Palmöl in aller Munde

Helene Glatter-Götz, Programmleiterin Nachhaltige Ernährung, WWF Österreich
Helene Glatter-Götz, Programmleiterin Nachhaltige Ernährung, WWF Österreich © Business Upper Austria
Regine Schönlechner, Universität für Bodenkultur Wien
Regine Schönlechner, Universität für Bodenkultur Wien © Business Upper Austria
Florian Rauch, Geschäftsführer VFI GmbH, Wels
Florian Rauch, Geschäftsführer VFI (Vereinigte Fettwarenindustrie) GmbH, Wels © Business Upper Austria
Ingrid Kiefer, AGES (Agentur für Ernährungssicherheit) Wien
Ingrid Kiefer, AGES (Agentur für Ernährungssicherheit) Wien © Business Upper Austria

08.11.2018

Palmöl ist mit einem Anteil von 43 % das wichtigste Pflanzenöl der Welt und eine beliebte Zutat der Nahrungsmittelindustrie. Seine Verwendung hat gesundheitliche, umweltrelevante und produktionsspezifische Aspekte. Am 6. November 2018 trafen sich 25 Interessierte aus der Lebensmittelbranche im Linzer Techcenter, um bei dem vom Lebensmittel-Cluster der oö. Standortagentur Business Upper Austria organisierten Expertentalk darüber zu diskutieren.

In den letzten Jahren ist Palmöl in Verruf geraten, da für seinen Anbau große Flächen Regenwald gerodet werden. Eine der Fragen, die beim Expertentalk erörtert wurden, war: Gibt es Alternativen zu Palmöl? Denn andere Kulturpflanzen bringen einen deutlich geringeren Flächenertrag, benötigen also viel mehr Fläche. Oft werden sie auch in den gleichen Regionen angebaut. Überraschend ist die Position des WWF Österreich: „Ein Boykott ist keine Lösung, besser ist es, auf 100 % zertifiziertes, segregiertes (Bio)-Palmöl umzusteigen und generell Lebensmittelverschwendung zu vermeiden“, empfiehlt Helene Glatter-Götz, Programmleiterin Nachhaltige Ernährung beim WWF Österreich.

Gesundheitliche Aspekte
Ein weiterer Aspekt: Beim Härten von Öl, um daraus beispielsweise Margarine herzustellen, entstehen Transfettsäuren. Sie gelten als Mitverursacher von koronaren Herzkrankheiten. Der Gehalt an Transfettsäuren in Lebensmitteln ist in Österreich seit 2009 deshalb auf maximal zwei Prozent im Gesamtfett limitiert. Die wirksamste Strategie, um Transfette zu vermeiden, ist, sogenannte naturharte Fette zu verwenden. Ein solches ist Palmöl bzw. –fett, da es erst bei 30 bis 37 Grad Celsius schmilzt. Ernährungsphysiologisch ist Palmöl anderen festen Fetten überlegen. „Um also Transfettsäuren zu vermeiden, werden naturharte Fette wie Palmfett eingesetzt. Nur dort, wo kein festes Fett erforderlich ist, können flüssige Pflanzenöle Palmfett ersetzen“, erklärt Regine Schönlechner von der Universität für Bodenkultur Wien.

Optimierte Herstellungsverfahren
Pflanzliche Fette und Öle werden hoch erhitzt, damit unangenehme und bittere Geruchs- und Geschmacksstoffe entfernt werden (Raffination). Dabei entstehen gesundheitlich bedenkliche Substanzen. Diese können in allen Lebensmitteln enthalten sein, denen raffinierte Fette und Öle zugegeben werden. Man spricht hier von Prozesskontamination. „Prozesskontaminationen sind bei Palmöl höher als bei anderen Fetten“, sagt Ingrid Kiefer von der AGES (Agentur für Ernährungssicherheit) Wien, „durch entsprechende Prozessführung können schädliche Substanzen reduziert werden.“ Untersuchungen der AGES zeigen, dass die Werte in den letzten Jahren gesunken sind. Wo geeignete Studien vorhanden sind, gibt es bereits Grenzwerte, beispielsweise bei Glycidol. „Die Technologien, um diese Substanzen zu reduzieren, werden vorwiegend bei Babynahrung eingesetzt“, klärt Florian Rauch, Geschäftsführer der VFI GmbH aus Wels, auf. Denn Säuglinge und Kinder gelten wegen des geringen Gewichts als potenzielle Risikogruppen.

Was ist Palmöl?
Palmöl wird aus den Früchten der Ölpalme gewonnen. Das Fruchtfleisch enthält ca. 50 % Öl. Aus dem Kern der Frucht wird Palmkernöl gewonnen. Der Mensch verwendet Palmöl seit mehr als tausend Jahren in der Ernährung. 87 % der weltweiten Produktion stammen aus Indonesien und Malaysia. Die Europäer konsumieren elf Prozent des Palmöls, die Amerikaner acht Prozent. Den größten Teil verbrauchen traditionell Asiaten und Afrikaner. In Deutschland wird ein Drittel des verbrauchten Palmöls für Nahrungsmittel verwendet, 42 % für Biokraftstoffe. Auch Kerzen, Waschmittel, Kosmetika und Futtermittel enthalten oft Palmöl.

Warum wird Palmöl gerne in der Lebensmittelindustrie eingesetzt?
Die spezifischen natürlichen Eigenschaften wie neutraler Geruch und Geschmack und seine Festigkeit bei Raumtemperatur (naturhartes Fett), gepaart mit einem hohen Flächenertrag führten dazu, dass Palmöl beinahe in jedem zweiten Produkt im Lebensmittelhandel enthalten ist. Backwaren, Schokolade, Süßwaren, Margarine, Kartoffelchips, Fertiggerichte - Palmöl ist omnipräsent.

Zertifizierung und Nachhaltigkeit
Für die Zertifizierung von nachhaltigem Palmöl gibt es den „Round Table on Sustainable Palmoil“ (RSPO), der sich für die Produktion und die Nutzung von nachhaltigem Palmöl einsetzt. Palmöl aus rückverfolgbarer nachhaltiger Produktion kann physisch vom Endprodukt bis zur Plantage zurückverfolgt werden. Dieses Modell wird oft als „segregiertes“ Palmöl bezeichnet. Es besitzt eine komplett eigene Lieferkette - getrennt vom „normalen“ Palmöl. 15 bis 20 Prozent des Palmfetts ist heute zertifiziert.

Ölerträge in Tonnen pro Hektar (t/ha)  (Quelle: WWF Österreich)

Soja

Kokos

Sonnenblume

Raps

Palmöl

0,4 t/ha

0,7 t/ha

0,7 t/ha

0,7 t/ha

3,3 t/ha


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