Abkehr von der Wegwerfgesellschaft

Kreislaufwirtschaft – oder: Warum wir lernen müssen, anders mit Abfall umzugehen, egal ob Kunststoff oder Brot

Christian Hasenleithner, Geschäftsführer der Energie AG Oberösterreich Bohemia GmbH © Roland Pelzl / cityfoto
Christian Hasenleithner, Geschäftsführer der Energie AG Oberösterreich Bohemia GmbH © Roland Pelzl / cityfoto
Viktoria Krauter, Leiterin des Kompetenzzentrums für Sustainable and Future Oriented Packaging Solutions © Roland Pelzl / cityfoto
Viktoria Krauter, Leiterin des Kompetenzzentrums für Sustainable and Future Oriented Packaging Solutions © Roland Pelzl / cityfoto
Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.mont. Roland Pomberger, Lehrstuhlleiter Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft an der Montanuniversität Leoben © Roland Pelzl / cityfoto
Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.mont. Roland Pomberger, Lehrstuhlleiter Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft an der Montanuniversität Leoben © Roland Pelzl / cityfoto
Roland Fischer, Geschäftsführer der Fischer Brot GmbH © Roland Pelzl / cityfoto
Roland Fischer, Geschäftsführer der Fischer Brot GmbH © Roland Pelzl / cityfoto

08.10.2019

Jedes Jahr werden weltweit 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Das entspricht einem Drittel der gesamten Produktion. Insbesondere in der Lebensmittel-Branche sind künftig verstärkt Aktivitäten für mehr Ressourceneffizienz notwendig und die Konsumenten müssen umdenken. Die Alarmglocken schrillen: Um das zu verdeutlichen, widmeten sich der Cleantech-Cluster und der Lebensmittel-Cluster der oö. Standortagentur Business Upper Austria beim OÖ Zukunftsforum dem Thema „Wir denken in Kreisläufen: Technologien für eine ressourceneffiziente Zukunft“.

Trinkwasser ist das Lebensmittel Nummer Eins. Die Trinkwasserwirtschaft ist ein breites Feld und geht von der Aufbereitung der Ressource Wasser bis zur Verteilung zum Kunden. DI Christian Hasenleithner, Geschäftsführer der Energie AG Oberösterreich Bohemia GmbH, veranschaulichte in seinem Vortrag, wie wichtig Innovationen für die Ressourceneffizienz in der Wasserwirtschaft sind, auch wenn Veränderungen in diesem Bereich nur langsam stattfinden. „Beim Modernisierungstempo müssen wir künftig noch aufs Gas steigen“, mahnt Hasenleithner.

Eine Herausforderung, mit der sich die Wasserwirtschaft auseinandersetzen muss, sind unter anderem Wasserverluste aufgrund mangelnder Netzqualität. Die Wasserverluste aus dem Rohrnetz bewegen sich in Österreich in einem Bereich von durchschnittlich 11 Prozent. International gesehen liegt der Bestwert bei 10 Prozent Versickerung. Um die Rate so gering wie möglich zu halten, müssen die Lecks im Versorgungsnetz erst einmal gefunden werden. Das ist jedoch ein aufwändiger Prozess. 2018 hat die Energie AG Oberösterreich Bohemia GmbH in Prag erstmals Leckortung mittels Satelliten betrieben. Mittels Orthofoto bekommt man eine territoriale Übersicht, auf der die in Frage kommenden Bereiche auf 100 Meter genau markiert sind. Auch Smart Water ist laut Hasenleithner ein Zukunftsthema. In Tschechien hat die Energie AG einen Smart Water-Meter auf den Markt gebracht, der es dem Kunden ermöglicht, jederzeit mobil seinen Wasserverbrauch abzurufen, ohne dass er extra zum Zähler gehen muss. Das Besondere daran ist auch, dass der Kunde selbst Grenzwerte einbauen kann und eine Alarmierung erhält, sobald dieser Wert überschritten wird.

Ressourcen und Verschwendung

Laut Hasenleithner steht bei uns die Wasserwirtschaft 4.0 vor der Tür und sie wird getrieben vom Klimawandel, der Ressourcenverknappung und dem Arbeitskräftemangel. Die Wasserwirtschaft muss ihre Modernisierungsgeschwindigkeit erhöhen. Hasenleithner empfiehlt, sich in Zukunft mehr Inspiration von Start-ups zu holen. Auch in der Politik müsse man sich Gehör verschaffen, da Modernisierung Geld kostet und dafür Akzeptanz in der Gesellschaft notwendig ist. Der Experte gibt zu bedenken, dass andere Länder und die dort lebenden Menschen nicht einmal über eine Wasserwirtschaft 1.0 verfügen. Durch die Globalisierung wurde die Anzahl der Menschen ohne Wasser zwar extrem minimiert, aber sie existiert trotzdem noch: „Das Menschenrecht auf Wasser ist leeres Gerede, wenn man hier keine Lösungen anbietet“, meint Hasenleithner zur Wasserversorgung in der Dritten Welt.

Die Lebensmittelproduktion ist einer der größten Treiber der globalen Erwärmung. Umso tragischer, dass jedes Jahr 20 % der globalen Fleischproduktion, insgesamt 263 Millionen Tonnen, verloren gehen oder im Müll landen. Dr.in Viktoria Krauter, Leiterin des Kompetenzzentrums für Sustainable and Future Oriented Packaging Solutions in Wien und Stiftungsprofessorin am FH Campus Wien, nahm die Teilnehmer gedanklich mit auf eine Reise in die Welt der Verpackung und verdeutlichte, was diese zur Ressourceneffizienz beitragen kann. Trotz ausreichender Weltproduktion hungert jeder 7. Mensch auf der Welt! Beim erwarteten Bevölkerungswachstum muss die Lebensmittelproduktion bis 2050 um ganze 60 Prozent gesteigert werden. Umso wichtiger, die Lebensmittelverschwendung zu stoppen. Eine Lösung hierfür kann die Verpackung sein, da diese die Lebensmittel schützt. Dabei gilt es jedoch die Waage zu halten: So wenig Verpackung wie möglich, aber so viel wie nötig, sollte die Devise sein. Verpackung wird von den meisten Menschen als negativ wahrgenommen. Aber ein Lebensmittel, das aufgrund unzureichender Verpackung schneller verdirbt und weggeworfen wird, hat einen weit größeren negativen Einfluss auf die Umwelt. Lebensmittelverluste sind der drittgrößte CO2-Emitter weltweit. Verpackungen schützen Produkte, vermeiden Abfälle, ermöglichen ein effizientes Wirtschaften und bieten Endnutzern die Vorteile des darin enthaltenen Produkts. Die Gesellschaft verlangt nach nachhaltigen Verpackungslösungen, doch was ist eine nachhaltige Verpackung? Laut Krauter gibt es nicht DIE eine nachhaltige Verpackung, sie ist immer abhängig vom Produkt.

Abfallwirtschaft im Fokus

Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.mont. Roland Pomberger von der Montanuniversität Leoben gab einen Einblick in das Thema Entsorgungs- und Abfallwirtschaft und betonte in seinem Vortrag: „Das Material Kunststoff ist nicht schuld an unserem Müllproblem, Kunststoff ist ein geniales Material. Das wirkliche Problem unserer Gesellschaft ist, wie wir End-of-Life mit unseren Produkten umgehen“. EU-weit haben viele Länder bereits auf Recycling und Verbrennung umgestellt und sich von der Deponierung verabschiedet. Aber in einigen Ländern gibt es noch immer keine funktionierende Abfallwirtschaft. Österreich hingegen ist mit seiner Recyclingindustrie ein Vorbild-Land. In der österreichischen Zementindustrie gibt es eine extrem positive Entwicklung der energetischen Verwertung von Ersatzbrennstoffen. „2018 lagen wir bei 81,2 % Substitution fossiler Brennstoffe. Europaweit werden wir im Jahr 2035 rund 41 Millionen Tonnen mehr Sekundärrohstoffe pro Jahr haben als bisher“, betont Pomberger. Um dieser Herausforderung zu begegnen, brauche die Industrie mehr Recyclingkapazitäten, mehr Mitverbrennung und Waste-to-Energy-Anlagen. Der wirkliche Flaschenhals, den die EU in den nächsten zehn Jahren zu lösen hat: 10 Millionen Tonnen mehr Recycling-Granulate müssen zurück in die Unternehmen.

Roland Fischer, Geschäftsführer der Fischer Brot GmbH plädiert, die Lebensmittelproduzenten und den Handel in ein gemeinsames Boot zu holen, um entsprechende Lösungen für Überproduktion und Abfallbehandlung zu finden. Bei Fischer Brot wird aus dem produzierten Überschuss aktuell Tierfutter erzeugt, was jedoch einen riesigen Aufwand für das Unternehmen darstellt. Fischer Brot ist Teil des Innovationsverbundes NEFI –  New Energy For Industry. NEFI soll Energieinnovationen in Österreich vorantreiben. Deklariertes Ziel ist, die CO2-Emissionen der heimischen Industrie zu reduzieren, bis zu 100 % erneuerbare Energien einzusetzen und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

DI Heidrun Hochreiter, Cluster-Managerin des Lebensmittel-Clusters und Mitglied im Strategie Board von FFoQSI (Austrian Competence Centre for Feed and Food Quality, Safety and Innovation) stellte die Ziele des COMET-K1 Kompetenzzentrums für Futter- und Nahrungsmittel-Primärproduktion vor. Die Weltbevölkerung steigt, was werden wir in Zukunft essen? Mittels Forschung & Entwicklung will FFoQSI Antworten auf diese Frage finden.

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Foto: DI Christian Maurer

DI Christian Maurer

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