20.04.2026

Superkraft Zusammenarbeit: Turbo für Innovation und Standort

Ob regionale Projekte oder europäische Initiativen: Kooperationen sind heute entscheidender denn je, um Innovationen auf den Markt zu bringen und die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs zu sichern. Der Mechatronik-Cluster zeigt, wie Zusammenarbeit zum echten Standortvorteil wird. Ganz nach dem Cluster-Motto „Innovation durch Kooperation“.

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Die SEMA Maschinenbau GmbH ist seit 2003 Partner im Mechatronik-Cluster und lebt das Motto „Innovation durch Kooperation“. © SEMA

Der erste Handgriff sitzt, der Roboterarm fährt los – präzise, routiniert, effizient. Was im Produktionsalltag wie selbstverständlich wirkt, ist oft das Ergebnis langwieriger Entwicklungsarbeit. Und immer häufiger: gemeinsamer Entwicklungsarbeit. In einer Zeit, in der Technologien rasend schnell voranschreiten, der internationale Wettbewerb zunimmt und der Druck auf die Industrie steigt, wird Kooperation zum entscheidenden Standortfaktor. „Wir sehen ganz klar: Die Herausforderungen, die auf die Unternehmen zukommen, sind nur gemeinsam zu bewältigen“, sagt Mechatronik-Cluster-Manager Elmar Paireder.

Gemeinsam schneller voran 

In der Produktion und Fertigung spaltet sich die Zukunft nicht mehr in Einzelinitiativen. Sie entsteht im Netzwerk – zwischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Innovationspartnern. Dazu passt auch der Blick auf die bundespolitische Ebene: Die neue Industriestrategie des Bundes setzt auf stärkere Verbindungen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und steht damit im Einklang mit der Leitinitiative „Automate Upper Austria“. 

Der Mechatronik-Cluster als Enabler

Der Mechatronik-Cluster (MC) versteht sich als Drehscheibe dieses Ökosystems: Er bringt Unternehmen zusammen, initiiert Kooperationsprojekte und berät zu passenden Förderprogrammen – regional, national und international. Genau hier komme der größte Mehrwert ins Spiel, sagt Florian Winner, Leiter der Forschungs- und Innovationsförderberatung: „Viele Unternehmen wissen, dass Kooperation wichtig ist. Aber nicht immer, welche Programme passen oder mit wem man sich zusammentun sollte.“ Für den Maschinen- und Anlagenbau, für Gerätehersteller und Zulieferer, aber auch für technologieaffine KMU bietet der MC eine strukturierte Plattform – und immer öfter eine Brücke in europäische Netzwerke.

Regionale Kraft 

Wie stark regionale Kooperation wirken kann, zeigte „FlexBot“: Gemeinsam entwickelten mehrere Unternehmen und Forschungspartner ein System, das Platinen automatisiert und hochflexibel prüft – ein enormer Schritt für die Elektronikfertigung. Das Land Oberösterreich hat das Projekt in der UFK-Förderschiene für kooperative F&E-Vorhaben finanziell unterstützt. Ein weiteres Beispiel ist „RoboCoat“. Die beteiligten Unternehmen machten Beschichtungsprozesse sparsamer, genauer und effizienter – ein klarer Technologiesprung, der besonders in kosten- und energieintensiven Fertigungen neuen Spielraum schafft.

Förderungen für KMU 

Auch das digitale Leitprojekt „TraceMe“ ist hier als Beispiel zu nennen. Johannes Weiermair, CTO von SEMA Maschinenbau, bestätigt: „Als KMU würde man viele dieser Projekte ohne finanzielle Unterstützung gar nicht angehen. Die Förderung deckt einen großen Teil der Kosten ab – das hilft enorm.“ 

Innovation auf Schiene

Österreichweit gilt die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG als zentrale Kooperationsschiene – und gerade im produktionsnahen Umfeld eröffnen sich zahlreiche Möglichkeiten. Besonders sichtbar wird das am neuen Themenschwerpunkt Bahntechnologie – Innovation auf Schiene im Mechatronik-Cluster Niederösterreich. Die neue Initiative vernetzt Unternehmen, Forschung und Bahnbetreiber, um Schlüsseltechnologien wie Digitalisierung, Automatisierung, Optimierung oder Data Science für die Bahnindustrie zu nutzen. Die Themen reichen von Schienenfahrzeugtechnik über Infrastruktur bis hin zur intelligenten Fertigung und Instandhaltung. 

Nationale Netzwerke 

Ebenfalls in Niederösterreich angesiedelt war das bundesländerübergreifende FFGCollective- Research-Projekt „TendAssist“. Es zeigte, wie digitale Technologien und Industrieanwendungen ineinandergreifen. „Solche Projekte bringen Know-how zusammen, das ein einzelnes Unternehmen nicht abdecken kann“, sagt Elmar Paireder. Nationale Programme wirken dabei wie ein Verstärker: Sie sorgen dafür, dass regionale Kompetenzen österreichweit wirken.

Europa als Spielfeld 

Noch größer wird der Hebel auf europäischer Ebene. Projekte wie „PlanC“, „BrAIn“, CURIOST, SINOPES, RECENTRE oder der EDIH „AI5innovation“ öffnen heimischen Unternehmen Zugang zu exzellenten Forschungspartnern und internationalen Märkten. Für Praktiker wie Johannes Weiermair steht fest: „Wir denken viel zu klein. Wenn wir in Europa weiter eine industrielle Wertschöpfung wollen, müssen wir europäisch kooperieren.“ Das Enterprise Europe Network (EEN) unterstützt dabei mit internationaler Partnervermittlung, Technologieanalysen und Zugängen zu europäischen Fördercalls – eine wichtige Voraussetzung, um regionale Innovation auf internationale Beine zu stellen.

Kooperation als Kultur und Haltung 

Kooperation ist mehr als Projektarbeit. Sie ist ein Mindset, betont Weiermair: „Die großen Unternehmen unterstützen die kleineren, man inspiriert sich gegenseitig. Das schafft eine Atmosphäre, in der man sich weiterentwickelt.“ Genau diese Haltung hat den Mechatronik-Cluster in den vergangenen Jahren geprägt – und zu einem Netzwerk gemacht, in dem Austausch, gemeinsame Themen und gegenseitige Unterstützung stärker wiegen als Größe oder Branchenzugehörigkeit. 

Wohin die Reise geht 

Der Blick nach vorn zeigt drei klare Linien: Internationalisierung wird wichtiger – sowohl für Technologien als auch für Wertschöpfungsketten. Clusterübergreifende Projekte werden zunehmen, weil viele Fragestellungen längst nicht mehr in einer Branche lösbar sind. Produktion, Digitalisierung und Nachhaltigkeit wachsen zusammen – und Kooperationen werden zum Träger dieser Entwicklung. Oder wie es Elmar Paireder formuliert: „Innovation entsteht an Schnittstellen. Unsere Aufgabe ist es, diese Schnittstellen lebendig und zugänglich zu machen.“ Der Mechatronik Cluster baut genau dafür die Brücken.

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