Innovation, Tradition und Kooperation

V.l.: Werner Pamminger (Business Upper Austria), Kuno Haas (Grüne Erde), Wirtschafts- und Tourismus-Landesrat Markus Achleitner, Franz Föttinger (Fischer Sports), Eva Maria Pürmayer (Hotel Bergergut), Mario Papst (Hotel Dachsteinkönig), Andreas Winkelhofer (Oberösterreich Tourismus) © Land OÖ/Lisa Schaffner
V.l.: Werner Pamminger (Business Upper Austria), Kuno Haas (Grüne Erde), Wirtschafts- und Tourismus-Landesrat Markus Achleitner, Franz Föttinger (Fischer Sports), Eva Maria Pürmayer (Hotel Bergergut), Mario Papst (Hotel Dachsteinkönig), Andreas Winkelhofer (Oberösterreich Tourismus) © Land OÖ/Lisa Schaffner

02.07.2021

In Oberösterreich wurde die Lockdown-Zeit genutzt, um sich neu zu definieren, Konzepte zu überdenken und Zukunftsperspektiven zu schaffen. Viele Beispiele machen Mut und zeigen auch neue Trends auf. Die Premiere der Veranstaltungsreihe „Gipfelgespräche“ verdeutlichte, dass die Krise eine Chance ist, die Komfortzone für einen erfolgreichen Neustart zu verlassen. Gastgeber der Veranstaltung am 29.6. in Roßleithen waren die oö. Standortagentur Business Upper Austria und der Oberösterreich Tourismus, die 50 Livegäste und 150 Online-Zuhörer*innen begrüßen konnten. 

Die Tourismusbranche in Oberösterreich ist wieder im Anlaufen, das bestätigen auch die Buchungszahlen. Um hier einen nachhaltigen Effekt zu erzielen, sind alle Player am Standort gefragt. „Die veränderten Rahmenbedingungen erfordern ein branchenübergreifendes Denken am Markt“, betonte Werner Pamminger, Geschäftsführer der oö. Standortagentur Business Upper Austria. Durch die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Tourismus und anderen Wirtschaftsbereichen wird es möglich, Kompetenzen zu bündeln und am Markt mehr Strahlkraft, Sichtbarkeit und Stärke zu erreichen. 


Schulterschluss auf vielen Ebenen

Oberösterreich hat als Digitalregion und Hotspot für zukunftsweisende Technologien (wie Künstliche Intelligenz) eine echte Chance, das Know-how aus der Industrie in touristische Bereiche zu nehmen und zu verankern, um den Tourismus zukunftsfit zu machen. Dabei sind auch Start-ups und Unternehmensgründungen für den Tourismus von großer Bedeutung, da sie einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung von neuen touristischen Angeboten leisten und so zur Wettbewerbsfähigkeit und zum Strukturwandel in der Branche beitragen.

„Mit dem neuen Tourismus-Inkubator wollen wir junge, innovative und kreative Menschen ansprechen, die sich für den Tourismus begeistern und in der Branche Karriere machen wollen. Entstehen sollen neu gegründete Unternehmen mit langer Lebensdauer sowie innovative und digitale Geschäftsmodelle. Das wollen wir mit diesem neuen Gründungsprogramm für Start-ups in Tourismus, Hotellerie und Freizeitwirtschaft erreichen“,

erklärte Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner beim „Gipfelgespräch“. Das Wirtschafts- und Tourismusressort des Landes OÖ, die oö. Standortagentur Business Upper Austria, die Oberösterreich Tourismus GmbH und die tech2b Inkubator GmbH beraten, fördern und begleiten Start-ups. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis 31. Juli 2021.


Genuss ist auch ein Erlebnis

„Auch die Kulinarik zeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Bereichen ist. Was wäre der Urlaub ohne gepflegte Landschaften, was wäre das Angebot guter Lebensmittel ohne den Koch, der unser schmackhaftes Essen zubereitet.“

hob auch Andreas Winkelhofer, Geschäftsführer der Oberösterreich Tourismus GmbH, die Bedeutung von branchenübergreifenden Kooperationen hervor. Insbesondere das vergangene Jahr habe auch gezeigt, wie sehr ein Einkaufserlebnis geschmälert wird, wenn es kein Erlebnis Kulinarik gibt. 
In der Impuls-Session: „Genuss und Kulinarik – Neue Allianz für ehrlichen Genuss“ zeigte Johanna Grabmer, Projektleitung Kulinarik & Wirtschaftskooperationen der Oberösterreich Tourismus GmbH, aktuelle Ansätze und Positionierungsmöglichkeiten für unser Bundesland auf. Essen und Trinken sowie regionale Lebensmittel werden für die Gäste immer wichtiger, weshalb mit der Kulinarik-Allianz ein unverwechselbares Kulinarik-Profil geschaffen wird, womit der gesamte Standort aufgeladen werden soll. Die Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Wirtschaft und Tourismus löst noch mehr Wertschöpfung bei den Betrieben aus.


Die letzte Meile meistern

Ein weiteres Beispiel dafür, dass Problemstellungen nicht isoliert betrachtet werden können, wurde im Impulsreferat „Mobilität und Tourismus – Lösungsansätze für die letzte Meile“ aufgezeigt. Christian Schilcher vom OÖ Tourismus, Leitung Strategie & Tourismusentwicklung berichtete über Projekte zur Verbesserung der Mobilitätsangebote in OÖ. Hubert Zamut vom Regionalmanagement Oberösterreich, Regionalmanager im Bereich Regionales Mobilitätsmanagement, verdeutlichte, dass gerade Fragen der Mobilität nicht an Branchengrenzen enden. Nur miteinander können passgenaue Lösungen gefunden werden. Auf Interesse stieß auch das Referat von Karmen Mentil, die Best Practice Beispiele aus den Alpine Pearls aufzeigte – Urlaubsregionen, die bewusst auf nachhaltige und dennoch garantierte Mobilität für ihre Gäste achten. 


Technik im Tourismus

Viele dieser Themen wurden auch in der Podiumsdiskussion aufgegriffen. So berichtete Mario Papst, Hoteldirektor vom Familien-Luxushotel Dachsteinkönig in Gosau, wie er das Thema Mobilität ins Visier nahm. Durch die Kooperation mit zwei Programmierern und einem umtriebigen Taxifahrer aus der Region ist eine Taxi-App entstanden, die rund um die Uhr Mobilität für den ländlichen Raum garantiert. Für Gäste, Einheimische und auch die Mitarbeiter*innen werden damit Kostentransparenz und Planungssicherheit geschaffen, in stark frequentierten Regionen soll dadurch sogar eine Verkehrsberuhigung erzielt werden. 


Auch der Skiherstellers Fischer Sports arbeitet – in Kooperation mit der Linzer Johannes Keppler Universität – an einer App, die für jeden Wintersportler auf Basis des Fahrverhaltens den passenden Ski oder Schuh findet. Franz Föttinger, Chef des Unternehmens, sieht Fischer als Tourismusbetrieb, da das Unternehmen stark vom Wintertourismus abhängig ist.

„Wir haben gemerkt, dass auch andere Wintersportarten nachgefragt werden. Es ist daher immer gut, breit aufgestellt zu sein“,

so der Geschäftsführer des Familienunternehmens. Konkret nannte Föttinger den Boom des Skitouren-Gehens und das Comeback des Langlaufens, welche den Verlust des klassischen Pistensports abgefedert haben. In der Kooperation mit den Expert*innen der JKU erkennt er viele Möglichkeiten für die Zukunft seines Unternehmens, um nachhaltiger und kundennäher produzieren zu können.


Zurück zu den Wurzeln

Gäste wollen vor allem bei Lebensmitteln die Kontrolle und Sicherheit zurückgewinnen. Sie wollen genau wissen, woher Produkte kommen. Auch bei den Destinationen gewinnt Regionales an Bedeutung. Diesen Trend spürt Oberösterreich sehr stark: Boutiquehotels, kleine Familienhotels, Chalets und Appartements oder auch Urlaub am Bauernhof sind gefragt. 

„Menschen, die früher in erster Linie an Haubenmenüs interessiert waren, genießen jetzt oft auch nur ein gutes Stück Speck und Getränke aus unserer eigenen Produktion. Der Schwerpunkt hat sich ganz klar von international auf regional verlagert“,

schilderte Eva Maria Pürmayer, Geschäftsführerin des Genießerhotels Bergergut im Mühlviertel. Während der Corona-Zwangspause wurde das Hotel neugestaltet und Konzepte überdacht. Aus Sicht der Hotelbetreiberin wird sich das Urlaubsverhalten nachhaltig ändern.

„Der Gast will erstklassige Qualität, weiß aber auch echte und authentische Angebote wieder zu schätzen. Besonders in der Ferienhotellerie geht es um Persönlichkeit und Beziehungen, das ist unsere Stärke und eine riesen Chance. Wir schaffen Erlebnisse und veredeln dadurch die Lebenszeit unserer Gäste.“


Wie stark das Bekenntnis zu Regionalität den Erfolg eines Unternehmens beeinflusst, verdeutlichte Kuno Haas, Mitbegründer, Eigentümer und Geschäftsführer von „Grüne Erde“ aus Scharnstein. „Nachhaltigkeit ist besonders im Kontext mit dem Klimawandel wichtig. Regionale Lieferketten und regionale Verankerung haben einen entscheidenden Einfluss“, betonte Haas. Er legt Wert darauf, dass der Aktionsradius seines Unternehmens maximal 1.000 Kilometer beträgt. „Es macht wenig Sinn, über noch längere Distanzen zu liefern.“ Die Schnittmenge von „Grüne Erde“ mit dem Tourismus ist seit 2019 die Erlebnisausstellung „Grüne Erde-Welt“. Dort sind Schauprodukte zu bestaunen. Es gibt auch eine Außenanlage und Führungen. Das Konzept findet Anklang: Schon im ersten Jahr kamen 70.000 Besucher*innen nach Scharnstein.


Die komplette Veranstaltung kann auf www.biz-up.at/gipfelgespraeche nachgesehen werden. 
 


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MMag. Heike Kniesel

Projektmanagerin

Touristische Leitprojekte
Förderungen und Investitionen in der Hotellerie

Tel.: +43 732 79810-5056

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