Datenbrille lässt Taube wieder „hören“

Ein Mann und eine Frau sitzen auf einer grünen Couch. Die Frau (links) trägt die Datenbrille HOLODEAF. Der Mann (rechts) sieht die Frau an.
Gehörlose lesen die Worte ihres Gesprächspartners als eingeblendeten Text in der Datenbrille HOLODEAF. Foto: Thomas Peterseil

05.05.2017

Der Ansfeldner Thomas Peterseil hat in Kooperation mit der FH OÖ eine Datenbrille für gehörlose Menschen entwickelt. Diese können durch eine spezielle Software die Worte ihres Gesprächspartners als eingeblendeten Text in der Brille lesen. „Ohne Hilfsmittel kommunizieren gehörlose Menschen nur mit Gebärdensprache oder Lippenlesen und sind im Alltag häufig eingeschränkt. Die Datenbrille HOLODEAF bietet ihnen ganz neue Kommunikationsperspektiven“, so Thomas Peterseil. In der FH Oberösterreich am Campus Hagenberg fand er mit Unterstützung der Initiative TIM –Technologie- und Innovations-Management die für die Entwicklung notwendige Forschungspartner.

Für Taube und hochgradig schwerhörige Menschen gibt es bereits Hilfsgeräte, die gesprochene Worte in geschriebenen Text umwandeln. Zumeist wird dieser zeitverzögert auf das Display eines Smartphones geschickt. Mit der innovativen Software HOLODEAF (Anm. deaf [engl.] – taub) und der Datenbrille HoloLens von Microsoft wird dem Nutzer der Text direkt als Untertitel ins gewöhnliche Sichtfeld eingeblendet – und zwar in Echtzeit als Hologramm. Das eröffnet Nutzern eine ganz neue Perspektive im direkten Gespräch von Angesicht zu Angesicht, da der Blickkontakt zum Gesprächspartner erhalten werden kann.

So funktioniert HOLODEAF
Die Mikrofone der Hololens-Datenbrille versuchen, den in der Umgebung gesprochenen Text zu erkennen. Wurde eine Frequenz als Sprache erkannt, wird diese sofort in geschriebenen Text umgewandelt und ins Sichtfeld übertragen. Dafür ist eine permanente Internetverbindung nötig. Dieser Service ist kostenlos und ohne Buchstabenlimit nutzbar. (Die Spracherkennung richtet sich nach dem Betriebssystem und ist nach derzeitigem Entwicklungsstand auf Englisch beschränkt, kann aber durch Übersetzungsdienste auch in anderen Sprachen genutzt werden.)

Erleichterung für viele Menschen
In Österreich leben ca. 8.000 gehörlose Menschen und weitere 10.000 bis 15.000 so schwerhörige oder taube, dass ihnen eine Verständigung allein über das Gehör auch mit Hörhilfe kaum möglich ist. Mehr als 70 Mio. Kinder und Erwachsene weltweit sind völlig gehörlos oder haben nur noch ein geringes Resthörvermögen.

HOLODEAF kann wegen seiner einfachen Anwendung in den unterschiedlichsten Bereichen wie beispielsweise für Schulungen oder einfach im Kino verwendet werden und ist somit für viele Menschen weltweit interessant. Derzeit befindet sich HOLODEAF noch in der Test- bzw. Optimierungsphase, die Markteinführung soll in wenigen Monaten starten. Die HOLODEAF-Lösung ist erst der Anfang einer Vielzahl neuer Assistenzsysteme, die sehr vielen Menschen helfen kann und wird.

Über TIM – das Technologie- und Innovationsmanagement
TIM ist die neutrale Technologieberatungsinitiative des Landes OÖ sowie der WKO Oberösterreich und wird von Business Upper Austria und der WKO Oberösterreich angeboten. Die TIM-Berater sind Begleiter, Vermittler und Partner von KMU bei der Umsetzung ihrer F&E-Projekte. Im Mittelpunkt stehen eine umfangreiche, kostenlose Beratung und Begleitung bei technischen Entwicklungsprojekten oberösterreichischer Unternehmen. Das reicht von der Ideenphase bis hin zur Umsetzung im Betrieb. Dabei suchen die TIM-Berater die geeigneten Experten in Forschungseinrichtungen und überprüfen das geplante Projekt auf Übereinstimmung mit den relevanten Technologietransferförderungen bzw. -finanzierungen. Darüber hinaus recherchieren sie projektbezogen den Stand der Technik und erstellen einen Status Quo für das Unternehmen. Bis dato wurden rund 900 Projekte unterstützt und erfolgreich abgeschlossen.

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Foto: DI (FH) Roland Nöbauer, MA

DI (FH) Roland Nöbauer, MA

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Mag. Markus Käferböck

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