DigiTrans: Oberösterreich wird Testregion für automatisierten Güterverkehr, City- und Kommunallogistik

© Land OÖ/Daniel Kauder
v.l.: Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer, Bundesminister Ing. Norbert Hofer und Verkehrslandesrat Mag. Günther Steinkellner © Land OÖ/Daniel Kauder
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v.l.: Mag. Norbert DRASKOVITS (Direktor Flughafen Linz-Hörsching), Landeshauptmann Mag. Thomas STELZER, Bundesminister Ing. Norbert HOFER, Verkehrslandesrat Mag. Günther STEINKELLNER, KommR Johannes HÖDLMAYR, MBA (Vorstand Hödlmayr International AG) und DI Dr. Clemens Malina-Altzinger, GF Reform-Werke Bauer & Co Gesellschaft m.b.H. und Shareholder Digitrans GmbH © Land OÖ/Daniel Kauder

11.06.2018

Mit der Initiative Connected Mobility (ICM) verfügt Oberösterreich über eine Plattform, welche die Entwicklungen im Bereich Digitalisierung besonders auch für den automotiven Bereich intensiv unterstützt. Zahlreiche Unternehmen aus der Automobil- und IT-Branche sind Partner in der Plattform und entwickeln gemeinsam Technologien für autonomes Fahren.

7,5 Mio. Euro Projektvolumen bis 2023

Aus dieser CM-Plattform heraus hat sich das Konsortium für das Projekt DigiTrans entwickelt: DigiTrans ist - neben ALP.lab in der Steiermark - die zweite vom Bund geförderte Testregion für autonomes Fahren. Das Projektvolumen umfasst bis zum Jahr 2023 7,5 Millionen Euro, von denen die FFG und das Land Oberösterreich gemeinsam 3,75 Millionen Euro als Förderung beisteuern.

Im Mittelpunkt stehen Technologien für die Automatisierung der Gütermobilität. Logistikzentren wie der Ennshafen, der Flughafen Linz Hörsching und auch Partner aus der Transportwirtschaft arbeiten an der Weiterentwicklung des oö. Gütertransports und an der Anknüpfung an europäische Standards mit. Kern des Projektes ist die Etablierung der Region Linz – Wels – Steyr sowie angrenzender Betriebs- und Frachtgelände für Binnenschifffahrt und Luftfahrt als Testregion für eine moderne, integrierte multimodale Gütermobilität.

 

Nutz-und Sonderfahrzeuge als Innovationsträger

DigiTrans stellt Nutzfahrzeuge und Sonderfahrzeuge als Innovationsträger für Automatisierung und Vernetzung in den Mittelpunkt. Wichtig ist dabei auch die Einbeziehung von Logistik-Hubs (z.B. Ennshafen, Flughafen, weitere Betriebsgelände) und eine gezielte regionale Erweiterung und gemeinsame Infrastrukturnutzung über OÖ hinaus (z.B. Wien, Steiermark, Bayern).

 

Durch DigiTrans soll für den Standort (Ober-)Österreich mit seiner starken automobilen Zuliefer- und IKT-Industrie die internationale Wettbewerbsfähigkeit gesichert und weiter ausgebaut werden. Der Mehrwehrt für den Standort, seine Unternehmen und Forschungseinrichtungen, entsteht in vier Bereichen:

 

  1. Teststrecke für Gütermobilitätsdienstleister
    offen für Fahrzeughersteller & Service-Betriebe, um Systemabstimmung und -integration mit automatisierten Lösungen zu testen
     
  2. Aufbau einer Testinfrastruktur
    um die Rahmenbedingungen zur Validierung neuer Entwicklungen im Bereich der vernetzten Mobilität anbieten zu können
     
  3. Anwendungsfälle für Gütermobilität/Logistik
    Speditionen sowie kommunalen Betreibern ermöglicht die Testregion, gemeinsam die Transport- und Serviceaufgaben in neuer Qualität zu bewältigen.
     
  4. Entwicklungsplattform
    für neue, digitale Geschäftsmodelle für Logistikdienstleister (wie etwa Plattformanbieter für die Buchung von Transportdienstleistungen oder intelligente Fracht- und Verladesysteme)

 

Projektpartner aus Wirtschaft und Forschung an Bord

Gründungspartner von DigiTrans sind neben dem Automobil-Cluster das AIT (Austrian Institute of Technology GmbH), LOGISTIKUM Steyr, IESTA (Institut für innovative Energie- & Stoffaustauschsysteme e.V.) und die LCM (Linz Center of Mechatronics GmbH). 17 Unternehmen wie z.B. die Industrie-Logistik-Linz GmbH, ASFINAG Autobahnen- und Schnellstraßen- Finanzierungs- Aktiengesellschaft, Ennshafen OÖ GmbH, Flughafen Linz GesmbH, MAN Truck & Bus Österreich AG, Rosenbauer International AG, Reform-Werke Bauer & Co Gesellschaft m.b.H., Hödlmayr Logistics GmbH u.a. arbeiten bereits an konkreten Themen und liefern wichtigen Input.

 

DigiTrans-GmbH ist Projektträger

Das Sondierungsprojekt DigiTrans wurde 2016 abgeschlossen und 2017 als Vollprojekt zur Förderung eingereicht. Im Dezember 2017 wurde es als Testregion von der FFG zur Förderung genehmigt, zur Auszahlung der Fördergelder war die Gründung einer GmbH nötig. Zu diesem Zweck gründete die oö. Standortagentur Business Upper Austria im Jänner 2018 den Verein DigiTrans, aus dem heraus im März 2018 die GmbH firmiert wurde. Der Verein DigiTrans ist aktuell an der GmbH mit 55 % Prozent beteiligt, die restlichen Anteile sind aufgeteilt unter HÖDLMAYR INTERNATIONAL AG, REFORM-WERKE BAUER & CO Gesellschaft m.b.H. und FH OÖ Forschungs & Entwicklungs GmbH.

Die Konsortialpartner des DigiTrans Vereines tragen zum notwendigen Infrastruktur- und Know-how-Aufbau bei und beteiligen sich ebenfalls mit einem Cash/Inkind-Beitrag am Aufbau und Betrieb der DigiTrans-Struktur. Im Gegenzug können die Unternehmen im Rahmen der erbrachten Leistung die Infrastruktur der Testumgebung für F&E Projekte und eigene Kundenprojekte oder strategische Projekte nützen.

 

BM Hofer: Neue digitale Geschäftsmodelle für Logistikdienstleister werden mit DigiTrans ausprobiert

Die Mobilität wird sich in den nächsten Jahren massiv verändern. Automatisiertes Fahren ist ein Kernaspekt dieser Veränderung. Die Entwicklungen bei Digitalisierung, Telekommunikations- und Internetdiensten ermöglichen völlig neue technologische Entwicklungen. Die kürzlich verabschiedete Klima- und Energiestrategie verlangt verstärkten Fokus auf nachhaltigen Einsatz neuer Technologien. „Wir stehen am Anfang dieser Entwicklung. Das vollautonome Fahrzeug insbesondere in komplexeren Verkehrssituationen ist ein Zukunftsszenario. Umso wichtiger ist es, zu testen und auf klare Anwendungen zu setzen. Genau das macht DigiTrans. Ich freue mich, gemeinsam mit Land Oberösterreich diese Testregion mit 3,75 Millionen Euro zu unterstützten“, so Infrastrukturminister Norbert Hofer.

 

LH Stelzer: Gütermobilität spielt entscheidende Rolle für Standort OÖ

„Wir richten den Fokus in OÖ auf Gütermobilität und Logistik, um die bestehenden wirtschaftlichen Stärkefelder weiter auszubauen. Mit der Testregion generieren wir einen direkten Nutzen für die heimische Industrie“, erklärt Landeshauptmann Thomas Stelzer die Motivation Oberösterreichs, auf das Thema automatisierter Güterverkehr zu setzen. Der Aufruf, diesen bevorstehenden Technologiewandel rechtzeitig zu erkennen und auch anzunehmen, geht nicht nur an große Unternehmen. „Auch Klein- und Mittelbetriebe sind eingeladen, sich mit der Digitalisierung ihrer Transport- und Logistikbereiche bald genug auseinander zu setzen“, so Stelzer. DigiTrans arbeitet intensiv an Lösungen, die bald in Oberösterreich Standard werden sollen. Die unterschiedlichen Anwendungsszenarien, die in DigiTrans bearbeitet und erforscht werden, zeigen nur einen kleinen Teil dessen, was für einen zukünftigen, funktionierenden Gütertransport wichtig sein wird.

„Wir möchten am Standort Oberösterreich eine moderne Infrastruktur für vernetztes und automatisiertes Fahren anbieten, um attraktiv für internationale Unternehmen zu bleiben. Mit dem Angebot moderner Technologien unterstützen wir die Logistikbranche des Landes und schaffen eine zukunftssichere Umgebung für wirtschaftlichen Erfolg.“

 

Fernverkehr, Nahverkehr und Citylogistik

DigiTrans hat sich vom anfänglichen Sondierungsprojekt in zwei Jahren zu einer aktiven Forschungsregion entwickelt, in der nun an drei Themenbereichen gearbeitet wird:

 

Automatisierter Fernverkehr (Platooning)

Das Anwendungs-Szenario „Automatisierter Fernverkehr“ fokussiert auf Lkw Platooning zum Gütertransport über weite Distanzen. Dabei fährt ein Platooning-fähiger Lkw automatisiert von einem Übergabepunkt auf die Autobahn auf und wird an das Platoon angedockt. Die Lkw fahren automatisiert im Platoon auf einem definierten Autobahnabschnitt und können weitere Platooning-fähige Lkw im Umfeld "On the Fly" andocken. Entsprechend der Zielorte der Lkw werden diese aus dem Platoon vollautomatisch ausgeklinkt und fahren dann automatisiert von der Autobahn zu einem definierten Übergabepunkt. Dort kann dann der Use Case „Automatisierter Nahverkehr“ die Güter übernehmen. HÖDLMAYR INTERNATIONAL AG und Platooning ist auch zentrales Thema eines weiteren österreichischen Leitprojektes: Connecting Austria forscht mit einem Konsortium von 13 Partnern an Anwendungsfällen für LKW-Platooning und arbeitet  mit den Partnern von DigiTrans eng zusammen.

 

Fakten „Automatisierter Fernverkehr“

  • Projekt „Platooning“:
  • Projektpartner u.a. Hödlmayr International AG in Kooperation mit dem FFG Leitprojekt „Connecting Austria“

 

Automatisierter Nahverkehr

Die Automatisierung von Teilprozessen in Transport- und Logistikketten ist Voraussetzung, um möglichst nahtlose Übergänge zu ermöglichen. Zielsetzungen in der Automatisierung des Güterverkehrs sind u.a. die Optimierung von Be- und Entladevorgängen, die Reduktion von Lärm- und Schadstoffemissionen und Treibstoffverbrauch sowie der uneingeschränkte Betrieb (z.B. 24/7 Einsatz). Das Innovationsfeld „Automatisierter Nahverkehr“ betrifft Transportwege von ca. 1-2 km, die neben Betriebsgeländen auch angrenzende, öffentliche Straßen betreffen können, etwa zwischen Verteilerzentren von Logistikdienstleistern und angrenzenden Industriebetrieben oder zwischen nahe gelegenen Betriebsstandorten/ Werken eines Herstellers.

 

Fakten „Automatisierter Nahverkehr“:

  • Projekt „Flughafen Linz“:
  • Projektpartner u.a.: Flughafen Linz, Reform-Werke
  • Projekt-Lead: AIT

 

Fakten Projekt „BMW Steyr“:

  • Projektpartner u.a.: BMW Motorenwerk Steyr, Industrie-Logistik-Linz
  • Projekt-Lead: FH OÖ Forschungs & Entwicklungs GmbH / Logistikum Steyr

 

City Logistik & Kommunale Logistik

Das Anwendungs-Szenario „City Logistik“ betrachtet das automatisierte Fahren in einem städtischen Umfeld mit seinen spezifischen Aufgabenstellungen und Herausforderungen. Typische Anforderungen sind dabei automatisierte Zustellfahrzeuge, z.B. Autonome Kleinfahrzeuge, die Waren zur Übergabe direkt an Kunden zustellen (an Paketstation, in Kofferraum) oder kommunale Dienste wie ein automatisierter Winter- und Reinigungsdienst für öffentliche und private Gehwege. Ein möglicher Use Case im DigiTrans Innovationslabor wird derzeit von den Städten Wels und Steyr und den Reform-Werke angedacht.

 

LR Steinkellner: Erkenntnisse aus Forschung und Entwicklung fördern die Verkehrssicherheit in OÖ

Oberösterreich setzt in der Verkehrsinfrastruktur auf Intelligent Traffic Systems und baut dabei auf einem guten technologischen, wirtschaftlichen und verkehrstechnischen Fundament auf. Die Weiterentwicklung einer sicheren und umweltfreundlichen Mobilität ist auf allen Ebenen zu unterstützen. Mit DigiTrans kann die Bereitschaft zur Anschaffung und zur Verwendung von Assistenzsystemen - auch im PKW - erhöht werden und damit wird beim wichtigsten Faktor in der Verkehrssicherheitsarbeit – dem Faktor Mensch – unterstützend angesetzt. Vernetzte Fahrzeuge, Assistenzsysteme, teilautonome und autonome Fahrzeuge werden einen wertvollen Beitrag leisten, um eine weitere signifikante Reduktion von Unfallzahlen zu erzielen. Auch um die vorhandene Infrastruktur im Sinne der Staureduktion bestmöglich zu verwenden, ist die stetige technologische Forschung, Entwicklung und das Sammeln wichtiger Erkenntnisse von Nöten. Mit dem Projekt ‚DigiTrans‘ des Automobil-Clusters legt das Land die ersten wichtigen Grundsteine für eine moderne, zukunftsorientierte und vor allem sichere Mobilität für Oberösterreich.

 

AIT stellt Forschungs- und Technologiekompetenz zur Verfügung

„Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit im Projekt DigiTrans. Das AIT Austrian Institute of Technology verfügt über große Expertise im Bereich autonomes Fahren und liefert den Projektpartnern umfangreiche Forschungs- und Technologiekompetenz“, sagt AIT-Geschäftsführer Anton Plimon. Im Projekt DigiTrans sind dies das Zusammenspiel der Mensch-Maschine Schnittstelle im Logistikbereich, die Integration von automatisierten Fahrzeugen in Logistikanwendungen und die kamerabasierte Sensorik für automatisiertes Fahren und Arbeitsprozesse mit Maschinen. „Für Automatisierung und Robotics müssen viele Prozesse völlig neu gedacht und gestaltet werden. Durch das Projekt DigiTrans gelingt die Steigerung von Effizienz und Effektivität in der Werksverkehr-Logistik mit einer Erhöhung der Sicherheit“, so Plimon.

 

Hödlmayr bringt eigene LKW und Fahrer ein

„Für uns bietet die Beteiligung an DigiTrans in mehrfacher Hinsicht große Chancen. Wir werden durch die Vernetzung mit Forschungseinrichtungen Teil einer Innovationsgeschichte und können sehr früh Praxiserfahrungen mit neuen Technologien sammeln“, erklärt Vorstand Johannes Hödlmayr.

 

Das gleichnamige Unternehmen mit Sitz in Schwertberg ist mit 15 Prozent an der DigiTrans Gmbh beteiligt und beschäftigt sich konkret mit dem Thema LKW-Platooning. Dabei werden zwei oder mehrere Lastkraftwagen über eine „elektronische Deichsel“ verbunden. Mit dieser neuen Technologie werden Treibstoffeinsparungen von bis zu 15 Prozent möglich. Hödlmayr nimmt im Zuge dieses Projekts mit eigenen LKW und Fahrern an einem fünfjährigen Test teil. Der Startschuss dazu soll noch in diesem Jahr erfolgen.

 

Reform-Werke entwickelt neue Fahrzeugkonzepte

„Für Reform, als anerkannten Spezialist für die Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Spezialfahrzeugen bedeutet die Beteiligung an der DigiTrans GmbH ein wichtiger Schritt für die Zukunft. In einem Umfeld von sich ändernden Kundenbedürfnissen, Verknappung von qualifizierten Fahrern und dem Wunsch nach Automatisierung verschiedenster Arbeiten in der City- und Kommunallogistik ist DigiTrans für uns eine wichtige Entwicklungs-Plattform. Gemeinsam mit den verschiedenen Forschungseinrichtungen, Technologiepartnern und Unternehmen wollen wir Lösungen für die Zukunft entwickeln“, ist Geschäftsführer Dr. Clemens Malina-Altzinger überzeugt.

 

Reform investiert seit längerer Zeit viel in die Entwicklung von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben und vor allem auch in neue Fahrzeug-Konzepte. So wird noch in diesem Jahr ein komplett neues Fahrzeug präsentiert, welches sich von den bisher bekannten Fahrzeugen unterscheidet. Dieses neue Fahrzeug eignet sich in Zukunft hervorragend für die verschiedensten Aufgaben, welche automatisiert in der City- und Kommunallogistik bewältigt werden sollen.

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