Landespreis für Innovation 2017

Portraitfoto von Wirtschaftslandesrait Dr. Michael Strugl

Was wäre ein Wirtschaftsstandort wie Oberösterreich ohne seine innovativen Vor- und Querdenker: Denn nur wenn wir auf Zukunftstechnologien setzen, neue Wege bei Produkten und Dienstleistungen gehen und innovative Strategien verfolgen, können zukünftige Herausforderungen bewältigt und erfolgreiche Weiterentwicklungen am Standort in Gang gesetzt werden. Unsere Strategischen Wirtschafts- und Forschungsprogramme sorgen daher schon seit Jahren für die richtigen Rahmenbedingungen, um innovative Ideen entstehen zu lassen und dann auch ihre Umsetzung zu ermöglichen.

Doch auch das beste Umfeld führt nur dann zum Erfolg, wenn es mit Leben erfüllt wird: Und genau dafür sorgen Oberösterreichs Unternehmen mit ihren engagierten und qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Viele Auszeichnungen im Rahmen des Staatspreises Innovation, ECONOVIUS und VERENA untermauern diese hohe Innovationskraft in unserem Bundesland.

Dr. Michael Strugl
Landeshauptmann-Stellvertreter | Forschungs- und Wirtschaftsreferent

Preisverleihung am 24. Oktober 2017 im ORF Landesstudio Oberösterreich:

Die Gewinner/innen 2017 und ihre Innovationen im Überblick:

Projekt: High-Tech-Wälzkörper aus Keramik
Wälzlager werden seit mehr als hundert Jahren aus Stahl gefertigt und SKF war immer schon maßgeblicher Treiber von Neuerungen und Innovationen auf diesem Gebiet. SKF ist nun dabei, mit High-Tech Wälzkörpern aus Siliziumnitrid-Keramik eine Revolution im Bereich der Wälzlager einzuläuten. Diese Wälzkörper ermöglichen erhebliche technische Verbesserungen wie etwa eine 60%-ige Gewichtsreduktion für Luftfahrtanwendungen, eine zuverlässige elektrische Lagerisolation für Anwendungen in der Elektromobilität und eine Verdoppelung der Schmierstoffgebrauchsdauer aufgrund der optimierten tribologischen Eigenschaften.

Eine globale Markteinführung ist Voraussetzung für die Erschließung der Marktpotenziale auf den Gebieten Elektromobilität, Eisenbahn und Luftfahrt. Die Technologie- und Produktentwicklung in Steyr ist im weltweit tätigen SKF Konzern verantwortlich für Keramikwerkstoffe, Wälzkörper aus technischer Keramik und dem Endprodukt Hybridlager, welches sich aus Stahlringen und Keramikwälzkörpern zusammensetzt. Aufgrund der sehr positiven Geschäftsentwicklung und der stetig steigenden Nachfrage wird in der SKF Österreich AG die Fertigungskapazität für Keramikrollen massiv ausgebaut, die dazu erforderlichen Investitionen werden am Standort Steyr getätigt.

Projekt: Funktionalisierung von Oberflächen mittels atmosphärischer Plasmatechnologie
Die atmosphärische Plasmabeschichtungstechnologie mit feinsten metallischen Pulvern sowie Dämpfen ist eine noch sehr junge und wenig erforschte Technologie. Die hohe chemische Reaktionsbereitschaft von Plasmen kann zur Oberflächenaktivierung und -beschichtung von thermisch sensiblen Materialien wie Papier, Textilien und Kunststoffen und auch Metallen, Glas, Keramiken und elektronischen Baugruppen genutzt werden. Dadurch werden funktionelle Oberflächen ohne Einsatz von Chemikalien erzeugt. Die erzeugten Schichten sind z.B.: Leiterbahnen auf Papier, Holz und Kunststoffen, Leiterplatten, Haftschichten, Antihaftschichten, transmissionsgraderhöhende Schichten, biozide Schichten etc. Für diese große Vielfalt wurde der weltweit erste Plasmaplotter, der sowohl Mikro- als auch Nanoschichten gleichzeitig oder hintereinander erzeugen kann, gebaut.

Projekt: recoveriX - System zur Neurorehabiliation von motorischen Funktionen von Schlaganfallpatienten
recoveriX ist ein innovatives Brain-Computer-Interface-System, das kognitive Aktivitäten mit motorischen Bewegungen koppelt. Das System analysiert Gedanken, während sich eine Person rechte oder linke Handbewegungen vorstellt. Erkennt recoveriX eine Bewegungsvorstellung z.B. der rechten Hand, dann werden die Muskeln der rechten Hand elektrisch stimuliert und die Hand des Schlaganfallpatienten bewegt sich. Durch die Wiederholung dieses Trainings erlernen Patienten wieder Bewegungen durchzuführen. Besonders beeindruckend ist, dass es auch funktioniert, nachdem Patienten jahrelang gelähmt waren. Die recoveriX Therapie ist bereits in Österreich, Spanien, Deutschland, Japan, China und den USA im Einsatz.

Projekt: Unterdrückung kritischer Signalreflexionen zur Erhöhung der Reichweite von hochintegrierten Radarsensoren in modernen Automobilen
Moderne Automobile sind mit Radarsensoren ausgestattet, welche genaue Umgebungsinformationen liefern und daher wesentlich für moderne Fahrerassistenzsysteme sowie für die Realisierung autonom fahrender Autos sind. Die Sensoren werden häufig unmittelbar hinter der Stoßstange verbaut, wodurch die ausgesendeten Signale allerdings ständig von der eigenen Stoßstange reflektiert werden. Dies verursacht Störsignale, welche die erzielbare Reichweite und Genauigkeit maßgeblich verringern. In der vorliegenden Forschungsarbeit wurde ein neuartiges Lösungskonzept entwickelt, welches die beinahe vollständige Unterdrückung der unerwünschten Reflexionen ermöglicht. Den Kern der Innovation bildet ein künstlich erzeugtes Radar-Ziel am Chip zusammen mit statistischen Signalverarbeitungsalgorithmen. Das vorgeschlagene und patentierte Konzept wurde erfolgreich mittels Prototyp verifiziert und lässt sich ökonomisch und vollständig in einem Radar-Chip integrieren.

Projekt: Gesicherte Kommunikation zum Schutz von Hochspannungsleitungen
Hochspannungsschutzgeräte sind ein wesentlicher Teil des Stromnetzes, da diese die Versorgungssicherheit maßgeblich unterstützen, indem der betroffene Bereich des Netzes im Fehlerfall abgeschaltet wird. Ein sehr zuverlässiges Verfahren ist der Leitungsdifferentialschutz. Die Fehlererkennung beruht bei diesem Verfahren auf dem Vergleich der Stromwerte an beiden Enden einer Hochspannungsleitung. Diese Daten sind hochsensibel und müssen präzisen zeitlichen Anforderungen genügen.

Bisher konnten nur aufwändige und sehr teure Kommunikationsnetze für diese Anwendung verwendet werden. Die Institute für Nachrichtentechnik und HF-Systeme sowie für Netzwerke und Sicherheit an der JKU haben gemeinsam mit der Fa. Sprecher Automation ein neues Verfahren entwickelt, mit dem der Datenaustausch sicher und zeitlich präzise über das Internet erfolgen kann.

Projekt: Die „Mach-dein-Smartphone-einfach“-Lösung – Software, die allen Android-Smartphones eine einfache, intuitive Bedieneroberfläche verpasst
Die neueste Entwicklung von Emporia Telecom ist eine spezielle Software, die aus jedem Android-Smartphone im Nu ein einfach zu bedienendes Mobiltelefon machen kann, egal für welche Handymarke sich ein Kunde beim Kauf entscheidet: Dank dieser revolutionären Entwicklung erhält das Smartphone eine übersichtliche, intuitive Bedienoberfläche, die den Umgang mit dem Telefon ganz leichtmacht.

Im Kern geht es bei Emporia immer um einfache Kommunikation. Emporia war und ist Vorreiter bei der Entwicklung von Mobiltelefonen speziell für Senioren. Vor zwei Jahren brachte Emporia das weltweit erste Smartphone für ältere Menschen auf den Markt, dieses wurde von der renommierten Stiftung Warentest ausgezeichnet.

Emporia Telecom mit Sitz in Linz hat im vergangenen Jahr in Europa 600.000 Handys verkauft und beschäftigt insgesamt 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Der Landespreis für Innovation 2017 ist eine Kooperation des Landes Oberösterreich und der oö. Wirtschaftsagentur Business Upper Austria in Zusammenarbeit mit der WKO Oberösterreich – sparte.industrie, der Sparkasse OÖ, dem ORF Oberösterreich und der "OÖ-Krone".

Großunternehmen
1. Platz: SKF Österreich AG
High-Tech-Wälzkörper aus Keramik

2. Platz: voestalpine AG
Stanzen und Verkleben von Elektroband zu Elektrobandpaketen in einem Prozess

3. Platz: FACC AG
Thermografieprüfung von Flugzeugbauteilen

Mittlere Unternehmen
1. Platz: INOCON Technologie GmbH
Funktionalisierung von Oberflächen mittels atmosphärischer Plasmatechnologie

2. Platz: GTech Automatisierungstechnik GmbH
„Automatisches 3D-Richten“ – Entwicklung eines automatisierten 3D-Richtwerkzeugs mit integrierter Messung von Strukturteilen

3. Platz: emporia Telecom GmbH & Co KG
Die „Mach-dein-Smartphone-einfach“-Lösung – Software, die allen Android-Smartphones eine einfache, intuitive Bedieneroberfläche verpasst

Kleinunternehmen
1. Platz: g.tec medical engineering GmbH
recoveriX - System zur Neurorehabiliation von motorischen Funktionen von Schlaganfallpatienten

2. Platz: Aero Enterprise GmbH
Qualitätssicherungs-System besteht aus einem Flugroboter (SensorCopter), einer mobilen Bodenstation, einer Client-basierenden Analysesoftware und einer Datenbank

3. Platz: PRESONO Smart Information GmbH
Smarte Präsentationssoftware – on- & offlinefähig, interaktiv, multimedial, vernetzend

Forschungseinrichtungen
Johannes Kepler Universität Linz / Institut für Signalverarbeitung
Unterdrückung kritischer Signalreflexionen zur Erhöhung der Reichweite von hochintegrierten Radarsensoren in modernen Automobilen

Jurypreis für radikale Innovationen
Johannes Kepler Universität Linz / Institut für Nachrichtentechnik und Hochfrequenzsysteme gemeinsam mit dem Institut für Netzwerke und Sicherheit
Gesicherte Kommunikation zum Schutz von Hochspannungsleitungen

Jurypreis für Geschäftsmodell Innovationen
emporia Telecom GmbH & Co KG
Die „Mach-dein-Smartphone-einfach“-Lösung – Software, die allen Android-Smartphones eine einfache, intuitive Bedieneroberfläche verpasst

Nominierung Staatspreis für Innovation (alphabetisch)
g.tec medical engineering GmbH
INOCON Technologie GmbH
SKF Österreich AG

Nominierung VERENA (Energie-Innovationen von Unternehmen in Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen)
voestalpine AG

Nominierung ECONOVIUS (Innovative Kleinunternehmen)
Aero Enterprise GmbH

Der Innovationspreis wurde in vier Kategorien vergeben: Kleinunternehmen, Mittlere Unternehmen, Großunternehmen und Forschungseinrichtungen. Weiters wurden zwei oö. Jurypreise (für radikale Innovationen und Geschäftsmodell Innovationen) verliehen. Der Sieger in jeder der vier Kategorien ebenso wie jeder Jurypreisträger erhielt einen vom Forschungs- und Wirtschaftsressort des Landes Oberösterreich gestifteten Geldpreis (4.000 EUR pro Kategorie) sowie eine Statue.

Rektor o. Univ.-Prof. Mag. Dr. Meinhard Lukas
Vorsitzender der Jury Johannes Kepler Universität Linz

Mag. Karin Aussersdorfer
voestalpine Stahl GmbH, F&E-Management

DI Dr. Birgit Ettinger
KEBA AG, Innovationsmanagement

DI Dr. Ludovit Garzik, MBA DWT
Geschäftsführer Rat für Forschung und Technologieentwicklung

Harald Kalcher
Chefredakteur „OÖ-Krone“

DI (FH) Stephan Kubinger, MBA
Vorsitzender des Rates für Forschung und Technologie OÖ

DI Bruno Lindorfer
Technologiebeauftragter des Landes Oberösterreich

DI (FH) Werner Pamminger, MBA
Geschäftsführer Business Upper Austria - OÖ Wirtschaftsagentur GmbH

Dr. Gerald Reisinger
Geschäftsführer FH Oberösterreich Management GmbH

DI Günter Rübig
Obmann der sparte.industrie WKO Oberösterreich

Hofrat Mag. Walter Winetzhammer
Amt der Oö. Landesregierung Abteilung Wirtschaft

Univ.-Prof. Dkfm. Dr. Gerhard Wührer
Vorstand des Institutes für Handel, Absatz und Marketing der Johannes Kepler Universität Linz

Foto: Sylvia Sturany

Sylvia Sturany

Projektassistentin
Tel.: +43-732-79810-5049