Landespreis für Innovation 2016

Wirtschafts-Landesrat Dr. Michael Strugl

Oberösterreich zählt zu den innovativsten Bundesländern und präsentiert sich damit als starker Wirtschaftsstandort auch im globalen Umfeld. Zukunftstechnologien sowie innovative Produkte und Dienstleistungen sind die entscheidenden Faktoren, um diesen Erfolgskurs auch weiter fortzusetzen. Durch die schon seit Jahren konsequente Anwendung von Strategischen Wirtschafts- und Forschungsprogrammen schafft unser Bundesland den richtigen Nährboden für innovative Ideen und deren Umsetzung. Mit ihren qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stehen Oberösterreichs Unternehmen für hohe Innovationskraft. Dies verdeutlichen auch zahlreiche Auszeichnungen im Rahmen des Staatspreises für Innovation, ECONOVIUS und VERENA.

Dr. Michael Strugl, Wirtschaftslandesrat

Der Landespreis für Innovation 2016 ist eine Kooperation des Landes Oberösterreich und Business Upper Austria in Zusammenarbeit mit der WKO Oberösterreich – sparte.industrie, dem ORF Oberösterreich, der Sparkasse OÖ und der "OÖ-Krone".

Die Gewinner 2016 und ihre Innovationen im Überblick:

Projekt: SmartNIL™ Prozess – Nanopräge-Lithographie

Mit der Entwicklung des richtungsweisenden SmartNIL™ Prozesses und dem industrieweit ersten, vollintegrierten Produktionssystem verhalf EV Group (EVG) der Nanopräge-Lithographie (engl. Nano-Imprint Lithography bzw. NIL) zum Durchbruch in der Hochvolumenfertigung. Mit der SmartNIL-Technologie werden feinste Strukturen bis hin zu mikroskopisch kleinen, 3-dimensionalen Elementen von einem Spezialstempel auf dünne Glaswafer übertragen, um die optischen, elektrischen und/oder mikromechanischen Eigenschaften der darauf entstehenden Bauteile gezielt zu beeinflussen. Die Innovation ermöglicht in der Consumer-Elektronik, Telekommunikation und IT z.B. Speichermedien mit höherer Kapazität, effizientere LEDs, optische Elemente zur 3D-Videoaufzeichnung mit normalen Smartphones sowie Augmented Reality-Anwendungen. Dazu kommen holographische Displays und sogar 3D-Bildschirme, die ohne 3D-Brillen auskommen. In der Bio- und Medizintechnik lassen sich mit Hilfe sogenannter Mikrofluidik-Chips z.B. Blutwerte sofort beim Arzt auswerten. Auch die Herstellung komplexer Bio-Chips für die DNA-Analyse zur Früherkennung bestimmter Krankheitsbilder wird mit EVG-Technologie kostengünstig in Großserie ermöglicht.

Projekt: Wings Vioso RX

Heutzutage sind aufwändige, multimediale Inszenierungen aus Museen, Erlebniswelten und Shows nicht mehr wegzudenken. Die zentrale Steuerungseinheit bei derartigen Produktionen wird "Medienserver" genannt. Den AV Stumpfl-Ingenieur/innen ist es vor Kurzem gelungen, die Leistungsfähigkeit eines Medienservers in bisher noch nie dagewesene Dimensionen zu heben. Der Schlüssel dazu ist eine neu entwickelte Software, die spezielle Basisfunktionen des Betriebssystems umgeht bzw. selbst übernimmt. Die für Medienserver besonders repräsentative Kennzahl der so genannten "Datenrate" liegt bei AV Stumpfls neuem Server bei rund dem vierfachen gegenüber dem Mitbewerb. Dadurch lassen sich nicht nur Effekte realisieren, die bisher noch nicht möglich waren – sondern auch bestehende Projekte, bei denen bisher beispielsweise 16 Server notwendig waren, lassen sich nun mit einem einzigen realisieren.

Projekt: Rapperstorfer Korbwand®

Erstmals in der Geschichte des Stahlbetonbaus werden Bewehrungskörbe individuell und vollautomatisch produziert. Das spart Zeit und Stahl bei höherer Stabilität.

Beim Projekt Rapperstorfer Korbwand® handelt es sich um die Entwicklung einer vollautomatischen Maschine zur Herstellung von Eisenkörben für Wände aus Beton, welche in Betonfertigteilwerken hergestellt werden. Realisiert wurde diese vollautomatische Produktion erstmals bei Maba Fertigteilindustrie im Fertigteilwerk Gerasdorf bei Wien zur Herstellung von Doppelwänden: Dreidimensionale Bewehrungsgeflechte werden vollautomatisch geschweißt (statt wie bisher mit Bindedraht gebunden).

Durch diese innovative Fertigungsmethode wird der Produktionsprozess im Fertigteilwerk vereinfacht, die Qualität wegen der geringeren Fehleranfälligkeit gesteigert und der Materialverbrauch sowie Stahlabfall wesentlich reduziert.

Die Innovation und der technische Fortschritt bestehen darin, dass ein gut eingeführtes und verbreitetes Produkt, welches in Europa von 250 Herstellern produziert wird, massiv vereinfacht wurde – unter Zielsetzung der vollautomatischen Herstellung, bei gleichzeitiger Verbesserung der Produkteigenschaften. Parallel dazu wurde eine vollautomatische Produktionsanlage entwickelt, welche technisch unlösbar erscheinbare Grenzen in der Genauigkeit überwindet und das neue Produkt erst möglich macht. Die Doppelwand kann als Korbwand mit 10% weniger Stahl, 90% weniger Kunststoffteile und 15% effizienter hergestellt werden, bei gleichzeitiger Erhöhung der Stabilität der Wand beim Ausbetonieren.

Projekt: Muster basierte Simulation von Partikel basierten Prozessen und Strömungen

Mehr als die Hälfte sämtlicher Konsumprodukte basieren in ihrer Herstellungskette auf Prozessen, die in irgendeiner Form Partikel beinhalten. Klassische Computer-Simulationen dieser Prozesse erfordern enorme Ressourcen und lange Rechenzeiten.

Die radikale Innovation beruht auf der Idee, klassische Simulationen mit statistischen Methoden und Zufallsprozessen so zu kombinieren, dass basierend auf vorab berechneten Prozesssequenzen partikelbeladener Strömungen extrem effiziente berechnet werden können. Durch diesen Technologieschritt können den industriellen Partnern – oberösterreichische Leitbetriebe wie Borealis, voestalpine und Primetals – völlig neue Möglichkeiten zur Prozessoptimierung geboten werden.

Insbesondere im Bereich der Echtzeit-Simulationen sieht sich das Department of Particulate Flow Modelling gerade erst am Anfang einer spannenden Entwicklung, die auch in Zusammenhang mit Industrie 4.0 gesehen werden kann. Mit der Technologie kann beispielsweise online jedes Kilo Stahl in einem 250 Tonnen Stahlkonverter verfolgt werden. Damit kann ein entscheidender Beitrag zur Realisierung der virtuellen Industrie geleistet werden.

Über industrielle Anwendungen hinaus kann die Idee zur (online) Untersuchung von Schadstoffausbreitung in Luft und Wasser eingesetzt werden. Hierbei eröffnen sich völlig neue Ausblicke für die Untersuchung der urbanen Schadstoffbelastung.

Projekt: Virtual Aneurysm – Haptischer Simulator für Neurochirurgische Eingriffe

Die RISC Software GmbH entwickelte im Rahmen des FFG BRIDGE Programms gemeinsam mit dem KUK NeuroMed Campus (Neurochirurgie, Neuroradiologie), dem KUK MedCampus (Zentrale Radiologie) und Aesculap AG (GER) die Technologie für einen Simulator, der in der Lage ist, neurochirurgische Eingriffe an Gehirnarterien zu simulieren. Dadurch wird ein zielgerichtetes und wiederholbares Training von der Diagnosestellung über die Durchführung der Schädelöffnung (Kraniotomie) bis hin zum Abklemmen von gefährlichen Hirnaneurysmen mit Titanclips für angehende Neurochirurgen ermöglicht und so die Ausbildung entscheidend verbessert. Diese Technologie wird nun gemeinsam mit dem kanadischen Simulatorhersteller OSSIM Technologies in ein kommerzielles Produkt umgesetzt und soll ab 2017 weltweit vertrieben werden.

Projekt: Combeenation – E-Commerce für Individualprodukte

Combeenation ist ein Cloud-basiertes Produktkonfigurator-Managementsystem mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten.

Im E-Commerce erweitert Combeenation die Standardfunktionalitäten von Webshops. Endkunden können angebotene Produkte ihren Wünschen entsprechend in Echtzeit anpassen. Die flexible Software-Architektur von Combeenation ermöglicht unbegrenzte Konfigurationsmöglichkeiten: veränderbare Produktkomponenten, Größen, Farben, Texturen und vieles mehr.

In Beratung und Vertrieb wird Combeenation als Angebotskonfigurator genutzt, um unterschiedliche Varianten von Produkten im Kundengespräch schnell zu visualisieren. Dynamische Preiskalkulation und technische Präzision machen Combeentation zu einem leistungsstarken “Guided Selling Tool”.

Produkt-Individualisierung war noch nie so einfach. Combeenation ist komplett Cloud-basiert. Der Zugang zum System erfolgt direkt über den Webbrowser. Combeenation-Kunden benötigen kein Software-Download, keine IT-Drittanbieter oder interne IT-Abteilung.

Der Beitrag des ORF Landesstudios Oberösterreich, ausgestrahlt am 20.10.2016 in OÖ heute:

Großunternehmen
1. Platz EV Group GmbH
SmartNILTM Prozess – Nanopräge-Lithographie
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2. Platz Borealis Polyolefine GmbH
Primerlose Lackierung von Außenteilen in der Automobilindustrie
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3. Platz TRUMPF Maschinen Austria GmbH & Co. KG.
MagicShoe
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Mittlere Unternehmen  
1. Platz AV Stumpfl GmbH
Wings Vioso RX
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2. Platz DS Automotion GmbH
"Sally" Kompaktklasse für Kleinlast-Transporte
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3. Platz Perndorfer Maschinenbau KG
Hochdruckpumpe Servo-Jet4000
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Kleinunternehmen
1. Platz Rapperstorfer Automation GmbH
Rapperstorfer Korbwand®
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2. Platz IndiValue GmbH
Combeenation – E-Commerce für Individualprodukte
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3. Platz GROMA IngenieurBüro Markus Groiss
Rund um die Uhr Brandfrüherkennung mittels Infrarot-System
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Forschungseinrichtungen
Johannes Kepler Universität Linz – Department of Particulate Flow Modelling
Muster basierte Simulation von Partikel basierten Prozessen und Strömungen
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Jurypreis für radikale Innovation
RISC Software GmbH – Forschungsabteilung für Medizin-Informatik
Virtual Aneurysm – Haptischer Simulator für Neurochirurgische Eingriffe
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Jurypreis für Geschäftsmodell Innovation
IndiValue GmbH
Combeenation – E-Commerce für Individualprodukte
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Der Innovationspreis wurde in vier Kategorien vergeben: Kleinunternehmen, Mittlere Unternehmen, Großunternehmen und Forschungseinrichtungen. Weiters wurden zwei oö. Jurypreise (für radikale Innovationen und Geschäftsmodell Innovationen) verliehen. Der Sieger in jeder der vier Kategorien ebenso wie jeder Jurypreisträger erhielt einen vom Wirtschaftsressort des Landes Oberösterreich gestifteten Geldpreis (4.000 EUR pro Kategorie) sowie eine Statue.

  • Rektor o. Univ.-Prof. Mag. Dr. Meinhard Lukas (Vorsitzender der Jury, Johannes Kepler Universität Linz)
  • DIin Dr.in Birgit Ettinger (KEBA AG, Innovationsmanagement)
  • DI Dr. Ludovit Garzik, MBA DWT (Geschäftsführer Rat für Forschung und Technologieentwicklung)
  • Harald Kalcher (Chefredakteur „OÖ-Krone“)
  • DI (FH) Stephan Kubinger, MBA (Obmann-Stv. der sparte.industrie, WKO Oberösterreich)
  • DI Bruno Lindorfer (Technologiebeauftragter des Landes Oberösterreich)
  • DI (FH) Werner Pamminger, MBA (Geschäftsführer Business Upper Austria)
  • Dr. Gerald Reisinger (Geschäftsführer FH Oberösterreich Management GmbH)
  • KommR DI Günter Rübig (Rat für Forschung und Technologie OÖ)
  • Hofrat Mag. Walter Winetzhammer (Amt der Oö. Landesregierung, Abteilung Wirtschaft)
  • Univ.-Prof. Dkfm. Dr. Gerhard Wührer (Vorstand des Institutes für Handel, Absatz und Marketing der Johannes Kepler Universität Linz)
Foto: Sylvia Sturany

Sylvia Sturany

Projektassistentin
Tel.: +43-732-79810-5049