starke Erhöhung der ESA-Zeichnung bei der ESA Ministerratskonferenz 2025 sind klare industriepolitische Signale. Für Österreich ist das eine historisch einmalige Chance, sich im Windschatten Deutschlands zu positionieren – als verlässlicher, technologisch starker Zuliefer- und Entwicklungspartner.

Space wird derzeit als Wachstumsmarkt wahrgenommen, aber auch unterschätzt. Wie schätzen Sie es ein?

Der Raumfahrtmarkt wächst jährlich zweistellig und verändert sich gerade grundlegend: weg von staatlich dominierten Programmen hin zu einem kommerziellen, globalen Markt. Viele unterschätzen, dass sich hier nicht mehr nur große Agenturen, sondern zunehmend private Unternehmen positionieren – mit neuen Produkten, Geschäftsmodellen und Lieferketten. Wer jetzt einsteigt, kann sich in Nischen sehr gut positionieren, muss aber schnell sein.

Kann Österreich im Raumfahrt-Wettbewerb überhaupt mithalten? Und was braucht es, damit dies gelingt?

Österreich ist klein, aber technologisch stark. Wir haben international anerkannte Zulieferer, Institute und hochqualifizierte Fachkräfte. Aber: Wir müssen den politischen und finanziellen Rahmen mutiger gestalten. Wenn Länder wie Polen oder die Schweiz massiv investieren, dürfen wir nicht zusehen. Im Windschatten Deutschlands kann Österreich mit vergleichsweise geringem Budget eine sehr hohe Hebelwirkung erzielen.  

Wie sieht Ihre Tätigkeit als Präsident von Austrospace aus? Welche Themen bearbeiten Sie dort?

Wir vertreten die Interessen der österreichischen Raumfahrtindustrie gegenüber Politik, ESA und nationalen Förderstellen. Unsere Themen reichen von Budgetfragen über Programmzugänge bis zu Skalierungsstrategien für KMU und Scale-ups. Ein Schwerpunkt war zuletzt die Vorbereitung auf die Ministerratskonferenz der ESA 2025, bei der die Weichen für die nächsten Jahre gestellt wurden.

Welche Forderungen haben Sie konkret an die Politik?

Wir fordern seit Jahren eine signifikante Erhöhung der österreichischen ESA-Beiträge, ein einfacheres und schnelleres nationales Förderumfeld und klare industriepolitische Zielsetzungen für Schlüsseltechnologien. Österreich muss Schwerpunkte in Zukunftstechnologien setzen, das bedingt natürlich, manches anders anzugehen.

Die ersten zehn Jahre hat Peak Technology für den Motorsport produziert. Warum haben Sie sich 2015 dazu entschlossen, auch Luft- und Raumfahrt als Geschäftsfeld zu öffnen?

Weil wir gesehen haben, dass unsere Kernkompetenz – hochpräzise, gewickelte Leichtbaustrukturen – in der Raumfahrt noch mehr Wertschöpfung und Differenzierung ermöglicht. Motorsport hat uns Geschwindigkeit, Präzision und Qualität gelehrt – Raumfahrt bietet uns Stabilität, Internationalisierung und Skalierbarkeit.

Und wie ist es Ihnen gelungen, in der Raumfahrt als Lieferant Fuß zu fassen? Wie schwer oder einfach war es?

Der Einstieg war alles andere als einfach. Raumfahrt verlangt lange Qualifizierungsprozesse, kompromisslose Qualität und Vertrauen. Wir haben mehrere Jahre in Technologieentwicklung, Zertifizierungen und Kundenbeziehungen investiert, bevor die ersten Aufträge kamen. Heute beliefern wir führende europäische und internationale Launch- und Satellitenprogramme.

Welche Hürden hatten Sie zu meistern? Welche Rückschläge hatten Sie zu verkraften?

Die größte Hürde waren Geduld und Kapital. Im Motorsport werden Aufträge innerhalb von Wochen entschieden – in der Raumfahrt können es Jahre sein. Wir haben Rückschläge in Programmen, verschobene Zeitpläne und sehr hohe Qualifikationsanforderungen erlebt. Aber wir haben gelernt, strategisch zu denken und dranzubleiben.

Wann, wie und womit ist Ihnen der Durchbruch im Raumfahrtgeschäft gelungen?

Der Durchbruch steht uns hoffentlich noch bevor.  

Der Einstieg in die Raumfahrt war sicher mit hohen Investitionen verbunden. Wie finanzieren Sie das?

Wir haben das Schritt für Schritt aufgebaut: über Eigenmittel, Gewinne aus Motorsportprojekten und gezielte Förderungen auf nationaler und europäischer Ebene sowie einen Investoreneinstieg. Wichtig war, langfristig zu denken und nicht auf schnellen Return zu hoffen. Raumfahrt ist kein Sprint – es ist ein Marathon.

Was raten Sie anderen Unternehmen, die in den Sektor Space einsteigen wollen?

Technologisch exzellent sein, eine klare Nische finden, langfristig denken und durchhalten, strategische Partnerschaften aufbauen. Raumfahrt ist kein einfacher Markt, aber wer heute einsteigt, kann sich hervorragend positionieren. Die Eintrittshürden sind hoch – aber genau das schützt die, die gut sind.

Warum steht an Ihrem Firmengebäude in Holzhausen die Zahl 9,58?

9,58 Sekunden ist der Weltrekord im 100-Meter-Lauf. Für uns steht diese Zahl symbolisch für maximale Präzision, Geschwindigkeit und Spitzenleistung. Wir wollen nicht einfach mitlaufen – wir wollen die Besten sein.

Warum haben Sie sich für Holzhausen als Unternehmensstandort entschieden?

Weil wir hier gewachsen sind. Holzhausen liegt im Zentrum Oberösterreichs, gut angebunden, mit einem starken industriellen Umfeld und Raum für langfristige Entwicklung. Wir wollten bewusst ein Hochtechnologieunternehmen am Land aufbauen – als Signal, dass Innovation nicht nur in Großstädten entsteht.

www.peaktechnology.at

Kontaktpersonen:

Josef Schachner-Nedherer, Projektmanager Automobil-Cluster, Business Upper Austria
Josef Schachner-Nedherer