Vorhang auf für innovative Personalarbeit
Bereits zum 5. Mal hat die oberösterreichische Standortagentur Business Upper Austria den HRbert verliehen – eine Auszeichnung für besonders innovative und nachhaltige HR-Projekte. 30 Einreichungen gingen in das Rennen um den begehrten Preis. Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner zeichnete die Gewinnerinnen und Gewinner bei der Tagung Zukunft.HR am 10. September im Stift St. Florian aus.
„In unserer dynamischen Arbeitswelt sind qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein zentrales Kapital für Unternehmen. Personalmanagement wirkt hier nicht nur administrativ und unterstützend, sondern ist ein wichtiger Motor für den Unternehmenserfolg. Mit dem HRbert holen wir wieder innovative und nachhaltige Personalarbeit vor den Vorhang“, unterstrich Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner.
Jury-Vorsitzender Andreas Berger von der Rosenbauer International AG betonte: „Gerade in herausfordernden Zeiten brauchen Unternehmen die richtigen Fachkräfte, um erfolgreich zu sein. Hier ist das Personalmanagement gefordert. Die eingereichten Projekte und Initiativen präsentieren neue, kreative Ansätze und liefern anderen Betrieben wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung des HR-Fachbereichs.“
Mit einem innovativen Organisationsentwicklungsprojekt hat Miba Bearings Materials seine Produktion umstrukturiert. Ziel war es, die Führungsspannen am Shopfloor durch neue Teamleiterpositionen zu verringern und gleichzeitig neue Entwicklungsperspektiven für Mitarbeitende zu schaffen. Besonders bemerkenswert: Die Teamzusammenstellung erfolgte in einem partizipativen Self-Selection-Prozess. Rund 100 Mitarbeitende nutzten die Chance, ihre Teams selbst zu bilden – ein Novum innerhalb der Unternehmensgruppe. Begleitend dazu gab es Entwicklungsgespräche und Retrospektiven für Arbeiter:innen, Weiterbildung für alle Führungskräfte am Standort sowie Lernkaffees als Peer-Learning-Format für Angestellte. Um Sprachbarrieren zu überwinden, kamen Sticker und Emojis zum Einsatz. Auch mehrsprachige Kolleg:innen unterstützten beim Übersetzen. Die Ergebnisse sprechen für sich: Fast alle Teamleiterpositionen konnten intern besetzt werden. Rund 15 % der Teilnehmenden wechselten auf eigenen Wunsch das Team oder den Aufgabenbereich. Zudem liegt nun eine aktualisierte Kompetenzübersicht für die Maschinenbedienung vor.
Wie lassen sich betriebswirtschaftliche Zusammenhänge für Mitarbeitende veranschaulichen? Wie gelingt es, strategisches Denken zu fördern und unternehmerisches Handeln für alle erlebbar zu machen? Die Zauner Anlagentechnik hat mit der „ZAUNERGROUP Project Insights Simulation“ ein innovatives Planspiel entwickelt, das genau diese Fragen beantwortet. Es setzt auf Simulation und kombiniert moderne Didaktik mit einem Gamification-Ansatz: In einem zweitägigen, realitätsnahen Trainingsumfeld treffen die Teilnehmenden in Teams Entscheidungen, erleben deren Auswirkungen unmittelbar und reflektieren diese gemeinsam. Haptische Elemente wie Spielbretter und Figuren, digitale Tools, Gruppenreflexionen und Wettbewerbsmechaniken schaffen ein immersives Lernerlebnis. Die Teams werden bewusst heterogen zusammengesetzt – das fördert den Perspektivenwechsel, vernetzt untereinander und stärkt bereichsübergreifendes Denken. Der modulare Aufbau passt sich flexibel an unterschiedliche Zielgruppen an, unabhängig von Funktion oder Erfahrungsstand. Die innovative Methodik und das realitätsnahe Setting führten zu einer 50 % höheren Akzeptanz im Vergleich zu klassischen Trainingsformaten. 95 % der Teilnehmenden würden das Planspiel weiterempfehlen. Die Simulation hat sich als wirksames Instrument etabliert, um wirtschaftliches Denken und Handeln zu fördern – über alle Hierarchieebenen hinweg.
Mit dem Projekt „Talk4Future – Lehrlingscoaching“ setzt Eisenbeiss, Anbieter von Antriebslösungen für Industrieanwendungen, ein starkes Zeichen für nachhaltige Lehrlingsausbildung und psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. Das freiwillige Angebot umfasst Gruppenworkshops, vertrauliche Einzelcoachings sowie Supervision für Ausbildner:innen. Von Anfang an steht die mentale Gesundheit im Fokus. Eine externe Psychologin begleitet die Lehrlinge ab dem ersten Tag ihrer Ausbildung. Bereits zu Beginn des ersten Lehrjahres ist ein halbtägiger Workshop zu Resilienz, Selbstvertrauen und sozialer Kompetenz fix im Lehrplan verankert. Dieses Format schafft Vertrauen und senkt die Hemmschwelle, sich bei Bedarf Hilfe zu holen. Auch für familiäre und private Anliegen bietet Eisenbeiss vertrauliche Einzelcoachings an und übernimmt dafür sämtliche Kosten. Die Bilanz: Im Jahr 2023 fanden flächendeckende Einzelgespräche mit allen Lehrlingen statt. 2024 nutzten bereits 20 % das freiwillige Coachingangebot. Im Durchschnitt nimmt ein Lehrling vier Coachingeinheiten in Anspruch – ein deutliches Zeichen für die Wirksamkeit und Akzeptanz des Programms. Positives Feedback kam nicht nur von den Lehrlingen selbst, sondern auch von Eltern, Fachabteilungen und Betriebsrat. Schwierige Trennungen und Konfliktsituationen konnten einvernehmlich gelöst werden. Mit „Talk4Future“ beweist Eisenbeiss, dass nachhaltige Personalentwicklung bereits in der Lehrlingsausbildung beginnt. Die Jugendlichen werden gezielt unterstützt – mit Angeboten, die ihre Bedürfnisse ernst nehmen.
Erste-Hilfe-Kenntnisse sind entscheidend, um in Notfällen richtig zu reagieren. Fill arbeitet seit mehr als zehn Jahren mit dem Roten Kreuz zusammen. Die langjährige Kooperation umfasst neben regelmäßigen Erste-Hilfe-Schulungen und der größten privaten Blutspendeaktion Österreichs auch gezielte Maßnahmen für Lehrlinge: Dazu zählen Schulungen zur Suchtprävention, eine Einsatzübung mit Suchhundestaffel, ein Wertecamp zu humanitären Themen sowie ein Schnuppertag im Rettungsdienst. Das Ergebnis: 100 % der Lehrlinge sind ausgebildete Ersthelfer:innen. Besonderes Highlight: Eine eigens entwickelte App alarmiert betriebsinterne Ersthelfer:innen bei medizinischen Notfällen. Derzeit sind 25 aktive Rettungssanitäter:innen im Unternehmen tätig. In den vergangenen zehn Jahren haben 39 Mitarbeitende ihren Zivildienst oder eine Ausbildung als Rettungssanitäterin beim Roten Kreuz absolviert – im Vergleich zu zwölf Personen im Jahrzehnt davor. Insgesamt wurden bereits 1.131 Blutkonserven im Rahmen der betrieblichen Blutspendeaktionen gespendet. Die Initiative zeigt eindrucksvoll, wie aus einer betrieblichen Notwendigkeit ein nachhaltiges, gesellschaftlich wirksames Engagement entstehen kann. Sie fördert nicht nur die Sicherheit im Unternehmen, sondern auch das soziale Verantwortungsbewusstsein der Belegschaft – weit über den Arbeitsplatz hinaus.
Der Sozialhilfeverband Perg (SHV) wurde mit dem Sonderpreis der Jury für ein zukunftsweisendes Projekt für qualifizierte Zuwanderung ausgezeichnet. Mit dem Pilotprojekt zur Rekrutierung philippinischer Pflegekräfte setzt der SHV ein klares Zeichen gegen den akuten Fachkräftemangel in der Pflege. Den Anstoß dazu gab Werner Kreisl, Bezirkshauptmann von Perg und Obmann des SHV. Er hat das Projekt nicht nur initiiert und mit großem Einsatz geleitet, sondern auch die Koordination mit anderen Sozialhilfeverbänden übernommen. Im Herbst 2022 starteten die ersten zwölf Fachkräfte in den Alten- und Pflegeeinrichtungen des Bezirks Perg. Mittlerweile konnten 161 Personen erfolgreich nach Oberösterreich geholt werden, 39 davon zum SHV Perg. Bereits im Vorfeld wurde auf den Philippinen gezielt nach Interessent:innen gesucht. Die Fachkräfte verfügen über eine diplomierte Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege und absolvierten vor ihrer Ankunft einen Deutschkurs bis zum Niveau B1. Nach ihrer Ankunft in Österreich konnten sie sich durch ergänzende Ausbildungen auf die Nostrifikation vorbereiten. Das Projekt ist ein Benchmark für gelungene Integration in Österreich.
Bruno Buchberger, emeritierter Professor für Computer-Mathematik an der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz, wurde mit dem HRbert-Jurypreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Mit seinem Engagement für Wissenschaft, Forschung und Innovation hat er über Jahrzehnte hinweg maßgebliche Impulse für den Standort Oberösterreich gesetzt. Den HRbert für sein Lebenswerk verlieh ihm die Jury, weil er sich seit Jahrzehnten für internationale Mitarbeiter und Studierende sowie das Vernetzen internationaler Talente in Oberösterreich einsetzt, sowohl beruflich als auch privat. 2015 initiierte Buchberger den International Graduates Club Linz. Auch das Come2Upper Austria International House Sommerfest hat er über Jahre hinweg mitgeprägt – als inspirierender Speaker und leidenschaftlicher Jazzmusiker mit seiner Band.
Als Gründer des Instituts für Symbolisches Rechnen (RISC) an der JKU Linz legte Buchberger den Grundstein für die Verbindung von mathematischer Grundlagenforschung und angewandter Softwareentwicklung. Aus dieser Vision heraus entstand 1989 der Softwarepark Hagenberg, den Buchberger in einem revitalisierten Schloss als Außenstelle der Universität gründete. Er wollte Forschung, Ausbildung und Wirtschaft an einem Ort vereinen – ein Konzept, das bis heute als Vorzeigemodell gilt. Mehr als 3.100 Menschen arbeiten, forschen, lehren und lernen heute im Softwarepark Hagenberg.