Wenn der Strom verrät, dass jemand Hilfe braucht
Kennen Sie das? Jemand stürzt zu Hause, kann selbst keine Hilfe holen – und niemand bemerkt es. Die digitale Assistenzlösung „Paula“ von LINO Solutions analysiert über den Smart Meter den Stromverbrauch im Haushalt. Bleiben gewohnte Tätigkeiten aus, fragt Paula nach, ob alles in Ordnung ist. Kommt keine Rückmeldung, werden Kontaktpersonen automatisch per App informiert. Für das geförderte Projekt hat Business Upper Austria das geeignete FFG-Programm identifiziert und beim Förderantrag unterstützt.
Stürze stellen vor allem für alleinlebende Menschen im hohen Alter ein großes Risiko dar. Viele verlassen sich im Ernstfall auf Angehörige oder Nachbarn. Andere nutzen Rufhilfesysteme, zögern aber, weil sie einen Sturz als nicht schwerwiegend einschätzen oder den Notrufknopf im entscheidenden Moment nicht bei sich tragen. Sensoren könnten helfen, sind jedoch oft teuer und damit nicht für alle zugänglich. Hier kommt Paula ins Spiel: Die Assistenzlösung besteht aus einer Box, die direkt mit dem digitalen Stromzähler (Smart Meter) verbunden wird, sowie einer App, die Auffälligkeiten meldet. Im Hintergrund analysiert eine Datenplattform kontinuierlich den Stromverbrauch.
Da viele unserer Tätigkeiten zu Hause – wie Kochen, Waschen, Bügeln oder Fernsehen – mit elektrischen Geräten verbunden sind, entsteht in jedem Haushalt ein individuelles Stromverbrauchsmuster. Genau diese Routinen nutzt Paula, um mögliche Notlagen zu erkennen: Innerhalb von zwei Wochen lernt das System typische Tagesmuster, berechnet den erwarteten Stromverbrauch und vergleicht ihn mit den Echtzeitdaten. Stellt Paula dabei eine ungewöhnliche Abweichung fest, fragt das System über die App bei der betroffenen Person nach. Bleibt eine Antwort aus, informiert Paula automatisch die hinterlegten Kontaktpersonen via App. Besitzt die betroffene Person kein Smartphone, wird das Umfeld direkt benachrichtigt. „Damit entsteht ein unaufdringliches Sicherheitsnetz, das ohne Notrufknopf auskommt und keine Bedienung braucht. Unsere Assistenzlösung ist bereits ab 17,40 Euro pro Monat erhältlich“, erklärt Stefan Arbeithuber, Geschäftsführer von LINO Solutions, einem Corporate Start-up der Energie AG Oberösterreich.
Paula ergänzt bestehende Rufhilfesysteme und Sturzsensoren und richtet sich primär an rund 700.000 alleinlebende ältere Menschen sowie an etwa eine Million pflegende Angehörige in Österreich.
„Das System erleichtert ein selbstbestimmtes Leben zu Hause und entlastet das Umfeld. Mobile Dienste oder pflegende Angehörige lassen sich einbinden, sodass eine stabile Unterstützungsstruktur entsteht. Langfristig tragen wir dazu bei, den steigenden Pflegebedarf in einer alternden Gesellschaft zu bewältigen“, ist Stephan Knoll, verantwortlich für die Produktentwicklung, überzeugt.
Seit Jänner 2025 nutzen die ersten Haushalte Paula.
Business Upper Austria hat gemeinsam mit LINO Solutions ein passendes FFG-Programm (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft) identifiziert und beim Förderantrag unterstützt. „Wir haben uns für Impact Innovation entschieden, weil ein Antrag bereits gestellt werden kann, wenn das Problem klar ist, die Lösung aber noch offen. Viele andere Förderprogramme verlangen, dass Idee oder Innovation bereits im Vorfeld definiert sind“, beschreibt Susanne Herain-Aigner, Förderexpertin bei Business Upper Austria. Gefördert wurden die Entwicklung des ersten Prototyps sowie Tests unter realen Bedingungen. „Das umfassende Einbeziehen aller relevanten Zielgruppen hat wesentlich dazu beigetragen, Entwicklungsrisiken zu reduzieren und den Kundennutzen zu erhöhen“, ergänzt Stefan Arbeithuber. Impact Innovation ist themen- und branchenoffen und vor allem für KMU interessant. Großunternehmen können einreichen, sofern es sich um eine soziale Innovation handelt.
Die Förderberatung der oberösterreichischen Standortagentur hilft Unternehmen dabei, passende Förderprogramme zu finden und Projekte sicher durch den Antragsprozess zu führen. „Wir kennen die aktuelle Förderlandschaft und zeigen, welche Möglichkeiten sinnvoll und realistisch sind“, betont Susanne Herain-Aigner. Für eine erste Einschätzung steht Unternehmen das Fördertelefon unter +43 732 79810‑5420 oder die E‑Mail-Adresse foerderungen@biz‑up.at zur Verfügung. Weitere Informationen finden Sie unter www.biz‑up.at/foerderberatung.